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Autoclub in der Krise: ADAC-Manager arrangierte Helikopterflug für Familienmitglied

Ein Manager des ADAC hat einem Verwandten einen privaten Flug mit der Luftrettung des Clubs ermöglicht. Trotz der jüngsten Skandale ist ein Rücktritt für Präsident Meyer keine Option.

Im Interview mit der "Bild am Sonntag" hat ADAC-Präsident Peter Meyer eingestanden, dass ein Manager des Pannendienstes einem Familienmitglied einen Flug in einem Ambulanz-Jet ermöglicht hat. Der führende Mitarbeiter sei jedoch im Jahr 2012 entlassen worden, betonte Meyer.

Der Pannendienst verfügt durch seine gemeinnützige Tochterfirma ADAC Luftrettungs gGmbH neben Hubschraubern auch über eine Flotte von vier Mittelstrecken-Flugzeugen, die zum Beispiel zum Rücktransport von Verletzten oder Kranken aus dem Ausland eingesetzt werden. Zuvor hatte der stern berichtet, dass Rettungsschrauber vom Management des ADAC für Dienstreisen genutzt worden seien. Am Freitag hat der ADAC dies bestätigt.

Laut "BamS" sei ausgerechnet Autoexperte Ferdinand Dudenhöfer bei einer dieser Dienstreisen von Hamburg nach Wolfsburg mit an Bord gewesen, der als Veranstaltungsmoderator vom ADAC gebucht worden war. Dudenhöfer kritisierte nach den Enthüllungen um den Manipulationen beim Autopreis "Gelber Engel" die Strukturen innerhalb des Clubs scharf. Meyer lehnte in dem Interview einen Rücktritt ab. "Als Präsident wurde ich im letzten Jahr mit großer Mehrheit bis 2017 wiedergewählt", sagte er. "Ich stehe zu meiner Verantwortung und werde die Vorkommnisse umfassend aufklären, damit das Vertrauen in den ADAC schnellstmöglich wieder hergestellt werden kann."

Unternehmer-Wolf im Vereins-Pelz

Politikwissenschaftler Heinrich Oberreuter bewertet die Rolle der Medien in der Berichterstattung über Manipulationen beim ADAC positiv. "Von vielen Millionen Mitgliedern wird der ADAC als Pannenhilfe wahrgenommen. Nun wird einmal ins Bewusstsein gerufen, dass aus dem Club längst ein Wirtschaftsimperium mit ganz eigenen Interessen geworden ist, eine in die Politik hineinmischende Interessensmacht der Autolobby. Das ist gewiss nicht falsch", sagte Oberreuter der Nachrichtenagentur DPA am Samstag.

Die Manipulation beim Autopreis "Gelber Engel" sei eine "teuflische Fälschung", sagte Oberreuter - das Problem seien jedoch nicht die Zahlen: "Es geht darum, dass der Verein sich anmaßt, eine starke Gruppe der Bevölkerung zu vertreten. Die realen Zahlen zeigen aber, dass den Mitgliedern der Verein eigentlich ziemlich egal ist." Der Politikwissenschaftler sprach auch von einem "merkwürdigen" Krisenmanagement des ADAC.

ono/DPA/AFP / DPA

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