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MÜNSTER: Hauptsache dagegen

Vollversammlung an der Uni Münster

Vollversammlung an der Uni Münster

»Keine Studiengebühren in NRW!«, schrie es mich letzte Woche auf einem Flyer an. Er rief dazu auf, sich im Zuge der europaweit stattfindenden »Aktionswoche gegen Studiengebühren und Bildungsprivatisierung« zu mobilisieren. Die Allgemeinen Studierendenausschüsse (AStA) der Universität, der Fachhochschule und der Katholischen Fachhochschule hatten sich mal wieder tüchtig ins Zeug gelegt.

Einen guten Anlass für eine Vollversammlung, gab es ja auch schon länger nicht mehr. Vollversammlung bedeutet: Es wird ernst!

Money talks

Mittwochmittag. Außer mir wirkte der Flyer auf etwa 200 Studierende, die ihren Aktionismus auszuleben gedachten. Die AStA-Vorsitzende Anika Susek referierte über die europaweite Bildungsprivatisierung. Das von der Welthandelsorganisation WTO 1994 beschlossene internationale Handelsabkommen, so Anika, führt dazu, dass der Schul- und Hochschulsektor in die Hände der privaten Wirtschaft und ihr damit zum Opfer fällt. Folgen: Privatisierung der Hochschulen und Studiengebühren.

Dem hauptsächlich linken Publikum waren die Zusammenhänge auch nicht ganz klar. Fragezeichen in den Augen. Aber egal: Hauptsache dagegen, Stimmung geht vor Information. Anschließend ließ der Referent für Hochschulpolitik, Ulf Banscherus, an der nordrhein-westfälischen Bildungsministerin Gabriele Behler und ihrem kürzlich vorgestellten Studienkontenmodell kein gutes Haar. Dem Modell zufolge verfügt jeder Studierende ab 2004 über ein Studienkonto mit Semesterwochenstunden, die durch den Besuch von Veranstaltungen verbraucht werden. Im schlimmsten - nach Banscherus durchaus naheliegenden - Fall ist der im Grunde ambitionierte Student um 500 Euro pro Semester ärmer. So viel kostet es ihn nämlich, wenn er über das Zweifache der Regelstudienzeit von üblicherweise neun Semestern hinaus an der Uni bleibt. Wie bitte? Zahlen nach 18 Semestern? Das schmerzt, das darf nicht sein! Synchrones Nicken in den Zuhörerreihen.

Wozu Farbe, wenn es auch schwarz-weiß geht?

Das Vokabular der Vollversammlung bestand hauptsächlich aus »Neins«, »Abers« und »Gegens«, die sich auf die offensichtlich fragwürdigen Motive und Pläne Frau Behlers bezogen. Ausgespart wurde der Versuch, das Problem bei den Studienbedingungen und somit bei der Wurzel zu packen. Hauptsache dagegen, wozu differenzieren oder Alternativen anbringen. »Wenn du das ?dagegen' nicht magst, kann man auch sagen: Wir sind für Studiengebührenfreiheit«, informierte mich Marc Huhnen vom FH-AStA. Aha!

Ein kühner Anwesender nutzte die Stimmung und plädierte gar für einen Warnstreik. 1997 ging es ja auch! »Nein, nein, erst einmal nicht«, war der Kommentar von Ulf Banscherus, »von wegen Beschlussfähigkeit und so. Später vielleicht.«

Stimmungsgeladene Aktionen gegen Studiengebühren gab es in der letzten Woche eine Menge. Und vielleicht wurde irgendwo auch darüber diskutiert, wie man die Studienbedingungen verbessern könnte. (dg)

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