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Pisa-Schultest: Maues Mittelmaß und keine Chance für die Armen

Schüler aus dem Siegerland Finnland sind deutschen Schülern in allen drei getesteten Wissensdisziplinen knapp eineinhalb Schuljahre voraus. Obendrein kann sich Deutschland mit dem Titel des unsozialsten Schulsystems der Welt schmücken.

Verglichen mit der vor zwei Wochen bekannt gewordenen Leistungsrangliste der 29 teilnehmenden OECD-Staaten kann Deutschland jetzt in der Endfassung der Tabelle wegen der Disqualifizierung Großbritanniens in allen drei Disziplinen jeweils einen Platz aufsteigen. Im diesjährigen Untersuchungsschwerpunkt Mathematik belegt Deutschland mit 503 Punkten Rang 16. In Lesen und Textverständnis, der Schlüsselkompetenz für das Lernen in Schule und Beruf, erreicht Deutschland mit 491 Punkten Rang 19. In Naturwissenschaften rückt Deutschland mit 502 Punkten auf den 15. Platz auf.

Das Siegerland Finnland kommt mit 544 Punkten in Mathematik, mit 543 in Lesekompetenz und mit 548 in Naturwissenschaften in der Wertung der OECD-Staaten überall auf Platz eins. 50 Pisa-Punkte entsprechen etwa dem Lernfortschritt von eineinhalb Schuljahren.

Das unsozialste Schulsystem der Welt

Die Untersuchung bestätigt erneut, dass in keinem anderen vergleichbaren Staat der Welt der Schulerfolg so stark von Einkommen und Vorbildung der Eltern abhängig ist wie in Deutschland. Schüler aus einfachen Familien hätten eine ungleich geringere Chance, ein Gymnasium zu besuchen als Akademikerkinder - selbst wenn sie die gleiche Intelligenz haben. Von den europäischen Staaten bekommen in Sachen soziale Förderung auch Ungarn und Belgien von den Pisa- Forschern schlechte Noten.

Gut jeder fünfte Schüler in Deutschland kann laut der neuen Pisa-Studie einfachste Texte nicht lesen und verstehen sowie selbst am Ende seiner Pflichtschulzeit allenfalls auf Grundschulniveau rechnen. In Naturwissenschaften beträgt der Anteil der Risikoschüler 23,6 Prozent.

Für die neue Pisa-Studie waren im Frühjahr 2003 bundesweit annähernd 50 000 Schüler im Alter von 15 Jahren getestet worden. Die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sowie die Kultusministerkonferenz wollen die Ergebnisse am Dienstag veröffentlichen. In einigen Bundesländern waren auf Anordnung der Ministerien monatelang vor der Untersuchung Pisa-Aufgaben aus dem ersten Test aus dem Jahre 2000 intensiv geübt worden. Einen detaillierten Vergleich der Bundesländer haben die Kultusminister erst für den Herbst 2005 angekündigt.

DPA

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