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Pisa II: Arm gleich chancenlos

Bittere Erkenntnis: Seit der letzten Pisa-Studie hat sich die Chancenungleichheit unter deutschen Schülern noch mehr verschärft. Die zweite Pisa-Studie zeigt, dass schulischer Erfolg zu sehr vom sozialen Hintergrund des Elternhauses abhängt.

In mehreren Ländern der Welt werden heute die Ergebnisse der neuen Pisa-Schulstudie vorgestellt. An dem größten internationalen Schulleistungstest nahmen 250.000 Schüler aus 40 Staaten teil. Nach der vorab bekannt gewordenen Leistungsrangliste sind Finnland, Hongkong, Kanada, Japan und Südkorea die Pisa-Siegerländer. Deutschland belegt Mittelplätze. Gleichzeitig gibt es aber Hinweise, dass das Problem der Chancenungleichheit an den deutschen Schulen weiter zugenommen hat.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OSZE), die die Studie veranstaltet, und die Kultusministerkonferenz (KMK) werden am Abend in Berlin bei getrennten Veranstaltungen die deutschen Ergebnisse analysieren.

Gesamtschulen sollen das Problem richten

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) verlangte als Sofortmaßnahme gegen die Pisa-Probleme ein Sprachförderprogramm für Schüler aus einkommensschwachen Elternhäusern und für Migrantenkinder. Insbesondere Schüler an Hauptschulen müssten besser unterstützt werden, sagte GEW-Vorstandsmitglied Marianne Demmer.

Sie verwies darauf, dass laut Pisa über 20 Prozent der 15-Jährigen als so genannte Risikoschüler gelten, deren Mathematik- und Lesekompetenzen nicht über Grundschulniveau hinausgingen. Es sei verantwortungslos, diese jungen Menschen einfach abzuschreiben.

Die schleswig-holsteinische Kultusministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) plädierte für die Einführung einer Gemeinschaftsschule für alle Kinder bis zum zehnten Schuljahr. "Wir sollten etwas gegen den skandalösen Umstand unternehmen, dass Schulerfolge in Deutschland wie in keinem anderen Land vom sozialen Hintergrund der Eltern abhängen", sagte sie der "Berliner Zeitung". "Die frühzeitige Aufteilung in Hauptschule, Realschule und Gymnasium ist nicht zukunftsfähig. Wir müssen das dreigliedrige Schulsystem überwinden und alle Schüler länger gemeinsam lernen lassen."

DPA / DPA

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