Privatinsolvenz So entkommen Sie dem Pleitegeier


Immer mehr Haushalte sind hoffnungslos überschuldet - wegen leichtfertigem Einkauf, schlechter Beratung oder fehlgeschlagener Selbstständigkeit. Mit der Privatinsolvenz gibt es einen schweren, aber endgültigen Weg aus der Misere.

Wer dauerhaft in der Schuldenfalle sitzt, steht oft nicht nur finanziell, sondern auch persönlich vor einem Scherbenhaufen. Der Betroffenen hat wenig Hoffnung, wieder aus den roten Zahlen herauszukommen. Das Verbraucherinsolvenzverfahren will genau diese Hoffnung vermitteln und redlichen Schuldnern die Chance geben, einen Neuanfang zu wagen. Wer alle Ebenen des Verfahrens durchläuft, kann in sechs bis sieben Jahren schuldenfrei sein. Die Gewissheit hilft, für das 'Leben danach' zu planen und gibt neue Motivation, die schwierige, aber begrenzte Zeit zu überstehen.

Im Jahr 2002 haben zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen 145 Prozent mehr Haushalte Insolvenz angemeldet als noch im Jahr zuvor. Das lag am reformierten Insolvenzgesetz, das verschuldeten Privatleuten einen Weg aus der Finanzmisere bietet. Wären die Schuldnerberatungen nicht so überlastet, so wäre die Zahl noch wesentlich höher, vermuten Experten.

Schwerwiegende Folgen

Opfer einer dauerhaften Verschuldungssituation sind in erster Linie kinderreiche Familien, Alleinerziehende, Langzeitarbeitslose, aber auch selbständige Existenzgründer, deren Betrieb beispielsweise gescheitert ist.

Die Folgen der persönlichen Zahlungsunfähigkeit können Betroffene und deren Familien stark belasten. Ein Verlust des Arbeitsplatzes wegen andauernder Lohnpfändungen, familiäre Konflikte in Folge psychischer Überlastung, soziale und gesellschaftliche Ausgrenzung, eine stressgeprägte erzieherische Atmosphäre für Kinder und Jugendliche sowie gesundheitliche Beeinträchtigungen sind nur einige dieser Konsequenzen.

Keine Angst vor den Kosten

Wer befürchtet, das Verfahren könne er sich nicht leisten, kann schon seit geraumer Zeit aufatmen. Zwar müssen die Gerichtskosten im Verfahren selbst getragen werden, allerdings haben die Gerichte inzwischen großzügige Stundungsregelungen. Bezahlt werden muss daher erst nach Ablauf des Verfahrens, wenn der ehemalige Schuldner wieder schuldenfrei dasteht. Das größte Hindernis bei der Entscheidung für die Privatinsolvenz ist auf diesem Weg beseitigt worden.

Wichtig auch: Der Arbeitgeber, so vorhanden, sollte vor Eröffnung des Verfahrens informiert werden. Sonst könnte die Aufforderung des Verwalters, das Arbeitseinkommen zukünftig an ihn zu überweisen, für eine unangenehme Überraschung sorgen.

Drei Schritte zur Erlösung

Schritt 1: Der Schuldner muss zahlungsunfähig sein, also seinen bestehenden Zahlungsverpflichtungen zum überwiegenden Teil nicht mehr nachkommen können. Ein außergerichtlicher Einigungsversuch mit den Gläubigern ist verpflichtend. Alle Gläubiger müssen dabei angesprochen werden und einer Regelung zustimmen.

In diesem Einigungsversuch, den auch Schuldnerberatungen für die Betroffenen übernehmen, können den Gläubigern unterschiedliche Kompromissmodelle angeboten werden. Zahlt beispielsweise der Schuldner einen sofortigen Einmalbetrag, so verzichtet der Gläubiger dafür auf den Rest seiner Forderungen. Möglich ist auch eine Regelung in der Art, dass ein bestimmter Betrag monatlich an einen Treuhänder gezahlt wird. Dieser kann dann einmal im Jahr das Geld anteilig an die Gläubiger verteilen. Führt dieser Vermittlungsversuch nicht zum Erfolg, weil ein oder mehrere Gläubiger sich nicht einverstanden erklären, kann eine Bescheinigung über den gescheiterten Versuch ausgestellt werden. Auch das übernehmen Schuldnerberatungsstellen. Nicht vergessen darf man dabei jedoch, dass diese sehr überlastet sind, und der ganze Prozess einige Zeit in Anspruch nehmen kann.

Alternativ bleibt auch der Weg zum Rechtsanwalt. Am günstigsten geht das, indem man sich beim Amtsgericht einen Berechtigungsschein für rechtliche Beratung in Insolvenz-Sachen holt. So werden zumindest die Kosten für die erste Beratung abgedeckt. Weitere Aktivitäten des Anwalts – das Anschreiben der Gläubiger und ähnliche Kosten, müssen allerdings selbst getragen werden. Im ersten Gespräch sollten also auch die zukünftigen Kosten geklärt werden. Grundsätzlich gilt: je mehr Gläubiger desto mehr Kosten. Auch über den Rechtsanwalt kann das Verfahren aber in Gang gebracht und nachher eine Bescheinigung über den möglicherweise erfolglosen Einigungsversuch ausgestellt werden.

Schritt 2: Erst wenn ein Einigungsversuch gescheitert und bescheinigt ist, führt der Weg zum Gericht. Beim zuständigen Amtsgericht muss der Antrag auf Eröffnung des Verbraucherinsolvenzverfahrens zusammen mit einem Antrag auf Restschuldbefreiung gestellt werden. Bei den Amtsgerichten gibt es entsprechende, inzwischen bundeseinheitliche Vordrucke. Die Anträge werden vom Insolvenzgericht geprüft - wenn sie in Ordnung sind, wird das Insolvenzverfahren eingeleitet. Der dort eingeschlagene Weg ähnelt dem im Vorab-Einigungsverfahren. Das Gericht allerdings kann nicht zustimmungswillige Gläubiger sozusagen zur Einwilligung zwingen – es ersetzt ihre Zustimmung einfach durch Richterbeschluss.

Schritt 3:

Die Regelung sieht dann folgendermaßen aus: der Schuldner nimmt eine sechsjährige 'Wohlverhaltensphase' auf sich. Für Betroffenen, die schon vor 1997 zahlungsunfähig waren, steht sogar nur eine 5-jährige Phase auf dem Plan. In dieser Zeit wird das gesamte Einkommen, mit Ausnahme des pfändungsfreien Betrags, an einen Treuhänder überwiesen. Der Schuldner verliert die Möglichkeit, über seine Einkünfte selbst zu verfügen – dies tut der Treuhänder. Nur den Freibetrag erhält der Schuldner direkt überwiesen.

Eventuell noch vorhandenes Vermögen muss ebenfalls für die Insolvenzmasse verwertet werden. Die monatlichen Raten werden gesammelt und jeweils am Ende des Jahres anteilig unter die Gläubiger verteilt. Das Prozedere wird dem Betroffenen nicht zu leicht gemacht: Der Schuldner muss jede zumutbare Arbeit annehmen und darf keinerlei Einkünfte verheimlichen. Verstößt er gegen diese Auflagen, so verliert er die Möglichkeit auf Restschuldbefreiung. Schlägt er sich jedoch wacker und steht die sechs Jahre durch, so erteilt das Gericht eine Restschuldbefreiung und die Schulden sind endgültig Geschichte.

Das klappt nur einmal im Leben

Erwähnenswert ist auch, dass das Privatinsolvenzverfahren nur einmal im Leben funktioniert. Es spricht also viel dafür, die sechsjährige Erprobungsphase auch zur Ursachenanalyse zu nutzen, und sich zu informieren, wie man auch für einen Privathaushalt erfolgreiche Haushaltspläne aufstellt. Bei einer zweiten Überschuldung ist dieser Weg versperrt, und die Schulden verjähren regulär nach 30 Jahren.

Claudia Fudeus

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker