Produktfälschungen Zu billig, um wahr zu sein


Eine Luxus-Handtasche für 78 Euro: Das ist die Sorte Schnäppchen, von denen Ebay-Nutzerinnen träumen. Aber ist das Produkt auch "echt"? Wohl eher nicht. Ebay wehrt sich gegen den Handel mit Plagiaten - der Verbraucher manchmal auch.
Von Karin Spitra

Bianca Schmidt (Name von der Reaktion geändert) hat einen exquisiten Geschmack, aber leider nicht das nötige Kleingeld. Dennoch gelingen ihr immer wieder tolle "Schnäppchen", um die sie im Freundinnen-Kreis glühend bewundert wird: Zuletzt vermeldete sie den erfolgreichen Ankauf einer schwarzen Gucci-Spybag in schwarzem Leder. Für 75 Euro! Es gab nur einen klitzekleinen Haken - die Handtasche war kein Original, sondern eine Fälschung.

Kein Wunder, denn im Italien- oder Türkei-Urlaub wird an den Strandpromenaden ganz offen ein schwunghafter Handel mit Produktfälschungen betrieben. Dass die Unterwäsche von Calvin Klein, die Sonnenbrille von Prada oder die Koffer von Loius Vuitton bei den Preisen nie im Leben echt sein können, erwartet wohl auch kaum ein Käufer. Was Bianca Schmidt nicht weiter störte, findet Maike Fuest, Sprecherin des Online-Auktionshauses Ebay gar nicht witzig. "Hier gibt es ein großes Sensibilisierungsproblem," stellt sie fest.

Absichtliche Lüge ist strafbar

Denn den Herstellern der prestige-trächtigen Nobelmarken entgeht dadurch jährlich eine Riesensumme: Durch das mangelnde Unrechtsbewusstsein der Käufer entsteht weltweit ein volkswirtschaftlicher Schaden von 200 bis 300 Milliarden Euro und in Deutschland sind es immer noch stolze 29 Milliarden Euro. Außerdem ist Herstellung und Handel mit Produktfälschungen ein richtiger Jobkiller: Weltweit werden dadurch jedes Jahr geschätzte 200.000 Arbeitsplätze zersört, bei uns sind es immer noch 70.000. Kein Wunder, mittlerweile sind über zehn Prozent des Welthandels Fälschungen und Nachahmungen.

Deshalb ist auch, was unter südlicher Sonne noch eben so durchrutschen mag, bei Ebay schlicht kriminell. Denn in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBs), die sowohl Käufer, als auch Verkäufer vor Vertragsabschluss zur Kenntnis nehmen müssen ist der Handel mit "unzuläsigen Artikeln" untersagt. Und das sind Plagiate. Wobei es feine Unterschiede gibt: "Stellt jemand ein so genanntes 'me-too-Produkt' ein, dass zwar Ähnlichkeit mit einem Designer-Stück hat, aber keine Markenrechte verletzt, ist das nicht verboten," erklärt Fuest. Ein Tasche, mit einem leicht abgewandelten Burberry-Muster in schreiendem Rot wäre also problemlos handelbar - solange sich nicht der Hersteller der Nobelmarke in seinen Rechten verletzt sieht.

"Problematisch wird es, wenn jemand ein Produkt als Original beschreibt, das gar keins ist," so Fuest. Um sich und die eigenen Auktionskunden vor solchen Händlern zu schützen, arbeitet Ebay deshalb seit mehreren Jahren mit weltweit rund 13.000 Herstellern im "Veri-Programm" zusammen. Entdecken diese ein Plagiat, melden sie es umgehend der Auktionsplattform - die es ihrerseits sofort aus dem Angebot löschen. "Schließlich wissen die Hersteller selbst am besten, wie ihre Originale aussehen - und woran man die Fälschungen erkennt," fügt Fuest hinzu. Glück für den Kunden: Kauft der eine Fälschung, dann greift die Unschuldsvermutung - man geht schlicht davon aus, dass er es gar nicht wusste.

Auf die Formulierung achten

Allerdings gibt es einige Formulierungen, die den Eingeweihten klar "Achtung, Plagiat" signalisieren. Bei Schmuck ist es zum Beispiel die Beschreibung "Nachtauslage". Mit sochen Duplikaten echter Schmuckstücke bestücken Juweliere eigentlich ihre Auslagen nach Geschäftsschluss - um einem Einbrecher möglichst wenig Appetit zu machen. Auch der etwas schwammige Begriff "Original Designer" sollte stutzig machen: Wer sich nicht traut, einen Namen hinzuschreiben, wird schon wissen, warum.

Fällt jemand unabsichtlich auf so eine Fälschung herein, kann er die Waren meist zurückgeben. "Ist es ein gewerblicher Händerl, steht dem Käufer sowieso das 14-tägige Rücktrittsrecht zu," erklärt Fuest. "Und bei einem privaten Händler kann man sich auf die AGB mit dem Passus "unzulässiger Artikel" berufen - immer vorausgesetzt, der Verkäufer hat den Käufer getäuscht. Der Käuferschutz greift immer dann, wenn der gekaufte Artikel nicht der Beschreibung entspricht. Wer also "Original Nike Schuhe" kauft, darf auch tatsächlich genau das erwarten.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker