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Produktionsende: Bye, bye "Stecki"

Die Zigarettenhersteller stellen die Produktion von Steckzigaretten ein. Nachdem die EU deren niedrigere Besteuerung aufgehoben hatte, fällt jetzt deren Preisvorteil weg. Das tun auch die Jobs: Die Tabakindustrie streicht 400 Stellen.

Die Produktion der besonders preisgünstigen Steckzigaretten ("Sticks" oder "Singles") geht an diesem Freitag zu Ende. Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) vom vergangenen November müssen die Sticks künftig wie Fabrikzigaretten besteuert werden und verlieren damit ihren Markt. Der Zigarettenkonzern Reemtsma streicht deshalb mehr als 150 von 280 Arbeitsplätzen in seiner Fabrik im badischen Lahr, teilte das Unternehmen am Donnerstag in Hamburg mit. Schon Anfang des Monats hatte British-American Tobacco (BAT) angekündigt, dass 240 Arbeitsplätze in seinem Werk in Bremen wegfallen.

Verkauf geht weiter - bis Lager leer sind

"Es ist sehr bedauerlich, dass wir unseren Betrieb in Lahr als Folge der EuGH-Entscheidung zur Besteuerung von Singles umstrukturieren müssen", sagte David Cresswell, der Produktionsdirektor der Reemtsma-Muttergesellschaft Imperial Tobacco. "Es ist für uns aber unabdingbar, um im schwierigen Marktumfeld in Deutschland weiterhin effizient und wettbewerbsfähig agieren zu können." Die verbleibende Produktion von Eco Cigarillos werde neu strukturiert und flexibel gestaltet, so dass rund 5,8 Millionen Euro jährlich eingespart werden könnten. Reemtsma rechnet mit Kosten von 26 Millionen Euro für die Restrukturierung.

Industrie und Handel dürfen bereits produzierte Steckzigaretten weiter verkaufen, so dass für die Verbraucher die Produkte noch einige Wochen erhältlich sein werden. Die Sticks - vorgefertigte Tabakröllchen, die in eine Zigarettenhülle eingeführt werden - hatte die Industrie aus steuerlichen Gründen erfunden. Sie wurden wie Feinschnitt-Tabak besteuert und waren damit nur halb so teuer wie Fabrikzigaretten. Das überzeugte Millionen Verbraucher, die aufs Geld achten müssen. Die Sticks erreichten innerhalb weniger Jahre einen Anteil von rund 20 Prozent am deutschen Zigarettenmarkt.

Tabaksteuer macht "richtige" Zigaretten zu teuer

Die Industrie hat Nachfolge-Produkte aus neuartigem Drehtabak auf den Markt gebracht, um eine weitere Erosion des Marktes zu Gunsten legaler und illegaler Importe und Fälschungen zu verhindern. Nach fünf Erhöhungen der Tabaksteuer in wenigen Jahren sind Fabrikzigaretten so teuer wie noch nie und übersteigen für Geringverdiener oft die finanziellen Möglichkeiten. Der Absatz von Fabrikzigaretten in Deutschland, der jahrelang relativ stabil bei rund 140 Milliarden Stück gelegen hat, ist mittlerweile dauerhaft um ein Drittel auf 97 Milliarden Stück geschrumpft.

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