HOME

Fire TV Stick im Test : Nur 39 Euro: Das kann Amazons Heimkino-Zwerg

Klein, schlau und extrem günstig: Amazon will mit dem Fire TV Stick unsere Wohnzimmer erobern. Für nur 39 Euro wird jeder Fernseher zum Smart TV mit Netflix und Co. Wir haben den Stick getestet.

Amazon startet den Vorverkauf seines Fire TV Stick in Deutschland.

Amazon startet den Vorverkauf seines Fire TV Stick in Deutschland.

Das Fernsehen der Zukunft wiegt nur 25 Gramm und ist so groß wie eine Kaugummipackung: Die Rede ist von Amazons neuem Fire TV Stick. In den USA ist das Gadget bereits seit Monaten ein Bestseller, nun liefert Amazon auch hierzulande die ersten Päckchen mit dem Streaming-Stick aus. Und die Nachfrage ist enorm: Wer jetzt einen Fire TV Stick bestellt, muss etwa drei Wochen auf die Lieferung warten. Für Amazon ist es einer der erfolgreichsten Produktstarts aller Zeiten. Zu Recht? Wir haben den Heimkino-Zwerg getestet und sagen, für wen sich ein Kauf lohnt.

Die Ersteinrichtung ist simpel: Der Fire TV Stick wird einfach in den HDMI-Anschluss des Fernsehers gesteckt, Strom bekommt er via USB oder Netzteil (im Lieferumfang enthalten) - und los geht's. Danach werden in einem Einführungsvideo die wichtigsten Funktionen erklärt. Die Bedienoberfläche des Fire TV Stick ist intuitiv: Auf der Startseite prangen die aktuellen Film- und Serien-Highlights, links gibt es verschiedene Kategorien wie Filme, Serien, Apps, Fotos oder die eigene Watchlist. Wichtig: Der Streaming-Stick kann auch ohne bestehendes Prime-Abonnement genutzt werden.

Neben dem firmeneigenen Streaming-Dienst Amazon Prime Instant Video, der prominent auf dem Startbildschirm beworben wird, stehen im Amazon Shop zahlreiche Anwendungen zum Download bereit - darunter Netflix, die Mediatheken von ARD und ZDF und Musik-Apps wie Spotify.

Schade: Mediatheken von RTL oder Pro7 werden nicht angeboten, auch Streaming-Anbieter wie Sky Snap sucht man noch vergebens. Filme und Serien streamt der Stick in HD-Auflösung, sofern vorhanden 720p (HD ready) und 1080p (Full HD). Zuvor wird jedoch automatisch die Wlan-Bandbreite gemessen, denn der Stick passt die Filmauflösung an die Übertragungsqualität an.

Weiterhin gibt es eine Vielzahl von Games, etwa das Jump'n'Run "Sonic", "Tetris" oder das Rennspiel "Beach Buggy Racing". Gesteuert wird das Spiel entweder über die Fernbedienung, was etwas hakelig ist, oder über den 40 Euro teuren Amazon-Controller. Zum Daddeln zwischendurch ist das ganz nett, wirkliche Highlight-Games gibt es aber nicht. Ein Ersatz für die Spielkonsole ist der Fire TV Stick definitiv nicht.

Fire TV vs. Fire TV Stick

Im Vergleich zum 99 Euro teuren Fire TV ist der Fire TV Stick deutlich kompakter. Mit 8,4 x 2,5 x 1,1 Zentimetern ist er gerade einmal so groß wie ein handelsüblicher USB-Stick. Das ging zu Lasten der Ausstattung: Statt eines Vierkernprozessors kommt im Fire TV Stick ein Zweikernchip zum Einsatz, der Arbeitsspeicher ist mit einem statt zwei Gigabyte nur halb so groß wie beim älteren Bruder.

In unserem Test kam es gelegentlich zu ein- bis zweisekündigen Ladezeiten, wirklich störend waren diese aber nicht. Gefühlt war die Performance etwas besser, wenn man den Stick über die Steckdose mit Strom versorgte und nicht nur über die USB-Buchse des Fernsehers. Einzig bei Games muss man mit Rucklern leben - wer zocken will, sollte zum größeren Fire TV oder gleich zur Playstation greifen.

Auch bei den Anschlüssen wurde gespart: Einen Ethernet-Port zur kabelgebundenen Internetverbindung gibt es beim Stick nicht. Ein Wlan-Router ist zwingend erforderlich. Der sollte nicht zu schwachbrüstig sein und in der Nähe zum Fernseher stehen, denn sonst dreht sich der Ladekreisel länger als einem lieb ist. Einen optischen Audio-Ausgang gibt es beim Stick ebenfalls nicht. Beide Geräte haben acht Gigabyte Speicherplatz für interne Apps.

Ein weiterer Unterschied besteht beim mitgelieferten Zubehör, genauer: der Fernbedienung. Beim Fire TV gibt es eine Fernbedienung mit integrierter Spracherkennung. Dort muss man einfach nur die Mikrofon-Taste drücken und etwa "Filme mit Til Schweiger" sagen - wenige Sekunden später poppen alle Streifen mit Til Schweiger aus dem Amazon-Sortiment auf dem Bildschirm auf. Bei der kleineren Fernbedienung des Fire TV Stick fehlt diese Taste. Wer auf das Feature nicht verzichten möchte, kann die Fire-TV-App für iOS und Android herunterladen, mit der das Smartphone zur Ersatzfernbedienung wird. Natürlich kann die Fernbedienung mit Sprachsteuerung auch separat gekauft werden, das schlägt aber mit satten 30 Euro zu Buche.

Fire TV Stick vs. Chromecast

Und wie schlägt sich der Fire TV Stick gegen Googles Chromecast? Beide Geräte haben zunächst frappierende Ähnlichkeit: Sie erledigen die gleichen Aufgaben (Inhalte streamen), kosten etwa gleich viel (39 vs. 35 Euro) und werden via HDMI an den Fernseher angeschlossen. Der Fire TV Stick funktioniert aber deutlich besser: Dank der Fernbedienung kann er komfortabler bedient werden, außerdem besitzt er ein richtiges Menü und funktioniert ohne zusätzliche Geräte. Googles Chromecast dagegen benötigt zwingend ein Smartphone, Tablet oder Computer, um Inhalte auf den Fernseher zu übertragen. Dafür kann man mit dem Google-Stick Web-Inhalte und Browser-Tabs auf den Fernseher spiegeln.

So wird der Fire TV Stick zur Multimediazentrale

Ein weiterer Tipp für Bastler: Über Umwege kann man auf dem Fire TV Stick sogar die beliebte Software Kodi (ehemals XBMC) installieren. Damit ist es möglich, selbst aufgenommene Filme von einem Netzlaufwerk zu streamen. Eine Anleitung finden Sie hier (englischsprachig). Auch andere Android-Apps lassen sich auf diese Weise installieren.

Fazit

Amazons Fire TV Stick lohnt sich für alle, die gerne Streaming-Dienste wie Netflix oder Prime Instant Video nutzen oder gelegentlich bequem vom Sofa aus durch die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender zappen wollen. Mit 39 Euro ist das Gerät ein echtes Schnäppchen und deutlich günstiger als etwa Apples Streamingbox. Wer auf einen Ethernet-Anschluss und Games verzichten kann, spart sich so die 60 Euro Aufpreis für den teureren Fire TV. Durch die kompakten Maße passt der Fire TV Stick auch prima in die Urlaubstasche - so muss man auch im Hotel nicht mehr auf die Lieblingsserie verzichten.