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Schule: Wirtschaft für Benimm-Unterricht

Aus Sicht der Betriebe ist es höchste Zeit, dass etwas gegen den Erziehungsnotstand unternommen und die Vermittlung von Werten in den Unterricht aufgenommen werde.

Die deutsche Wirtschaft hat Forderungen nach einem Benimm-Unterricht für Schüler begrüßt. "Die Unternehmen stehen bereits seit geraumer Zeit vor dem Problem, dass den Schulabgängern oft die Kenntnis der einfachsten Regeln des Zusammenlebens fehlt", sagte der Präsident der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA), Dieter Hundt, der "Berliner Zeitung". Aus Sicht der Betriebe sei es höchste Zeit, dass etwas gegen den Erziehungsnotstand unternommen und die Vermittlung von Werten in den Unterricht aufgenommen werde.

Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) bewertete die entsprechende Initiative des Saarlandes positiv. DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben beklagte in der selben Zeitung fehlende Reife und mangelndes soziales Verhalten der Lehrstellenbewerber. Die Schule sei in diesem Zusammenhang aber nur ein Teilaspekt: "Auch die Eltern sind in der Pflicht: Sie müssen ihren Kindern wieder Verlässlichkeit, Pünktlichkeit, Ehrlichkeit und Teamfähigkeit beibringen." Es könne nicht alles der Schule überlassen werden.

Saarland und Hamburg

Nach dem Saarland denkt auch Hamburg darüber nach, wie Benehmen und Umgang stärker in den Unterricht einfließen können. "Die Idee, Umgangsformen, Werte und Tugenden in den Unterricht einzubinden, ist sinnvoll", sagte Schulsenator Rudolf Lange der Zeitung. Auch die niedersächsische Familienministerin Ursula von der Leyen begrüßte die Initiative. "Benimm-Unterricht in Schulen kann eine gute Möglichkeit sein, Defizite zu verringern", sagte der FDP-Politiker. Bremen lehnt den Vorstoß dagegen ab. Bildungssenator Willi Lemke (SPD) hält es für sinnvoller, den Lehrern den Rücken zu stärken. Oft dauere es zu lange, bis ein Schüler für ein Vergehen bestraft werden könne.

Hundt betonte, die viel gescholtenen Sekundärtugenden wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit seien unabdingbar für den Umgang miteinander. Ausbilder in Betrieben stellten nicht selten mit Erschrecken fest, dass junge Leute bei ihnen oft zum ersten Mal mit Regeln und Werten in Kontakt kämen. "Niemand kann bestreiten, dass hier schon im Vorfeld etwas massiv schief läuft", sagte Hundt. Besonders wichtig sei die Wiedereinführung einer überarbeiteten Form der Kopfnote. "Wir brauchen Kopfnoten mit modernen Bewertungsmaßstäben", sagte Hundt. Dafür könne die in Betrieben übliche Mitarbeiterbeurteilung als Vorbild dienen.

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