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Solaranlage: Mit Sonnenstrahlen Geld verdienen

Alle reden vom Klimaschutz, Familie Leptin aus Hamburg handelt. Sie hat sich eine Solaranlage aufs Hausdach geschraubt, die umweltfreundlichen Strom erzeugt und den Leptins auch noch Geld einbringt. stern.de erklärt die wichtigsten Schritte zum eigenen Mini-Stromunternehmen und wie auch Sie mit Sonnenenergie bare Münze verdienen können.

Von Malte Arnsperger

"Photovoltaik ist cool." Das sagt nicht etwa der schlagzeilenhungrige PR-Manager eines Solarunternehmens, ein verbissener Aktivist von Greenpeace oder gar ein Grünen-Politiker auf Stimmenfang. Nein, das sagt ein normaler Teenager, ein 16-jähriges Mädchen, das sonst für Musik oder ihre Pferde schwärmt. "Wenn ich in meinem Freundeskreis erzähle, dass wir eine Solaranlage auf dem Dach haben, finden das alle toll", erzählt Johanna Leptin.

Das hört Johannas Mutter Luise natürlich gerne. Doch die Familie Leptin aus Hamburg hat sich die Solarzellen nicht installieren lassen, um Lob und Anerkennung zu bekommen. Vielmehr stehen handfeste Motive dahinter. "Es ist eine sinnvolle Technologie, aus ökologischen und wirtschaftlichen Gründen", sagt Luise Leptin. "Wir wären dumm, wenn wir es nicht gemacht hätten."

Investition rechnet sich in 15 Jahren

Getan haben die Leptins Folgendes: Im Oktober 2006 wurde der gesamte nach Süden ausgerichtete Teil ihres Hausdaches mit einer rund 44 Quadratmeter großen Solaranlage bestückt. Die lila-bläulich schimmernden Zellen liefern nun 6,12 Kilowattpeak (kWp, siehe Erklärtext) Strom. Pro Jahr wollen die Leptins damit rund 5000 Kilowattstunden "ernten".

Eine ordentliche Menge, mit dem das Miniatur-Stromunternehmen Leptin gutes Geld verdienen kann. Denn jedes Watt, das die Leptins den Sonnenstrahlen entnommen haben, speisen sie ins Stromnetz ein und bekommen pro Kilowatt von ihrem Netzbetreiber 51 Cent bezahlt. Den Strom für den eigenen Verbrauch beziehen sie wiederum für den normalen, für jeden Kunden gültigen Preis von derzeit rund 23 Cent. "Unsere Investition von rund 38 000 Euro wird sich also in rund 15 Jahren rechnen", freut sich die 47- jährige Luise Leptin. "Dann machen wir Gewinn. Denn die 51 Cent, die wir bekommen, sind für 20 Jahre garantiert."

Doch die Sonnenzapfanlage auf dem Dach sorgt bei Familie Leptin nicht nur für klingende Münze, sondern auch für ein gutes Gewissen. Denn die Familie hat eine grüne Ader. "Wir hätten uns die Anlage auch gekauft, wenn wir keinen Gewinn machen würden. Wir achten auf ein umweltbewusstes Handeln und unterstützen deshalb diese Technologie", sagt Luise Leptin. Angesichts der aktuellen Debatte über Klimaschutz und Kohlendioxid-Ausstoß kann sie zu Recht behaupten: "Wir tragen unser Scherflein zum Umweltschutz bei." Was dabei herauskommt, rechnet Uwe Hartmann von der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie vor: Jede Kilowattstunde Strom aus erneuerbaren Energien spart seinen Angaben zufolge rund 700 Gramm Kohlendioxid, die bei der Herstellung der gleichen Menge Strom mit fossilen Brennstoffen erzeugt würde. Mit ihrer Anlage sparen die Leptins somit pro Jahr den Kohlendioxid-Ausstoß einer Asien-Flugreise ein, sagt Hartmann.

Zufrieden mit ihrer Entscheidung sitzen Tochter und Mutter Leptin im Wohnzimmer, während selbst bei bedecktem Himmel über Hamburg der Stromzähler der Solaranlage stetig läuft. Bei 600 Kilowattstunden ist er schon angekommen, und das in den trüben Monaten seit Oktober. Leptins sind sichtbar stolz auf ihren stillen, aber fleißigen Mitbewohner auf dem Dach. Doch damit kein falscher Eindruck entsteht, sagt Luise Leptin: "Wir sind keine Ökologiefreaks." Tochter Johanna schüttelt den Kopf: "Mama, wir sind Ökologiefreaks."

Leistung und Ertrag der Anlage

Die wichtigste Kennzahl einer Photovoltaik-Anlage ist die Leistung des Solargenerators in kWp (Kilowattpeak). Dieser Wert beschreibt die optimale Leistung der Solarmodule. Bei Bewölkung ist die Leistung geringer. Grundsätzlich ist die Strahlungsintensität in ganz Deutschland groß genug, um eine Photovoltaikanlage sinnvoll betreiben zu können. Mit einer 1 kWp-Anlage können in Süddeutschland etwa 1000 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr erzeugt werden, im Norden rund 850 kWh. Zum Vergleich: Ein Vier-Personen-Haushalt verbraucht pro Jahr rund 4000 kWh. Pro kWp werden rund acht bis neun Quadratmeter Fläche benötigt.

Standortwahl

Hausbesitzer sollten darauf achten, dass die Anlage nicht im Schatten von Bäumen oder benachbarten Häusern liegt, da dies den Stromertrag deutlich mindern. Zudem sollte die Anlage für eine optimale Leistung in Richtung Süden oder zumindest nach Südwest oder Südost ausgerichtet werden. Wenn die Anlage auf dem Hausdach befestigt werden soll, beträgt die optimale Neigung des Daches 30 bis 50 Grad. Auf einem Flachdach kann die Anlage mithilfe einer Standvorrichtung ausgerichtet werden. Eine Genehmigung für die Installation auf einem Hausdach ist meistens nicht notwendig, zur Sicherheit sollte man aber beim Bauamt nachfragen.

Einbau und Lebensdauer

Die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie empfiehlt, sich nur von einem Solaranlagen-Installateur mit Erfahrung und entsprechenden Referenzen betreuen zu lassen. Von diesem sollte dann ein Angebot eingeholt werden, zudem sollte der Installateur unbedingt eine Simulationsrechnung aufstellen, wie viel Stromertrag durch die Anlage jährlich zu erwarten ist. Hierfür sollte er auch eine zwei- bis dreijährige Garantie abgeben. Die Installation dauert rund zwei bis drei Tage. Eine Solaranlage hat eine durchschnittliche Lebensdauer von 30 bis 40 Jahren und ist nach Angaben von Experten wartungs- und störungsarm.

Kosten und Förderung

Der Nettopreis einer Anlage inklusive der Einbaukosten beträgt pro Kilowattpeak rund 4500 Euro. (Die anfallende Mehrwertsteuer wird zurückerstattet). Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) regelt unter anderem die Förderung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Derzeit liegt die Vergütung für jede ins Netz eingespeiste Kilowattstunde 49,1 Cent. Diese Mindestvergütung muss der Netzbetreiber vom Zeitpunkt der Inbetriebnahme an für die Dauer von 20 Jahren garantierten. Für neue Anlagen sinkt die Vergütung allerdings um fünf Prozent pro Jahr. Wichtig: Der private Kunde sollte mit dem Netzbetreiber unbedingt einen Mustervertrag abschließen. Ein solcher findet sich zum Beispiel auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie www.dgs.de

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