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Sparhilfe: Den Stromfressern auf der Spur

Stromfresser sind fast wie Terroristen: Sie müssen aufgespürt und ausgeschaltet werden. Dabei helfen so genannte Energiemonitore, die bundesweit umsonst verliehen werden. stern.de machte den Selbsttest zwischen Kühlschrank und Laptop.

Von Christoph M. Schwarzer

"Haben Sie einen Deckenfluter?", fragt die Frau mit der randlosen Brille fast drohend und warnt: "Die nehmen zwischen 300 und 500 Watt!" Als sie das Strommessgerät über den Tisch des Kundenzentrums von Vattenfall in der Hamburger Innenstadt schiebt, ist sie sofort wieder freundlich und sachlich: "Wenn Sie die beiden gelben Tasten drücken, stellt sich das Gerät auf null. Stecken Sie es einfach zwischen Steckdose und Verbraucher." Die Ausleihe für eine Woche kostet nichts außer einer Unterschrift. Dazu gibt es die Broschüre "Stromverbrauch prüfen" und eine Plastiktüte, fertig. Auf geht's in die Testwohnung in den behüteten Stadtteil Winterhude - auf der Suche nach versteckten und offensichtlichen Stromvernichtern.

90, 60 oder 30 Grad?

Die Wanderung durch die Wohnung beginnt in der Küche. Von Steckdose zu Steckdose. Den Anfang mach der Kühlschrank. Der Anschluss des beim Regionalversorger liebevoll "Stromspar-Detektiv" genannten Messgeräts ist tatsächlich kinderleicht. Dann beginnt die Rechnerei, denn ein Kühlschrank schaltet sich immer wieder ein und aus. Er muss darum über einen ganzen Tag angeschlossen werden. 0,387 kWh zeigt die Messung. Macht mal 365 Tage etwa 142 kWh. Bei einem Strompreis von 18,83 Cent pro kWh sind das 26,74 Euro. Zu viele Zahlen? Dann in Kurzform: Das ist ein sehr guter Wert, was man bei einem brandneuen Kühlschrank der Energieeffizienzklasse A+ auch erwarten kann. Nüchterner sieht es aus, wenn man den Vergleich zu einem Altgerät zieht. Selbst bei doppeltem Verbrauch lohnt sich der Neukauf eines Sparschranks betriebswirtschaftlich nicht. Erst, wenn das Altgerät ohnehin defekt ist, sollte angesichts kommender Strompreissteigerungen zum Öko-Gerät gegriffen werden.

Weiter geht's mit der Waschmaschine. Hier wird jeweils nach dem Durchlauf gemessen: 0,373 kWh für eine 40-Grad-Wäsche. Das macht läppische sieben Cent. Aber gerade diese scheinbar niedrigen Zahlen summieren sich. Bei einer 60-Grad-Intensivwäsche zieht die Maschine schon gemessene 0,892 kWh oder fast 17 Cent, und bei 90 Grad verdoppelt sich der Wert wieder. Sparen lässt sich also auch hier weniger über den Neukauf eines besonders effektiven Geräts, als über das Verhalten. Wenn eine Familie ein Jahr lang jeden Tag mindestens eine 60-Grad-Wäsche durchlaufen lässt, sind das 62 Euro. Beschränkt sie sich nur bei der Hälfte der Maschinendurchläufe auf 30 oder 40 Grad, hat sie schon fast 13 Euro eingespart. Wieder zu viele Zahlen? Dann kürzer: Es läppert sich, und das Waschen bei kleinerer Temperatur lohnt sich.

Peter Lustig hatte Recht

Abschalten! Diese dringende Empfehlung am Ende jeder "Löwenzahn"-Kindersendung von Peter Lustig zahlt sich ebenfalls aus. Aber mit dem Abschalten ist das gar nicht so einfach: Dass Stand-by, also die rote Lampe am Fernseher, Strom verbraucht, ist bekannt. Am Beispiel des mittelgroßen Röhrenfernsehers in der Testwohnung sind das sechs Watt. Wieder lächerlich? Nein, das sind 9,90 Euro im Jahr. Wer seinen Fernseher drei Stunden am Tag laufen lässt, spart also 9,48 im Jahr. Auch der DVBT-Receiver frisst Strom: Neun Watt im Stand-by-Betrieb oder 14,84 Euro. Zieht man drei Stunden am Tag für die tatsächliche Unterstützung der Glotze ab, bleiben immer noch 13 Euro für nutzlos verschwendeten Strom. Über eine Steckerleiste betrieben und konsequent abgeschaltet bleiben zusammen 22,90 Euro im Jahr.

Weitaus tückischer als Standy-By ist Schein-Aus. Das trifft auf Geräte zu, die kein rotes LED als Zeichen ihrer ständigen Bereitschaft leuchten haben. In der Testwohnung hilft der Stromspar-Detektiv auf die Spur des Subwoofers, der ohne Lampen oder Ähnliches sechs Watt zieht. Eingeschaltet sind es zehn, was sich übrigens auch dann nicht ändert, wenn man den Bass so weit aufreißt, dass man sich davor die Haare föhnen kann. Gerade bei der Heimelektronik wird der Gang mit dem Strommessgerät zur Horrorschau. Laserdrucker: 8 Watt = 13,20 Euro im Jahr. Überflüssiger zweiter Anrufbeantworter: 12 Watt = 19,80 Euro. Scanner: 5 Watt = 8,24 Euro.

Der Strommesser schafft Bewusstsein

Die Arbeit mit dem Stromspar-Detektiv schockiert und macht gleichzeitig Spaß. "Wir bieten ihn seit Mai 1989 an", sagt Bianca Aurich, Sprecherin von Vattenfall in Berlin, "und er wird sehr, sehr gut angenommen." Dieses sehr gut relativiert sich bei einer Zahl von 700 Hauptstadtbewohnern, die das Strommessgerät im ersten Quartal 2007 ausgeliehen haben, zu etwas mehr als einem Prozent der Haushalte im Jahr. Aber nicht nur die Stromversorger, auch Greenpeace, die Verbraucherzentralen oder Baumärkte verleihen die Geräte umsonst.

Stefanie Wagner von der Greenpeace energy eG hat seit einem guten Jahr, "also nicht erst seit der Ankündigung der Strompreiserhöhung", sondern seit dem Beginn der gesellschaftlichen Diskussion um den Klimawandel, eine deutlich höhere Nachfrage nach Strommessgeräten: "Wir mussten sogar nachkaufen." Eine Wirkung beim Gesamtstromverbrauch ist noch nicht spürbar. Der Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) hat zwar einen Rückgang des Verkaufs von knapp zwei Prozent im Vergleich zum ersten Vorjahrsquartal ausgemacht. Das liege aber auch am milden Winter. Ernsthaft Verzicht üben wird sowieso hart: Ein Aquarium kann schon mal Strom für 200 Euro im Jahr fressen.

Spar-Guide

Und so kommen Sie zu Ihrem Stromspar-Detektiv:
1) Im Internet (zum Beispiel auf der Seite von www.no-e.dedie nächste Verleihstelle suchen.
2) Systematisch jede Steckdose und jedes Gerät durchmessen.
3) Stand-By und Schein-Aus durch Steckerleisten verhindern.
4) Verhalten ändern (Leine statt Wäschetrockner, 40 statt 60 Grad etc.).
5) Bei defektem Altgerät konsequent das sparsamste Neue kaufen.
6) Stromanbieter vergleichen bzw. wechseln.

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