HOME

Staatsanwaltschaft: Zweifel an Telekom-Bilanz

Die Bonner Staatsanwaltschaft hat erstmals öffentlich Zweifel an der Bilanzerstellung in der Gründungsphase der Telekom geäußert. Schwere Munition für den in einem Monat startenden Mammutprozess von Aktionären gegen die Telekom.

Wie die ARD in einem Bericht der Magazin-Sendung "Report Mainz" mitteilte, hielten die Ermittlungsbehörden laut Staatsanwaltschaftssprecher Fred Apostel das 1994 angewandte Verfahren zur Immobilienbewertung für "höchst bedenklich". Diese Aussage könnte für den am 23. November in Frankfurt/Main beginnenden millionenschweren Mammutprozess von Aktionären gegen die Deutsche Telekom von "höchster Relevanz" sein. Der Beitrag soll am Montag (25.10.) ausgestrahlt werden.

Kröske: Kapitalbetrug und Bilanzfälschung

Die Ermittlungen richten sich laut Staatsanwaltschaft vor allem gegen den ehemaligen Finanzchef, Joachim Kröske. Ihm wird Kapitalanlagebetrug und Bilanzfälschung vorgeworfen. Kröske weist die Vorwürfe in dem Fernseh-Interview zurück und verweist auf eine vom Gesetzgeber 1994 erlassene Neuregelung für die Bewertung von Immobilien. Einem Bericht des "Spiegels" zufolge hat der Ex-Finanzvorstand inzwischen vor dem Landgericht Düsseldorf selbst Klage eingereicht.

Das Ermittlungsverfahren hätte eigentlich schon lange eingestellt werden müssen, meinte der Anwalt im "Spiegel". Stattdessen habe die Staatsanwaltschaft es inzwischen noch um den Vorwurf der Untreue erweitert. Dabei "operiere die Staatsanwaltschaft bewusst mit falschen Zahlen und Annahmen, die längst widerlegt" seien, sagte Knierim. Ein ehemaliger Abteilungsleiter des Bundesjustizministeriums hat laut Anwälten bei der Staatsanwaltschaft ausgesagt, das Unternehmen habe sich bei der Immobilienbewertung des Jahres 1995 an die gesetzlichen Vorgaben gehalten.

2300 Klageschriften

Für den Frankfurter Prozess Ende sind zunächst zehn Musterverfahren ausgewählt. Insgesamt sind beim Landgericht Frankfurt 2300 Klageschriften, in denen zum Teil die Ansprüche von 20 bis 40 Einzelpersonen zusammengefasst sind, im Zusammenhang mit dem dritten Börsengang der Telekom eingereicht worden. Die Telekom-Aktionäre werfen dem Unternehmen vor, in ihrem Börsenprospekt für die dritte Emission von T-Aktien im Jahr 2000 falsche Angaben gemacht zu haben - vor allem über den Wert ihrer Immobilien. Der Bonner Konzern weist die Vorwürfe als haltlos zurück. (DPA)

Wissenscommunity