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Stromsparen Energie muss teuer bleiben


Mit 40 Milliarden Euro wollen CDU und CSU den Stromverbrauchern zu Hilfe eilen. Das Geld soll von Betreibern der Kernkraftwerke stammen - als Gegenleistung für einen späteren Atomausstieg. Doch billiger Strom käme uns alle teuer zu stehen.
Ein Kommentar von Roman Heflik

Haben Sie beim letzten Blick auf Ihre Stromrechnung auch scharf die Luft eingesogen? Kein Wunder, denn seit dem vergangenen Jahr haben die Stromanbieter ihre Preise um bis zu 21 Prozent erhöht. Vergleicht man die heutigen Preise gar mit dem Preisniveau des Jahres 2000, zahlen wir heute für den Strom sogar bis zu 63 Prozent mehr.

Wer würde sich da nicht über den Vorschlag freuen, den die Fraktionen von CDU und CSU auf ihrer Klausurtagung in München ausgetüftelt haben? Um 40 Milliarden Euro sollen die Stromverbraucher entlastet werden. Diese Summe soll aus einem Fonds stammen, den die Betreiber von Atomkraftwerken füllen sollen - als Gegenleistung dafür, dass die Politik ihnen ihre Meiler länger lässt als geplant.

Energie darf nicht billiger werden

40 Milliarden Euro - das wäre eine Menge Geld für die Verbraucher, damit könnte man nicht nur Familien entlasten und besonders Bedürftige, nein, jeder könnte davon ein bisschen profitieren. Sogar die Atomkraftbetreiber könnten damit gut leben. Ihre Kernkraftwerke sind hochprofitabel, relativ sicher, liefern beständig Strom und das vor allem so gut wie CO2-frei. Dass die CSU im anstehenden bayerischen Landtagswahlkampf von der sozialen Großwohltat vielleicht auch ein bisschen profitiert - wer würde ihr das verübeln? Also: Alles wunderbar?

Nein, gar nicht. Leider. Denn die Wahrheit ist: Energie darf nicht billiger werden. Und schon gar nicht darf der Staat sie subventionieren und künstlich billiger machen, denn darauf läuft der Unionsvorschlag letztendlich hinaus.

Erst bei hohen Rechnungssummen fangen wir an zu sparen

Die Wahrheit ist: Erst wenn wir beim Anblick unserer Strom- und Gasrechnung scharf die Luft einziehen, fangen wir an zu sparen. Und dieses Sparen ist überlebensnotwendig, denn noch erzeugen wir fast unsere gesamte Energie aus Energieträgern wie Kohle, Gas oder Öl, die einerseits den Klimawandel anheizen, andererseits nur noch begrenzt vorhanden sind. Auch das Uran, das unsere Kernreaktoren verbrauchen, reicht nur noch für ein paar Jahrzehnte.

Doch Energiesparen ist unbequem, lästig und manchmal kostet es auch was. Oder haben Sie noch nie überlegt, ob Sie jetzt wirklich wieder vom Sofa aufstehen müssen, nur weil in der Küche noch die blöde Lampe brennt? Und haben wir da nicht ein kurzes Zögern bemerkt, bevor Sie letztens die teuere Sparlampe in den Einkaufswagen gelegt haben? Vom Preis für eine sparsamere Umwälzpumpe für Ihren Heizungskeller wollen wir erst gar nicht reden...

Energiesparen lohnte sich nicht

Es sind profane Dinge wie diese, die Menschen viel zu lange davon abgehalten haben, Energie zu sparen. Weil es lästig war. Und weil es sich nicht lohnte. Doch inzwischen boomen Produkte, die den Menschen helfen, Energie zu sparen: Erdwärmepumpen zum Beispiel oder Solarthermie-Heizungen. Diese Energiequellen sind quasi unerschöpflich und schützen nebenbei auch noch das Klima. Die deutsche Wirtschaft profitiere bereits kräftig von diesem Umwelt-Boom, hatte die Umweltökonomin Claudia Kemfert unlängst im stern berichtet. Doch dass Energie auf lange Sicht knapper und damit teurer werden wird, eignet sich anscheinend nur bedingt als Wahlkampf-Versprechen. Daher verleugnet die Union diese ungemütliche Wahrheit. Lieber präsentiert man sich als Billigheimer. Im Energiekonzept, das sie gerade in München vorgestellt hat, wird dem Energiepreis eindeutig Vorfahrt vor dem Energiesparen und dem Klimaschutz eingeräumt. Das kommt in so harmlos klingenden Sätzen wie diesem daher: "Der erforderliche Schutz das Klimas darf nicht zu vermeidbaren zusätzlichen Kosten führen." Klimaschutz ja, aber nur wenn er nichts kostet?

Nach diesem Vorsatz scheint jedenfalls Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) bereits seit Jahren zu handeln. Strengere Auflagen, die mehr Hausbesitzer zur Dämmung ihrer Häuser verpflichten, blockierte er. Zuletzt bekundete er seine Absicht, ab 2013 deutlich mehr Industriezweige vom Emissionshandel auszunehmen. Die Unternehmen hätten dann nicht mehr die lästige Pflicht, entweder selber Emissionen zu vermeiden oder sich kostspielig Verschmutzungsrechte an der Börse zu besorgen.

Eine kleine Liste dieser Ausnahme-Branchen gefällig? Bitte sehr: Chemie, Stahl, Kalk, Kali, Zement, Metall, Ziegel, Glas, Papier, Zucker und Textil - um nur einige zu nennen. Bis zu 80 Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes der Industrie von rund 100 Millionen Tonnen pro Jahr wären dann eine "Ausnahme". Das Unionspapier ist da nicht so zimperlich: das gesamte produzierende Gewerbe solle ausgenommen werden. Ach ja, Kohlekraftwerke will man auch möglichst verschonen.

Könnte ja was kosten, die Welt zu retten.


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