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STUDIE: Uni: Zu viele gehen ohne Abschluss

Laut der »Studienabbruchstudie 2002« geben beispielsweise 42 Prozent der Studierenden der Sozialwissenschaften vorzeitig auf.

Jeder vierte deutsche Student verlässt die Universität ohne Abschluss. Bei den Sozialwissenschaften geben sogar 42 Prozent der Studierenden vorzeitig auf, wie die »Studienabbruchstudie 2002« des Hochschul-Informations-System Hannover (HIS) nach einem »Focus«-Bericht ergab. Bei den Sprach- und Kulturwissenschaften beträgt die Abbruchquote demnach 41 Prozent, im Bereich Informatik beträgt 37 und bei den Wirtschaftswissenschaften 31 Prozent. Am zielstrebigsten sind die Mediziner: Bei ihnen schaffen lediglich acht Prozent den Abschluss nicht.

Motivationsprobleme

17 Prozent der Abbrecher begründeten ihren akademischen Misserfolg mit beruflicher Neuorientierung oder finanziellen Problemen. Aber auch Motivationsprobleme (16 Prozent) oder schlicht schlechte Leistungen (elf Prozent) führten zum Abbruch des Studiums. Zehn Prozent machten familiäre Probleme und jeweils acht Prozent Prüfungsversagen beziehungsweise problematische Studienbedingungen für den Misserfolg verantwortlich. Bei fünf Prozent hängten wegen Krankheit und acht Prozent aus sonstigen Gründen das Studium an den Nagel.

»Verschwendung der Lebenszeit«

Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn nannte die Zahlen alarmierend. »Die viel zu hohe Abbrecher-Quote bedeutet eine Verschwendung der Lebenszeit von Studenten und eine Vergeudung der Ressourcen an den Hochschulen«, sagte die SPD-Politikerin. Sie forderte die Universitäten auf, die Studienberatung durch die Professoren dringend zu verbessern. Allerdings wies Bulmahn auch darauf hin, dass Abbrecher »nicht automatisch Versager« seien. So würden manche besonders begabte Informatikstudenten schon vor dem Examen von Unternehmen gezielt abgeworben.

Mehr Auslese

Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Klaus Landfried, plädierte für mehr Auslese als Konsequenz aus der Studie. Im ersten Jahr sollten in allen Fächern Tests über die Eignung der Studienanfänger entscheiden. »Das Abitur alleine reicht als Kriterium nicht mehr aus«, betonte Landfried. Noch drastischer äußerte sich der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Josef Kraus: »Viele Abiturienten haben heute gar nicht die Befähigung zum Hochschulbesuch.«

Landfried betonte, dass »bei gut strukturierten und berufsorientierten Studiengängen« die Abbrecher-Zahlen gering seien. Bei Fachrichtungen wie den Geisteswissenschaften führe die weitgehende Orientierungslosigkeit dagegen zu überproportional langen Studienzeiten und vielen Aussteigern.

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