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Wohnungsnot Zimmer gesucht


Die Wohnungssuche zu Semesterbeginn gleicht einer Katastrophe: Nur 220.000 Wohnheimplätze gibt es für die zwei Millionen Studenten in Deutschland, und die wenigen Zimmer, die noch frei sind, sind meist überteuert.

"Die Lage auf dem Wohnungsmarkt ist desolat", sagt die Konstanzer AStA-Vorsitzende Beate Schmid. "Alle Studentenheime sind restlos belegt und private Einzimmerwohnungen sind praktisch unbezahlbar." Das Beispiel vom Bodensee ist kein Einzelfall: "In vielen Uni-Städten gibt es zu Semesterbeginn kaum noch Wohnungen, die Studierende bezahlen können", sagt Andrea Hoops, stellvertretende Generalsekretärin des Deutschen Studentenwerks. Nach ihrer Schätzung fehlen in Deutschland rund 20.000 Wohnheimplätze.

Neun Quadratmeter für 300 Euro

"Es ist immer das selbe zu Semesterbeginn: In unserer Tageszeitung gibt es so gut wie keine Angebote mehr, nur noch Gesuche. Und auch die Internet-Zimmerbörse ist mit Gesuchen überschwemmt", berichtet die Konstanzerin Beate Schmid. "Selbst für ein neun Quadratmeter-Zimmerchen werden inzwischen 300 Euro und mehr gefordert. Und trotzdem stehen 50 Leute Schlange und prügeln sich fast um ein Zimmer."

Besonders angespannt ist die Situation in den traditionsreichen Uni-Städten in Süddeutschland, heißt es beim Deutschen Studentenwerk. "Es wird langsam zur Gewohnheit, dass dort zu Semesterbeginn Notunterkünfte eingerichtet werden müssen. Und das darf nicht sein", sagt Andrea Hoops. Für die rund zwei Millionen deutschen Studenten gebe es nur 220.000 Wohnheimplätze - "dieses Missverhältnis muss schleunigst beseitigt werden."

Notboxen für die Studenten

In München betreibt das Studentenwerk eine Container-Siedlung für Studenten. Zum Semesterstart kam ein Übergangsquartier in einer alten Kaserne dazu, die eigentlich saniert werden sollte. "Außerdem halten wir Notboxen bereit. Die können wir innerhalb eines Tages aufstellen, wenn die Leute bei uns vor der Tür stehen und nicht wissen wohin", sagt Studentenwerkssprecher Matthias Nebel.

Dass in einigen Städten Wohnungsnot herrscht, liegt vor allem daran, dass die Zahl der Studenten in Deutschland steigt - zuletzt um vier Prozent jährlich. Die Zahl der ausländischen Gaststudenten hat sich in den vergangenen sechs Jahren sogar verdoppelt. "Ein Erfolg der internationalen Kampagne für das Studienland Deutschland", sagt Andrea Hoops. "Auf der anderen Seite müssen wir höllisch aufpassen, dass die jungen Leute nicht frustriert nach Hause fahren, weil sie bei uns keine bezahlbare Bleibe finden."

Wohnheimplatz per Los

In Frankfurt, Hamburg und München haben es Studenten mit kleinem Budget besonders schwer: Hier liegen die Durchschnittspreise für eine Studentenbude zum Teil deutlich über 300 Euro, hat das Institut der Deutschen Wirtschaft ermittelt. In Hamburg gab es zu Semesterbeginn Zimmer-Verlosungen für Gaststudenten, die sich nicht rechtzeitig beworben hatten. Wer hier leer ausging, muss ein halbes Jahr auf einen Wohnheimplatz warten. "Leider wollen viele private Vermieter nicht an ausländische Studenten vermieten, weil sie Angst haben, ihr Geld nicht zu bekommen", sagt Matthias Nebel. "Und je fremder die Studenten sind, desto größer sind die Vorbehalte."

"Bei uns muss keiner unter der Brücke wohnen"

Auch in den ostdeutschen Uni-Städten haben es Studenten längst nicht mehr so leicht wie noch vor ein paar Jahren. In Ilmenau im Thüringer Wald haben sich die Preise für eine Studentenbude in den vergangenen vier Jahren fast verdoppelt - trotzdem ist die Stadt mit durchschnittlich 181 Euro noch immer das günstige Pflaster unter den Uni-Städten.

"Bei uns muss keiner unter der Brücke wohnen, aber die Zimmervermittlung ist inzwischen mit riesigen Aufwand verbunden", sagt Roswitha Deblitz vom Magdeburger Studentenwerk. Auf 1.500 Anträge kämen gerade mal 200 freie Wohnheimplätze. Mit einiger Mühe kämen aber alle unter - wenn auch in teureren Privatwohnungen.

Die großen Ausnahmen unter den Uni-Städten sind Berlin, Leipzig und Dresden: "Bei uns gibt es sogar ein Überangebot an Wohnungen", sagt der Berliner Studentenwerkssprecher Klaus Kittel. "Die Wohnungsunternehmen sind doch froh, wenn sie überhaupt jemanden finden und ihre Leerstände verringern können", heißt es beim Studentenwerk Dresden.

"Wohn-Würfel" sollen Abhilfe schaffen

Von Leerständen kann man im Süden Deutschlands nur träumen. Doch vielleicht wohnen Münchner Studenten schon bald in "Micro Compact Homes": Hinter diesem Namen verbergen sich "Wohn-Würfel" mit einer Seitenlänge von 2,65 Metern und einer Multifunktions-Wohnfläche von sieben Quadratmetern. "Das Compact Home ist eine komplett ausgestattete kleine Wohnung mit Nasszelle, Küche, Bett und Schreibtisch. Jeder Zentimeter wird optimal genutzt", sagt die Architektin Lydia Haack. Die kleinen Häuschen wurden an der Technischen Universität München entwickelt und sollen demnächst in Serie produziert werden. Zur Zeit wartet das Studentenwerk auf die Genehmigung für eine Siedlung mit elf Wohn-Würfeln in der Nähe des Englischen Gartens.

Matthias Armborst/AP AP

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