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Kochbuch Alle Rezepte des legendären River Cafés in einem Buch - mehr italienische Küche geht nicht

River Café
Ruth Rogers (links) und Rose Gray, die Gastro-Pionierinnen hinter dem River Café.
© Jean Pigozzi
Ein Kritiker schrieb einst, ein so gutes italienisches Restaurant wie das River Café gebe es nicht einmal in Italien. Seit Jahrzehnten genießt das Londoner Lokal einen Ruf wie Donnerhall. Nun wurden die gesammelten Rezepte zwischen zwei Buchklappen gepresst. Ein neues Standardwerk.

Der Ursprung eines der besten italienischen Restaurants überhaupt? In einem McDonald's. Naja fast. Als Ruth Rogers und Rose Gray den Plan ausheckten, ein italienisches Restaurant zu eröffnen, da gab's an dem Ort noch kein Schnellrestaurant. Das zog erst später ein. Trotzdem. "Ist das nicht witzig? Das River Café wurde sozusagen in einem McDonald's besiegelt", erzählt Rogers. Ja, witzig. Denn das River Café ist heute weltberühmt. Bekannt für authentische, bodenständige norditalienische Küche, handverlesene Zutaten. Alles begann mit einer Kantine und einem ausgezeichneten Architekten und gipfelte jetzt in einer Gesamtausgabe, die alle Rezepte aus den bereits publizierten River-Café-Kochbüchern in einem Band vereint.

Ende der 80er-Jahre gehörte Richard Rogers schon zu den ganz Großen seiner Zunft, hatte er doch unter anderem das Centre Pompidou in Paris mitentworfen. In London etablierte der Architekt an den Northbanks an der Themse, damals ziemlich im Nirgendwo, sein neues Büro - inklusive einer kleinen, modernen Kantine. Den Mitarbeitern die Mägen füllen sollten seine Frau, eben Ruth Rogers, und Rose Gray. "Am Anfang machten wir Burger. Aber mit einer Mayonnaise, die wir mit Olivenöl extra vergine zubereiteten", erinnert sich Rogers. Die Frauen aber wollten mehr. Sie wollten ein richtiges Restaurant, eines, wie es London noch keines gesehen hat. Zwei Jahre nach der Eröffnung war es soweit.

Rustikale Küche ohne Schleifchen

Ruth Rogers und Rose Gray, die eine hatte Design studiert, die andere Kunst, waren Autodidaktinnen am Herd. Aber sie machten eben etwas, was damals noch kaum einer machte. Die Zutaten wählten sie rein saisonal, ließen diese, wenn nötig, direkt von den Märkten Italiens liefern, die Produkte verarbeiteten sie selbst. Nur so, waren sie sich sicher, entstehe eben der originale Geschmack, den sie vor Augen hatten, Gerichte, wie sie traditionell italienisch hergestellt werden, ohne Schleifchen, ohne Klimbim und ohne die Attitüde Spitzenküche sein zu wollen.

Die Grundprinzipien, denen sich die Macherinnen einst verschrieben, gehören heute zum guten Ton in der Branche. Damals aber wurden die beiden für ihren Anspruch eher skeptisch beäugt. Und die Gerichte, die sie auf die Karte schrieben, wie gegrillte Polenta und toskanische Brotsuppe, die waren so einigen schlicht und ergreifend zu popelig. Geld bezahlen für ein bisschen Brot mit Tomatensoße, "Pappa al pomodoro", das sahen viele nicht ein. 

Spaghetti in Tomatensauce mit Käse und Basilikumblättern oben drauf.

Gastro-Pionierinnen mit Adelstitel

Aber genau so ein Restaurant wollte das River Café eben sein. Eines, dass die echte italienische Küche auf die Teller bringt und nicht nur schnöde 0815-Klischee-Gerichte wie Spaghetti Bolognese, Lasagne und Tiramisu. Authentisch bodenständig sollten die Speisen sein - eben typische "cucina rustica". "Wir wollten immer ein Restaurant, wo gekocht wird wie zu Hause", so Rogers. Und das Ambiente? Selbstverständlich fern von kitschiger Italo-Folklore, sondern modern, weltstädtisch. Es dauerte, bis aus dem abseitigen Nischenladen ein "In"-Lokal wurde, eine Top-Adresse für Liebhaber der italienischen Küche -  und zwar spätestens nachdem  Gastro-Kritiker Jonathan Meades in der "Times" die Parole ausgegeben habe, ein so gutes italienisches Restaurant wie das River Café gebe es nicht einmal in Italien. 

Der Rest ist Geschichte. Das River Café ist legendär und hat sich mit Signature Dishes wie dem Dessert "Chocolate Nemesis" und dem hauseigenen Wildpilz-Risotto längst in die Gastro-Annalen eingeschrieben, ist aus den Restaurantführern nicht mehr wegzudenken. Seit 1997 ist das Restaurant mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. Promi-Köche wie Jamie Oliver und Hugh Fearnley-Whittingstall gingen dort in die Lehre. Und die Erfolgsstory der beiden prinzipientreuen Gastro-Pionierinnen hat noch weitere Früchte getragen - sie wurden geadelt. 2001 verlieh die Queen Rogers und Gray den "Order of the British Empire" und machte sie offiziell zu Lady Rogers und Lady Gray. Gray starb im gleichen Jahr, seither führt Rogers das Restaurant allein.

River Cafe - Alle Rezepte
Alle Rezepte des legendären Londoner River Cafés wurden jetzt zwischen zwei Buchklappen gepresst.
© Echtzeit Verlag

Die Rezepte des Restaurants wurden bereits in etlichen Kochbüchern veröffentlicht. Mit "River Café - Alle Rezepte" liegt nun das Opus magnum vor. Ein Kochbuch, in dem nun alle, wirklich alle Gerichte zwischen zwei Buchklappen gepresst wurden - in Summe macht das mehr als 900 Rezepte auf 784 Seiten. "Die italienische Küche ist so auf ihre Lebensmittel konzentriert. Dieser Purismus sorgt für Transparenz. Wir verkleiden nichts. Wir zeigen alles. Jedes Rezept in diesem Buch ist hier erprobt und in die Praxis umgesetzt worden", so Rogers. "Unsere Rezepte sorgen dafür, dass zu Hause wieder gekocht wird wie in unserem Restaurant, wo gekocht wird wie zu Hause." Und das, auch wenn es nicht in jedem Rezept noch einmal explizit erwähnt wird, selbstverständlich ausschließlich mit sonnengereiften Tomaten, bestem Olivenöl - eben mit den ausgesuchtesten Zutaten.

Das Kochbuch "River Café - Alle Rezepte. Die italienische Küche von Rose Gray und Ruth Rogers" ist im Echtzeit Verlag erschienen, 784 Seiten, 62 Euro.

Quelle: Die Zitate von Ruth Rogers sind dem Vorwort von Christian Seiler entnommen

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