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Engpass bei Leergut Hamstern stellt Pfand-System auf die Probe: "Wir müssen alle nicht verdursten"

Die Auswahl an Mineralwasser im Supermarkt ist meist üppig
So voll ist das Wasserregal aktuell nicht überall (Symbolbild).
© Danilin/Getty Images
Weil in der Corona-Krise auch Mineralwasser gehamstert wird, kommt das Mehrwegsystem an seine Grenzen. Die Hersteller schlagen Alarm und rufen dazu auf, das Leergut zurückzugeben. 

Hamsterkäufe sorgen derzeit dafür, dass sich in den Vorratskammern die Wasserkisten stapeln, die Lager der Hersteller aber leer sind. Die Getränkewirtschaft klagt über einen Flaschen-Engpass und ruft vehement zur Leergut-Rückgabe auf. "Wir haben beobachtet, dass derzeit leider nicht nur Toilettenpapier gehamstert wird, sondern auch Mineralwasser", sagt Julian Schwarzat vom Bundesverband des Deutschen Getränkegroßfachhandels. 

Für die Mineralbrunnen bedeutete das im März ein Umsatzhoch, wie es sonst nur während Hitzeperioden zustande kommt. Allein die Winkels-Gruppe, zu der unter anderem Alwa und Fontanis gehört, verkaufte bis zu 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei sei der Vorratskauf auch in Zeiten von Corona überhaupt nicht nötig. "Es muss keiner Angst haben. Wir werden alle nicht verdursten. Die Getränkeversorgung ist gesichert", beteuert Schwarzat.

Engpass von Flaschen macht Herstellern Sorgen

Alarm schlägt die Branche aus anderen Gründen. Das Mehrwegsystem kommt an seine Grenzen. Weil derzeit in vielen Häusern Mineralwasser als eiserne Reserve vorgehalten wird und das Leergut Staub ansetzt, kommen weniger Flaschen zurück, als gebraucht werden. Auf die Pfandrückgabe sind die Hersteller aber angewiesen, denn Glasflaschen lassen sich nicht von heute auf morgen in den Glashütten nachproduzieren. 

"Die Verbraucher können aktiv mithelfen, auch langfristig Engpässe zu vermeiden. Gerade Mehrwegkästen - ob für PET oder Glas - sowie Mehrweg-Glasflaschen leben davon, dass sie nach dem Konsum zügig in den Pfandkreislauf zurückgegeben und zeitnah wieder befüllt werden”, sagt Volker Büttel, Geschäftsführer der Hansa Mineralbrunnen. Er ist damit auf einer Linie mit der gesamten Branche: Hersteller wie Händler verbreiten den Aufruf auf allen Kanälen, locken die Kunden zuweilen mit Anreizen wie einer Rolle Klopapier, wenn man zum Pfandautomat geht. Und auch Lieferanten wie Flaschenpost zeigen sich mit einem Aufruf an die Kunden solidarisch.

Eine junge Frau trinkt ein Glas Wasser

Hamstern von Leergut könnte Sortiment schmälern

Der Trubel kommt nicht von Ungefähr. Denn das Hamster-Verhalten könne durchaus dazu führen, dass auf lange Sicht das Sortiment schmaler werde. Aber nicht etwa, weil das Wasser zur Neige ginge, sondern weil die Hersteller bei Flaschen-Knappheit priorisieren müssten.

So werde schon jetzt bei der Winkels-Gruppe die Anlage sehr viel öfter umgebaut als normalerweise, weil weniger Flaschen pro Sorte abgefüllt werden können. Ein riesiger Aufwand, der sich nicht für jedes Produkt rechne. "Auf längere Sicht gesehen, können da  Randprodukte hintenrüberfallen", so Kaufmann. Eine bestimmte Limo oder Schorle sei dann vielleicht einmal nicht verfügbar.

Getränke-Regale sind weiterhin gut gefüllt

So weit muss es nicht kommen. Kaufmann baut auf die Kunden. Nachdem der Run aufs Wasser bereits wieder nachgelassen habe, hofft sie, dass auch die Vorräte nach und nach leer getrunken werden. Die Leute sähen, dass die Regale weiterhin gefüllt sind, damit verschwinde auch die Angst. "Die erste Schrecksituation ist vorbei", ist sie sich sicher.

Darauf ankommen lassen, will man es aber auch bei der Winkels-Gruppe nicht. Künftig sollen den Getränkekisten daher Flyer beiliegen, die an die Pfand-Rückgabe erinnern sollen. Es gilt: Lieber jeden Kasten einzeln zurückbringen, als zu warten, bis der komplette Vorrat leer ist.


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