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Gutes aus dem Küchengarten: 2015 – Fürsorglich miteinander umgehen wünsch ich mir

Zwischen Gemüsen und Kräutern lässt es sich gut denken. Und kleine Pausen während dem Setzen, Jäten oder Ernten nütze ich gerne um über den Sinn meiner Küchengartelei nachzudenken. Um mir über die Wirkung des Gartelns Gedanken zu machen.

Mir wurde einmal erzählt, dass das Garteln, wenn man damit Gemüse und Obst gewinnt, einem ein Stück Selbstbestimmtheit gibt. Ein wichtiges Gut in einer Welt, in der wir gelernt haben, oft nur mehr zu funktionieren. Funktionieren, um die Rechnungen zu bezahlen für Dinge, die wir im Grunde gar nicht benötigen. Funktionieren, um einen Job zu behalten, der uns in Wahrheit nicht freut und zur Belastung wurde, in all den Jahren. Selbstbestimmtheit ist das Gut, das wir immer dringender nötig haben.

Zwischen Tomate, Salat und Sellerie kann ich graben, gießen, schauen, ausprobieren und lernen. Ich kann beobachten, wer das Futterhäuschen besucht oder dem Igel ein Winterquartier errichten. Ich kann mich an den Regenwürmern freuen, die meinen Kompost zu wertvollem Humus verwandeln und besten Dünger für meine Beete zubereiten. Ich kann den kleinen Helferchen ein Insektenhotel bauen, damit sie meine Pflanzen im kommenden Jahr bestäuben. Ich kann selbst bestimmen, was ich tue und wie ich es anlege. Und ich lerne sofort die Konsequenzen, wenn ich Handlungen unterlasse.

Wenn ich mich nicht um meinen Boden oder die Pflanzen kümmere. Wenn ich keine Fürsorge walten lasse, dann wird mich der Garten auch nicht nähren. Er zeigt mir, was Selbstbestimmtheit als Teil persönlicher Freiheit bedeutet. Nämlich Verantwortung für das eigene Handeln und Unterlassen übernehmen. Ein Thema, dass wir Kindern beibringen sollten und manchen Erwachsenen ebenso.

Wer selbstbestimmt lebt, muss auch Fürsorge lernen. Diese hat nichts mit Belehrung oder Missionierung zu tun. So wie die Mischkultur in einem Beet ein begleitendes Nebeneinander von Pflanzen darstellt, sich diese gegenseitig unterstützen, so ist Fürsorge im eigentlichen Sinn gemeint. Ein begleitendes und sich gegenseitig unterstützendes Neben- und Miteinander.

Fürsorge ist dann authentisch, wenn sie den anderen in seinem Sein annimmt und ihn oder sie darin bestärkt, die eigenen Fähigkeiten voll zu entfalten. Gärtnerisch gesprochen: Wenn ich aus Salat einen Grünkohl machen will, wird mir das nicht gelingen. Nehme ich den Salat als Salat an, und gebe ihm das, was er benötigt, um ein guter schöner und großer Salatkopf zu werden, dann wird er sein Leben voll entfalten und mich im Anschluss nähren.

Das ist meine Gartenphilosophie.

Durch das Beobachten und Schauen, das Innehalten während der Saat, Pflege und Ernte zeigten sich mir in diesem Jahr viele gute Erkenntnisse. Und so wünsche ich mir fürs kommende Jahr, dass an vielen weiteren Orten Friedensarbeit durch gemeinschaftliches Gärtnern, aber auch Beobachten und Lernen stattfindet. Wo Menschen zusammenkommen, um zu leben, zu lernen, zu arbeiten, dort soll es auch Küchengärten geben. Damit wir lernen fürsorglich mit uns und allen Lebewesen dieser Welt umzugehen.

Ich wünsche euch einen guten Rutsch ins Neue Jahr und viel Glück und Erfolg für eure Küchengärten!

Und vielen lieben Dank. Ihr habt mich mit 354.000 Views seit Start im März mehr als positiv überrascht. Merci!