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TV-Kritik

"Kitchen Impossible": Mälzer ist auf Zerstören aus

Wer glaubt, Tim Mälzer ist mit fiesen Tricks auch nur annähernd schlagbar, der irrt. Der TV-Koch will seinen Kontrahenten zerstören. Beispielsweise mit Mandelkuchen und Bohnentörtchen.

Tim Mälzer Kitchen Impossible

Tim Mälzer, der Zerstörer

Da sind sie wieder, die kulinarischen Geschichten, von denen Kitchen Impossible lebt. Mälzer trifft den wohl besten Koch Israels, Uri Buri, einen Autodidakt, der in den 60er Jahren als Hippie in Hamburg gelebt hat. Seine Küche ist einfach, für kein Gericht braucht er mehr als sieben Minuten. Eine an sich leichte Aufgabe, aber ist Mälzer der gewachsen?

Sein Kontrahent ist Mario Lohninger, der jahrelang in den USA gekocht hat, mittlerweile hat er ein Restaurant in der Frankfurter Innenstadt, das einen Michelin-Stern trägt. Er düst mit einer Harley Davidson durch die Stadt, ist aber trotzdem ein ehrlicher und sympathischer Typ, der auf dem Boden geblieben ist.

In der israelischen Stadt Akko muss Mälzer Fisch nachkochen so wie man ihn essen sollte. "Mit dieser Salzigkeit, mit diesem Bäng in der Schnauze, das ist einfach geiles Essen. Wenn das nur sieben Minuten gedauert hat, dieses Gericht sollte jeder können", sagt Mälzer ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Analyse ist Mälzers große Stärke. Mal wieder hat ihn ein Kontrahent unterschätzt. Sein großer Vorteil. Mälzers Glück ist, dass das Gericht keine Präzision, sondern Emotion erfordert. Das kann der TV-Koch.

"Kitchen Impossible" ist eigentlich Tim Mälzers (symbolischer) Stinkefinger. Der gilt all denjenigen, die ihn ständig kritisieren und an seinen Kochkünsten zweifeln. Lange wurde er von der Kochzunft nicht ernst genommen, er galt immer nur als der Fernsehkoch Mälzer, der sich gut vermarkten kann. Mit "Kitchen Impossible" hat sich das maßgeblich verändert.

Leider steht Mälzer am Tag der Challenge mit dem falschen Fuß auf. Am Abend zuvor gibt er sich noch arrogant, er werde im Schnitt neun Punkte einheimsen. Trotzdem fühlt sich Mälzer neben der Spur: "Heute ist kein Kochtag." Ausreden gibt es aber keine, auch wenn man fast Mitleid mit dem TV-Koch hat. Der kräftige Uri Buri mit seinem langen weißen Bart und Mälzer sind sich nicht unähnlich, sie sind Freigeister und kochen mit einfachen Mitteln. Die Aufgabe lebt mehr von den Emotionen als von Mälzers Kochkünsten. Trotz schlechtem Tag heimst der TV-Koch noch 6,5 Punkte an.

Tränen in Portugal

Um Süßspeisen geht es für Lohninger in Portugal. Die Portugiesen sind bekannt für ihre unzähligen Nachtische, der wohl bekannteste sind die Pasteis de Nata, Puddingtörtchen in Blätterteig. Die Aufgabe des Sternekochs: einen Mandelkuchen aus Mürbeteig und ein Bohnenküchlein zubereiten. Mälzer hat ihm die Aufgabe ausgesucht, weil er sie selber nie lösen könnte. Der Sternekoch tappt im Dunkeln, lässt sich aber nicht beirren. Das Ergebnis? Für beide Kuchen hat er die gleiche Füllung gemacht. Fatal, es war ihm nicht möglich ans Original heranzukommen. Die Jury ist enttäuscht. Die Bewertungen fallen dementsprechend schlecht aus. Für Lohninger war es wortwörtlich die "Kitchen Impossible".

Aber so schlecht sein Ergebnis ist, so schön ist der Moment der Originalbäckerin, die die Niederlage des Sternekochs sehr emotional nimmt. Sie vergießt einige Tränen.

Böse Überraschung für Mälzer

Italien ist Mälzers Lieblingsland. In dieser Staffel sagte er bereits, dass er der beste italienische Koch außerhalb Italiens sei. Gewohnt großspurig prophezeit er bereits seinen Sieg. Die Aufgabe erscheint simpel. Zunächst. Risotto, dennoch nicht von einer Nonna (zu Deutsch: Oma) gekocht, sondern von einem Profikoch aus Mailand, der sich auf Risotti spezialisiert hat. Eine echte Challenge sieht Mälzer nicht. Beim Einkaufen klopft er noch große Sprüche was für ein guter italienischer Koch er sei, da hat er nicht mit der bösen Überraschung gerechnet. Eine Verkäuferin bringt ihm eine weitere Box. Mit einem weiteren Reisgericht. Das muss er aber in einem anderen Restaurant kochen. Eine weitere Schwierigkeit? Er hat für beide Gerichte nur eine Stunde Zeit.

Eigentlich sollte es ein Kompliment für Mälzer sein. Anscheinend müssen sich die Kontrahenten für Mälzer extra Hürden ausdenken, um überhaupt eine Chance zu haben, den stets unterschätzten TV-Koch zu schlagen. "Ich bin der Größte. Mich muss man zerstören. Deshalb muss man auch mal zu unlauteren Mittel greifen", sagt Mälzer. Bereits in der vorherigen Folge wollte man ihn mit Zeitdruck zum Scheitern bringen: Innerhalb einer Stunde musste er Crêpe Suzette zubereiten.

Mälzers Gabe

Zwei Risotti in nur zwei Stunden? Für Mälzer kein Problem. Einer der Küchenchefs lobt ihn sogar in höchsten Tönen: Mälzer hätte eine Gabe, die jeder Koch haben sollte – ein olfaktorisches und geschmackliches Erinnerungsvermögen. Das beweist er damit, dass er das Gericht immer wieder abschmeckt, bis er dem Original ganz nah ist. Wenn Mälzer denkt, zwei Risotti würden reichen, dann hat er nicht mit Lohningers Boshaftigkeit gerechnet. Es folgt eine weitere Box und ein weiteres Risotto.

Dreimal Risotto in drei verschiedenen Locations in nur drei Stunden – damit will Lohninger Mälzer schlagen? Da liegt er sowas von daneben. Mälzer räumt ab. Vielleicht ist er ja doch der beste italienische Koch außerhalb Italiens.

Jamaika ist gut zum Sternekoch

Jamaika kann die Bilanz des Sternekochs zwar nicht retten, doch macht er die Erfahrung seines Lebens. Er schwimmt nachts in einer magischen Lagune, deren Wasser beim Schwimmen bläulich schimmert. Von der Kulinarik der Insel hat Lohninger aber keine Ahnung. Deshalb schickt Mälzer ihn in ein Grillrestaurant. Seine Aufgabe: mariniertes Schwein, Maisbrötchen und Süßkartoffel aus der Kohle.

Wenn man denkt, Fleisch gibt es in der Auslage wie bei uns, irrt. Das Schwein wird vor den Augen des Sternekochs frisch geschlachtet und zerlegt. Das ergreift ihn. Für den Zuschauer ist dies eine wichtige Szene, es lässt uns bewusst werden, dass unsere Wurst oder unser Steak, das wir so gern essen, von einem lebenden Tier kommt.

Was man Lohninger zu Gute halten muss, er zieht durch. Auch wenn er seine Aufgaben nicht immer perfekt löst (Kuchen in Portugal), in Jamaika aber überzeugt er mit seinem Können und seiner Person. Das Wasser reichen kann er Mälzer trotzdem nicht. Der TV-Koch ist wieder auf Kurs – auf Zerstörungs-Kurs.