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Küche: Ex-Michelin-Testesser Rémy kritisiert französische Küche

Ex-Michelin-Testesser Rémy kritisiert französische Küche

Hamburg - Pascal Rémy, im Februar wegen seiner Enthüllungen entlassener Testesser der französischen Gastro-Bibel "Guide Michelin", hat in einem Interview mit dem stern Frankreichs Küche ein schlechtes Zeugnis ausgestellt: "Jedes dritte der 27 französischen Drei-Sterne-Restaurants ist zu gut bewertet."

Die französische Hochküche sei "auf blendendem Niveau erstarrt". Zwar produzierten Küchen-Stars wie Alain Ducasse in ihren Kochschulen Könner "am Fließband", aber es sei "eine sterile Küche, ohne Seele".

Aus Hochmut blickten französische Köche zu wenig ins Ausland, dabei sei "doch interessant, was sich in Spanien, sogar in England tut". So seien auch viele Franzosen, die nach Deutschland führen, beispielsweise über die hohe Qualität der badischen Küche verblüfft.

Der Michelin-Tester Rémy hatte in seinem Buch "L’inspecteur se met à table" ("Der Inspektor packt aus") enthüllt, mit welch fragwürdigen Methoden der renommierte Gastro-Führer seine berühmten Sterne an Restaurants verleiht. "Beim Michelin gibt es kaum Tester", so Rémy im stern. 2003 seien für Frankreich nur fünf im Einsatz gewesen, "und jeder von uns hat ungefähr 200 Restaurants besucht". Die 9000 Adressen, die die Frankreich-Ausgabe des "Guide" aufführt, könnten "allenfalls alle paar Jahre besucht werden". Bewertungen basierten auch auf Berichten der Konkurrenz, der Fach- und Lokalpresse.

Außerdem gebe es "Unberührbare" wie die Koch-Legende Paul Bocuse. Rémy: "Wir haben Küchenchefs kreiert, sie weltweit bekannt gemacht, manche sind nun so groß und mächtig – stärker als der Mythos Michelin." Vor solchen Stars habe der "Guide Michelin" inzwischen Angst.