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Lieblingsessen!: Gemeinsam kochen macht Familien stark

Die große Aktion Lieblingsessen! will in Familien den Spaß am gemeinsamen Kochen und Essen wecken.

Von Henry Lübberstedt

Hand aufs Herz, liebe Eltern. Das Essen in der Familie beruht doch meist auf sechs bis acht Rezepten, und abends gibt es Brot mit Aufschnitt. Das wird auf Dauer langweilig. Nicht nur für die Großen, vor allem für die Kleinen. In unserer Überflussgesellschaft wäre alles für ein spannendes Geschmacksabenteuer da, auf das wir uns jedoch selten einlassen. Häufig ist das den neuen Anforderungen des Alltags geschuldet. Die traditionelle Familie mit festen Mittagszeiten gibt es kaum noch. Heute sind beide Elternteile berufstätig, die Kinder essen im Hort oder bei Oma. Gemeinsames Kochen und Essen wird in vielen Familien zur Nebensache. Es muss schnell gehen und keine Arbeit machen. Und es sollte bloß nicht die Kinder nerven. Davon können vor allem die Eltern kleinerer Kinder ein Lied singen: Kinder können zu renitenten Essensverweigerern und Nahrungsmittel-Primadonnen mutieren. Da darf es dann ausschließlich die Salami auf dem Brot sein. Um Himmelswillen kein Käse, egal welcher Sorte! Jedes Salatblatt wird penibel aus dem Essen operiert. Und mittags darf es überhaupt nur Nudeln mit Tomatensoße mit Hackfleisch geben.

Wie schön wäre es da, wenn man die Kinder und sich selbst ab und an mit einem neuen Lieblingsessen überraschen könnte. Am Willen dürfte es den meisten Eltern nicht mangeln, eher an einer Initialzündung. Die heute beginnende Aktion "Lieblingsessen!"von stern.de und der AOK möchte genau diese Starthilfe geben. In den kommenden drei Monaten zeigen wir Familien, wie sie gemeinsam gesund, einfach und lecker Essen zubereiten, das auch Kindern schmeckt. Wie das genau funktioniert, zeigen Starköchin Sarah Wiener und stern- Kochprofi Bert Gamerschlag. Die Alltagstauglichkeit der Rezepte und Tipps überprüft gleich in der Sendung die Familie Suhr mit ihren drei Kindern Lasse (3), Ole (6) und Jon (0,3). In neun Folgen probieren sie verschiedene Rezepte aus - vom Frühstück über das Schulbrot bis zu selbst gemachten Fischstäbchen mit Kartoffelpüree.

Kinder an den Kochlöffel!

Und wenn die Kinder schon in der Küche sind, warum sollten sie dann nicht gleich mitkochen? Kochen als Familienhappening mit anschließendem gemeinsamem Essen an der Tafelrunde. Der namhafte Familientherapeut und Hobbykoch Jesper Juul ist überzeugt, dass es kaum etwas Besseres für den Zusammenhalt gibt. Schließlich entstehe familiäre Bindung nicht über die Gene, sondern über Nähe und das miteinander Reden, meint er.

Kinder von drei Jahren an können problemlos Aufgaben beim Kochen übernehmen. Wenn die Eltern meinen, ihr Kind sei dafür noch zu klein, dann können die Jüngsten den Tisch mit besonders viel Kreativität eindecken. Ab fünf Jahren kann Kindern durchaus ein kleines Messer anvertraut werden. Im Alter von sieben oder acht sind viele schon bereit für ihre erste selbst zubereitete Nachspeise. Sind die Kinder mit Begeisterung bei der Sache, nehmen sie quasi im Vorbeigehen mit, wie wichtig ansonsten verhasste Grundregeln sein können. Denn ohne Sauberkeit, eine gewisse Ordnung und Teamarbeit gelingt kaum eine Mahlzeit.

Tischmanieren für die Eltern

Als Anregung für das Familienkochen bietet die große "Lieblingsessen!"-Aktion jeden Freitag den "Sonntagsbraten". Ein mehrseitiges Rezept bestehend aus Hauptspeise und Nachspeise mit Einkaufslisten, ausführlicher Kochanleitung und handfesten Tipps, wer in der Familie wie bei der Zubereitung mithelfen kann. Küchenmuffelige Väter eingeschlossen.

Wer seine Kinder schon einmal in der Küche hat mitmischen lassen, weiß: Sobald der Nachwuchs selbst an der Hauptspeise beteiligt war, wird diese am Tisch mit größerem Elan und voller Stolz verputzt. Nebenbei lernen die Kinder gleich eine Menge über Lebensmittel, deren Verarbeitung und vor allem deren Geschmack.

Doch nicht nur Kinder können hier etwas lernen. Beim gemeinsamen Essen fallen mitunter Eltern durch mangelnde Tischmanieren auf. Mit vermeintlich gut gemeinten Erziehungssätzen können sie die beste Stimmung am Tisch im Handstreich vernichten. "Iss auf, sonst gibt es schlechtes Wetter" oder "Du bist brav, du hast alles aufgegessen" kommt bei den Kindern ganz anders an, als von den Erwachsenen gemeint war.

"Lieblingsessen!" zeigt, wie man solche Stolperfallen vermeidet und das gemeinsame Kochen und Essen zu einer tollen Zeit für die Familie werden lässt. Auch wenn es vielleicht nur einmal in der Woche oder im Monat ist.

  • Henry Lübberstedt