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Marie-Louise Marjan: Mutter Beimer schäumt - ein Süppchen

Johann Lafer krüstelt Rösti, Tim Mälzer vergeigt Roastbeef, Rainer Sass ficht für Fischstäbchen, Mutter Beimer schäumt Süppchen, und Ralf Zacherl legt ein Dessert hin, das die Topfgucker um Nachschlag betteln lässt.

Mutter Beimer hat Fieber. Lampenfieber. Verblüffend, aber selbst ein so gestähltes Schlachtross der Fernsehunterhaltung wie Marie-Louise Marjan, 64, wird noch nervös, wenn sich ihr die Kamera nähert. Oder liegt es daran, dass der Studiomann die Nasenhaarkamera an sie heranfährt? Die Nasenhaarkamera, erklärt der Warm-upper dem Publikum, ist jenes Aufnahmegerät, das so nahe an ein Objekt gebracht werden kann, dass man die feinsten Details erkennt. Der Warm-upper ist der, der das Publikum in einem Fernsehstudio auf Jubellaune zu stimmen weiß, bevor noch die Stars die Bühne betreten.

Der Job ist

bei Kerners Köchen kaum noch nötig, seit sich bei Talkshow-Besuchern der Unterhaltungsgrad der ZDF-Freitagskocherei herumgesprochen hat. Vor allem der Umstand, dass es Prosecco gibt und die Köche Speisen durch die Reihen tragen. Und das Publikum am Ende die Küche stürmen und die Töpfe ausschlecken darf. Was es lustvoll tut.

Nein, Kameraangst ist es nicht. Es ist Sorge um den Ablauf, schlicht Professionalität, die Frau Marjan zur Heerschau ihrer Kochzutaten bringt. Sie will ihren Auftritt nicht verhauen. "Pfeffer", murmelt sie vor Beginn der Sendung. "Salz. Muskat. Hühnerbrühe - wo ist mein Hühnerfond!??" Er findet sich. Die Marjan jedenfalls wird ihren Part, ein "Frühlingskräuterschaumsüppchen", meistern.

Trotz der Lästereien des Tim Mälzer, der es für Schnickschnack hält, jede dumme Suppe "Süppchen" zu nennen, auf dass ihm der Gast mit gespreizten Fingern und Andacht huldige. Ach, an Frau Marjan prallt das ab. Ihrerseits verzieht sie keine Miene, als Mälzer später seinen Part, ein englisches Roastbeef, nervös verstolpert. Aus Angst, der Braten könnte zu durchgegart sein, entnimmt er ihn zu früh dem Ofen. Souverän dafür sein Eingeständnis, dieser Flop sei schlicht "nicht schönzureden". Und höchst verdienstvoll ist sein Schritt, diesen Braten überhaupt bei Kerner vorzustellen. Denn viele haben grundlos Angst vor der Zubereitung jenes Klassikers, der eigentlich so einfach ist und der auch bestens funktioniert, solange man sich an Mälzers Rezeptangaben hält - nachstehend zu lesen.

Was noch bei JBK? Johann Lafer brät ein perfektes Rösti aus engelshaarfeinen Kartoffelfäden - sein Trick, ein Spezialgerät. Rainer Sass rettet das Fischstäbchen vor der Nahrungsmittelindustrie, und Ralf Zacherl stellt ein Beerendessert mit Pesto vor - so lecker, dass es das Publikum schwer atmend stöhnen und Sass das Urteil fällen lässt: "eine Provokation".

Bert Gamerschlag / print