Olympiade der Köche "An die Töpfe, fertig, los"


1100 Meisterköche aus 36 Nationen kämpfen noch bis Mittwoch bei der Olympiade der Köche in Erfurt. Deutschland kann auf Gold hoffen und die Zuschauer auf kulinarische Hochgenüsse.

Einen kulinarischen Streifzug um die Welt bieten Profis aus fünf Kontinenten bei der Olympiade der Köche, die am Wochenende in Erfurt begonnen hat. An dem Spitzentreffen der "Weißen Zunft", das wie Olympische Spiele nur alle vier Jahre ausgerichtet wird, beteiligen sich bis Mittwoch Mannschaften aus 36 Ländern. Mehr als 1100 Meisterköche und Patissiers lassen sich bei dem Wettbewerb in gläsernen Küchen auf die Finger und in die Töpfe schauen. Nach Angaben des Verbandes der Köche Deutschlands, der das Spektakel um Gold-, Silber- und Bronzemedaillen organisiert, ist das die bisher stärkste Beteiligung in der mehr als 100-jährigen Geschichte der Olympiade.

Nach dem traditionellen Einmarsch der Nationen zur Eröffnung hieß es am Sonntag: "An die Töpfe, fertig, los." Die ersten 8 von 32 Koch- Nationalmannschaften mussten an den Herd und unter den Augen von Juroren wie Fernsehkoch Armin Rossmeier ein Drei-Gang-Menü zubereiten. Beim Gemüseputzen, Braten, Dünsten und möglichst originellen Anrichten war Teamarbeit und Schnelligkeit gefragt.

110 Menüs müssen gezaubert werden

"Da muss jeder Handgriff sitzen", sagte Chefjuror Axel Rühmann. Jede Mannschaft - am ersten Tag kamen sie unter anderem aus Südafrika, Südkorea, Malaysia, Rumänien und Zypern - muss 110 komplette Menüs auf den Tisch bringen. Gegen einen Obulus konnten die Besucher der Internationalen Kochkunstausstellung (IKA) sautierte Jakobsmuscheln, Languste in Salbei, Springbockrücken oder Creme aus Ginsengwurzel verkosten.

Die Olympiade der Köche, bei der Schweden als Titelverteidiger, sowie Singapur, die Schweiz, Deutschland und die USA als Favoriten gehandelt werden, sorgt jedoch nicht nur für Gaumengenuss. Für Kochprofis und Konditoren ist sie eine Art Ideenbörse, die Trends setzt.

Je einfacher die Zutaten, umso mehr muss der Koch können

"Ich lerne heute noch dazu", sagte Ferdinand Metz, Präsident des Weltbundes der Kochverbände. Für den Deutschen, der in den USA lebt, ist die Olympiade "die Nr. 1 unter den fünf großen internationalen Kochkunstausstellungen". Bei der diesjährigen Schau sieht er eine Rückbesinnung auf Ursprüngliches. "Je einfacher die Zutaten, umso mehr muss der Koch können."

"Der Reiz besteht darin, sich mit Kollegen zu messen", meinte der Schweizer Rene Frei. Dabei wird reichlich Aufwand getrieben. "Ein gutes Team arbeitet ungefähr ein Jahr für Ausstellungen wie die Olympiade." Bis zur letzten Minute trainieren Köche und Konditoren in Hotels in und um Erfurt. Nichts dem Zufall überlassen: "Etwa 60 Prozent der Zutaten bringen die Teams aus ihrem Heimatland mit", berichtete Aina Keller, Sprecherin der IKA.

Jury-Mitglied Frei sieht in der Olympiade auch ein Sprungbrett für den Nachwuchs. Immerhin treten neben Militärköchen und etwa 60 Regionalteams auch 16 Jugendnationalmannschaften an. "Da ist richtig Action." Für die deutschen Nachwuchsköche, die die Goldmedaille aus dem Jahr 2000 verteidigen wollen, wird es jedoch erst am Mittwoch ernst. Bis dahin haben Schaulustige und Fachleute - bis zu 25.000 werden erwartet - Zeit, die Kreationen der Profis zu kosten. Erst am Donnerstag steht fest, wer sich die Kochkrone aufsetzen darf.

Simone Rothe / DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker