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Sushi-Promotion außer Kontrolle Warum Taiwaner gerade scharenweise ihre Namen in "Lachs" ändern

Ein Teller mit Sushi
Für die Aussicht, so viel Sushi zu essen, wie man möchte, kann man schließlich auch mal seinen Pass ändern lassen. Das jedenfalls meinen derzeit viele Menschen in Taiwan.
© Jens Kalaene / DPA
In Taiwan rennen junge Leute scharenweise aufs Amt und lassen ihre Namen ändern. Sie wollen unbedingt "Lachs" mit Nachnamen heißen – und dann ganz viel Sushi essen.

"Lachs-Chaos" in Taiwan. So jedenfalls nennen lokale Medien das Phänomen, das gerade Dutzende vor allem junge Leute aufs Passamt treibt. Die Menschen wollen nur eins: mit Nachnamen "Lachs" heißen.

Jetzt sahen sich Behörden zu einem Appell genötigt. Ein Regierungsvertreter richtete am Donnerstag den dringenden Appell an die Bürger in Taiwan, von der Namensänderung abzusehen.

Restaurant in Taiwan hatte folgenreiche Werbe-Idee

Hintergrund ist eine Werbeaktion eines Restaurants: Menschen, die die chinesischen Schriftzeichen "Gui Yu" – also Lachs – im Namen tragen, bekommen ein All-you-can-eat-Sushi-Menü umsonst und können dazu auch noch fünf Freunde mitnehmen. Presseberichten zufolge standen in den vergangenen Tagen 150 vor allem junge Menschen vor den Ämtern für eine solche Namensänderung Schlange.

Taiwan erlaubt nach Informationen des "Guardian" seinen Bürgern, bis zu dreimal den Namen offiziell ändern zu lassen. Aber dass dies jetzt so viele Leute auf einmal tun, nur um Sushi zu futtern, das geht der Regierung des Landes doch zu weit.

Taiwans Vize-Innenminister Chen Tsung-yen sagte, solche Namensänderungen seien nicht nur eine Zeitverschwendung, sondern verursachten auch jede Menge unnötigen Papierkram. Im Gespräch mit der Lokalpresse rief er die Bürger des Landes dazu auf, die Arbeit der Behörden mehr wertzuschätzen. "Ich hoffe, dass die Menschen zur Vernunft kommen", sagte er.

Nur "Lachs" im Namen wäre ja auch zu einfach – es geht auch kreativer

Im Ansturm auf Umsonst-Sushi sind die Menschen in Taiwan aber sehr erfinderisch und lassen sich nicht einfach nur in "Lachs" umbenennen, sondern wählen auch gern Namens-Kombinationen, in denen der leckere Fisch nur ein Teil ist. Ein College-Student beispielsweise sagte einem örtlichen TV-Sender, dass er jetzt "Bao Cheng Gui Yu" heiße. Frei übersetzt heißt das "Unheimlich gut aussehender Lachs". Und stolz fügte er hinzu, er habe in dem Restaurant schon für umgerechnet 176 US-Dollar gegessen. 

Andere fischige Nachnamen sind beispielsweise "Kosmischer Lachs-König" oder "Gebratener Reis mit Lachs". Eine Frau sagte einem TV-Sender, sie und ein paar Freunde hätten ihre Namen geändert, das sei ja keine große Sache. Denn man könne das ja schließlich wieder rückgängig machen.

Die Werbeaktion des Restaurants ist zeitlich auf zwei Tage begrenzt. Doch vielleicht gibt es einmal wieder so viel leckeres Gratis-Essen für Menschen mit dem "richtigen" Namen. Dieser Gedanke könnte die Motivation für einen Taiwaner gewesen sein, der rekordverdächtige 36 Zeichen zu seinem Namen hinzufügen ließ. Es sind zumeist Worte für Meeresfrüchte, darunter "Hummer" und "Krabbe".

Quelle: "The Guardian"


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