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Bayern: Ein neuer Nachbar fühlt sich von Traditionsbäckerei gestört - und schaltet seinen Anwalt ein

In einer kleinen Gemeinde in Bayern existiert seit 90 Jahren eine Handwerksbäckerei. Eine Rarität in Deutschland. Nun ist das Geschäft bedroht - ein neuer Nachbar hat seinen Anwalt eingeschaltet.

Handwerksbäckereien sind hierzulande selten. Trotzdem fühlt sich ein Anwohner von einer bayerischen Backstube (geruchs-)belästigt. (Symbolbild)

Handwerksbäckereien sind hierzulande selten. Trotzdem fühlt sich ein Anwohner von einer bayerischen Backstube (geruchs-)belästigt. (Symbolbild)

Den köstlichen Geruch von frisch gebackenen Brötchen, dampfenden Brotlaiben und süßen Kuchen kennt man heutzutage fast nur noch aus Kindheitserinnerungen. Familiengeführte Bäckereien verschwinden. In Großstädten weichen sie Backshopketten, das Handwerk stirbt nach und nach aus. Auch, weil es ein Knochenjob ist. Nachwuchsbäcker sind schwer zu finden. Wer steht schon freiwillig mitten in der Nacht auf - um zu backen?

Auch rund um den Tegernsee in Bayern gibt es nicht mal mehr eine Handvoll echter Bäckereien. Eine der wenigen ist die Bäckerei Tremmel, die seit 90 Jahren in Familienbesitz ist, und heute von Evi Tremmel geführt wird. Seit 65 Jahren steht der Laden am gleichen Standort. Kurz nach Mitternacht werden bereits die ersten Teige angesetzt, die Rezepte sind uralte Familienüberlieferungen. Brezen werden in der Bäckerei Tremmel per Hand gedreht, Semmeln gebacken. Die Bäckerei Tremmel setzt mit den 20 Mitarbeitern eben noch auf echtes Handwerk. 

"Der Geruch von frischem Brot und Hefeteig soll stinken?" 

Ein Juwel in einem Ort wie diesen könnte man meinen. Ein neu zugezogener Nachbar aber sieht das anders, wie der "Merkur" berichtete. Ein Ehepaar fühle sich derart vom Backgeruch gestört, dass sie sogar einen Anwalt eingeschaltet haben. Unverständnis und Fassungslosigkeit bereiten sich aus – vor allem bei Evi Tremmel: "Da stellt's mir alles auf! Der Geruch von frischem Brot und Hefeteig soll stinken? Das ist ja unglaublich!", sagte Tremmel in einem Gespräch mit dem "Merkur".

Im Anwaltsbrief steht sogar ein Vorschlag, wie die Bäckereibesitzerin die Geruchsbelästigung beiseitigen könnte. Sie müsste nur Abluftventilatoren einbauen. Etwas, was Tremmel kategorisch ablehnt. Sie würde nichts dergleichen tun, schließlich habe es in der Geschichte der Bäckerei noch nie Beschwerden gegeben. Rückendeckung hat sich Evi Tremmel bereits vom Bürgermeister geholt.

In anderen Gemeinden und auch Großstädten wäre man froh über eine Handwerksbäckerei in direkter Nähe. Die neuen Nachbarn wissen wohl frischgebackene Brötchen nicht zu schätzen. 

Lachs