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Europameisterschaft im Kürbiswiegen: Drei deutsche Züchter hoffen auf den Titel

Deutsche Meister sind sie schon. Jetzt wollen die Züchter von "Heavy East" aus Sachsen mit ihrem Koloss auch die Europameisterschaft im Kürbiswiegen für sich entscheiden.

Die Kürbiszüchter vom Team Heavy East sind gerade mit ihrem Riesenkürbis Deutscher Meister im Kürbiswiegen geworden. Jetzt hoffen Martin Baumert, Andreas Baumert und Martin Teichert (v.l.), auch bei der Europameisterschaft am 12. Oktober in Ludwigsburg (Baden-Württemberg) den Titel zu holen.

Die Kürbiszüchter vom Team Heavy East sind gerade mit ihrem Riesenkürbis Deutscher Meister im Kürbiswiegen geworden. Jetzt hoffen Martin Baumert, Andreas Baumert und Martin Teichert (v.l.), auch bei der Europameisterschaft am 12. Oktober in Ludwigsburg (Baden-Württemberg) den Titel zu holen.

Im Gewächshaus von Andreas Baumert nehmen Kürbisse schon lange vor Halloween Monstergestalt an. Der 31 Jahre alte Tischler züchtet mit seinem Bruder Martin, 30, und Kumpel Martin Teichert, 31, Atlantic Giants. So heißt die größte Kürbisart der Welt. Als Team "Heavy East" fahren die drei Sachsen aus Ludwigsdorf bei Görlitz bei nationalen und internationalen Kürbis-Wettbewerben schweres Geschütz auf.

Am vergangenen Wochenende wurde eines ihrer Eigengewächse Deutscher Meister. Der Champion brachte 699 Kilogramm auf die Waage und war mit einem Umfang von 5,10 Metern nicht zu übersehen. An diesem Sonntag soll zur Europameisterschaft in Ludwigsburg (Baden-Württemberg) der nächste Coup gelingen.

Der Konkurrent aus der Schweiz

Wenn da nicht Beni Meier aus Pfungen in der Schweiz wäre. Der Gartenbaumeister gilt als härtester Konkurrent der Sachsen und ist momentan in der Kürbiszüchter-Szene das Maß aller Dinge. Im Vorjahr hat Meier als Erster die Tonnen-Marke gemeistert. Da sein Kürbis aber ein Loch aufwies, wurde der Rekord offiziell nicht anerkannt. Auch in diesem Jahr präsentiert sich Meier in Bestform.

Zweimal hat er den Weltrekord schon geknackt und auf 953,5 Kilogramm geschraubt. Das Team von "Heavy East" ist dem eidgenössischen Kürbis-Guru auf den Fersen und blickt gespannt auf kommende Duelle: "Die Tonne ist machbar. Wir sind schon nah dran", sagt Baumert und verweist auf Früchte von mehr als 800 Kilogramm aus eigenem Anbau.

Der Schweizer Kürbiszüchter Beni Meier ist momentan in der Kürbiszüchter-Szene das Maß aller Dinge. Zweimal hat er den Weltrekord bereits geknackt.

Der Schweizer Kürbiszüchter Beni Meier ist momentan in der Kürbiszüchter-Szene das Maß aller Dinge. Zweimal hat er den Weltrekord bereits geknackt.

Kürbisse nehmen etwa 25 Kilo pro Tag zu

Er kam 2007 als Züchter auf den Geschmack, auch wenn der Kürbis nicht gerade zu seinen Leibspeisen zählt. In einem Bayern-Urlaub sah er Riesenkürbisse und war sofort begeistert. Inzwischen sind viele Bewohner von Ludwigsdorf infiziert. Überall im Ort sieht man die Früchte in lustigen Installationen in den Gärten. Baumert beschreibt die "Faszination Riesenkürbis" so: "Man kann beim Wachsen praktisch zuschauen. Zuletzt nehmen die Kürbisse etwa 25 Kilo pro Tag zu." Doping spiele keine Rolle: "Das ist natürliches Wachstum."

Allerdings wird nichts dem Zufall überlassen. Selbst die Bestäubung erledigen die Herren von "Heavy East" in Handarbeit: "Da lassen wir keine Bienen ran", sagt Baumert. Bis zu zwei Stunden Pflege pro Tag sind erforderlich. Die Ranken werden eingegraben, damit sie sich in Wurzelgeflecht verwandeln und den Kürbis reichlich Wasser liefern.

Nach ständiger Auslese bleibt am Ende ein Kürbis pro Pflanze übrig und kann auf 70 Quadratmeter Fläche im Gewächshaus gedeihen. 200 Liter Wasser pro Tag braucht man in Ludwigsdorf pro Frucht. Um die Temperaturen konstant zu halten, werden die Früchte gelegentlich mit Laken abgedeckt.

Der Atlantic Giant ist tatsächlich essbar

Wenn die Meisterschaftssaison vorbei ist, kommen die Gewächse unters Messer. In Ludwigsdorf wird das traditionell mit einem Schlachtfest kombiniert. Dann bekommen die Dorfbewohner ihr Stück vom Kuchen ab - oder besser von der Suppe. Der Atlantic Giant gilt als minderwertiger Speisekürbis und lässt sich am besten zu Suppe verarbeiten.

"Wir sind eigentlich nur am Saatgut interessiert", sagt Martin Teichert. Der Wille, zu den Besten zu gehören und immer größere Kürbisse zu züchten, treibt den Kfz-Mechaniker an. Andreas Baumert hat noch eine andere Neigung der Züchter ausgemacht: "Viele von ihnen sind zugleich Angler." Womöglich habe der Traum vom großen Fisch auch bei den Kürbissen Wurzeln geschlagen.

Kürbis ist in Deutschland ein Nischenprodukt

Der Deutsche Bauernverband glaubt nicht, dass Meisterschaften für Riesenkürbisse den Appetit auf die Frucht hierzulande steigern. Im Vergleich zu Ländern in Asien oder den USA ist Deutschland beim Kürbis wohl eher ein Entwicklungsland. Hans-Dieter Stallknecht, beim Bauernverband für Obst, Gemüse und Sonderkulturen zuständig, spricht von einem Nischenprodukt.

Derzeit stagniere die Kürbisproduktion auf rund 2500 Hektar und bei 60.000 Tonnen pro Jahr in Deutschland. Bedeutende Anbauregionen seien Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Statistisch kaufe jeder Haushalt nur rund 600 Gramm Kürbis pro Jahr. "Vielleicht wird aber der Trend hin zu mehr fleischloser Kost die Nachfrage steigern", sagt Stallknecht.

Jörg Schurig/ DPA / DPA