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Spargelpreis Lässt die Corona-Krise den Spargelpreis durch die Decke gehen?

Spargel im Direktverkauf
Erntehelfer sind derzeit Mangelware und die Spargelbauern kommen mit der Ernte nicht hinterher. Hat das Auswirkungen auf den Preis?
© picture alliance/abaca / Picture Alliance
Weil Erntehelfer fehlen, wird dieses Jahr weniger Spargel geerntet. Alternative: Selbststechen. Müssen die Verbraucher die Ernteprobleme teuer bezahlen oder löst die Corona-Krise gar das Problem der Überproduktion?
Von Tina Pokern

Der Spargel sprießt aus dem Boden und die Kilopreise in die Höhe. Wer das Edelgemüse in die Sauce Hollondaise tunken möchte, muss in diesem Jahr ein paar Euro mehr in die Hand nehmen. Denn ein Kilo Spargel kostet aktuell, je nach Region und Anbieter, zwischen 11 und 15 Euro - kein Schnäppchen. Vor allem mit Blick aufs vergangene Jahr, als das Kilo Spargel laut Verband der Süddeutschen Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE) im Schnitt für 6,50 Euro über die Theke ging.

Aber muss dieses Jahr wirklich das Doppelte für das sogenannte weiße Gold gezahlt werden? Wahrscheinlich nicht. Die aktuellen Preise bilden lediglich einen Momentzustand ab. Auf welches Niveau sich der Kilopreis im Laufe der Saison einpendeln wird, ist ungewiss. Simon Schumacher, Vorstandssprecher vom VSSE hat daher die Preise der vergangenen vier Wochen mit denen des Vorjahreszeitraums verglichen und festgestellt, dass der aktuelle Durchschnittspreis mit 13,30 Euro lediglich knapp einen Euro höher liegt. Kein ungewöhnlicher Preis zum Saisonstart, wenn das Angebot noch nicht so groß ist. 

Desasterjahre für die Spargelbauern

Je länger die Saison, desto günstiger der Spargel. Im Mai purzeln traditionell die Preise. Worauf die Konsumenten sich freuen, bereitet den Erzeugern allerdings Sorgen. "Die vergangenen beiden Jahre waren Desasterjahre", sagt Simon Schumacher. Die ständige Zunahme von Spargelanbauflächen bis 2018 habe zu einer Überproduktion geführt. Das Zuviel an Ware habe die Preise auf zwischenzeitlich nur noch vier Euro das Kilo fallen lassen. "Solche Preise sind nicht wirtschaftlich."

Die Corona-Pandemie könnte dem nun ­– zumindest vorerst – ein Ende setzen. Weil Erntehelfer in diesen Zeiten Mangelware sind und die Spargelanbauer nicht wissen, wie sie den Asparagus vom Feld bekommen sollen, haben einige die Anbauflächen bereits reduziert. Andere gar komplett die Fahnen gestrichen und die Produktion eingestellt. Eine Entwicklung, die auch in den kommenden Jahren noch spürbar sein werde, glaubt Schumacher. 

Gleicht sich am Ende alles aus?

"Es wird dieses Jahr definitiv weniger Spargel geben", ist sich Schumacher sicher. Weniger Angebot bedeutet auf dem Markt steigende Preise. Allerdings nur, wenn auch die Nachfrage gleichbleibend hoch ist. Da allerdings nicht nur das Angebot reduziert sein wird, sondern auch die Gastronomie als Abnehmer weggebrochen ist, ist eine Lage entstanden, die es so noch nicht gegeben hat. "Wir befinden uns in einem interessanten Angebot-Nachfrage-Gefüge", sagt Schumacher.

Diese Einschätzung teilt auch Gabriele Held, AMI-Marktexpertin für Obst und Gemüse. Obschon die Nachfrage vor Ostern groß gewesen sei, "es gab einen kleinen Spargel-Hype", sei nicht abzusehen, ob die Endverbraucher die weggebrochenen Abnahmemengen der Gastronomie kompensieren könnten. Dass die Nachfrage derzeit groß ist, weiß auch Schumacher: "Die Menschen möchten sich etwas Gutes tun und holen sich mit dem Spargel den Frühling in die Küche." 

Welche Auswirkungen die Gemengelage auf die Spargelpreise in den kommenden Wochen haben wird, bleibt Spekulation. Die jetzige Situation könne aber dazu führen, so Schumacher, dass ein Gleichgewicht entstehe. Er geht daher davon aus, dass die Spargelpreise sich "einen Ticken" über dem letztjährigen Jahres-Durchschnittspreis einpendeln dürften. 

Schadensregulierung durch Do-it-yourself-Felder

Erdbeerpflückfelder gibt es schon lange, seit dieser Saison wird aber auch das Do-it-yourself-Stechen auf Spargelfeldern angeboten. Um den Schaden einzudämmen, lassen einige Spargelbauern ihre Kunden nun selbst an die Stangen. Eine Alternative, die aus der Not geboren wurde. Abgerechnet wird nach Kilo oder nach Flatratepreis.

So stechen auf dem Gut Brenneckenbrück bei Gifhorn die Kunden beispielsweise nur so viel Spargel, wie sie für den Verzehr benötigen. Abgerechnet wird nach Kilopreis, der aktuell bei zwei Euro liegt. Beim Hof Oelkers im niedersächsischen Wenzendorf können hingegen ganze Spargelreihen gemietet werden – knapp 222 Euro für 300 Meter und bis zu 150 Kilogramm Spargel bis Anfang Juni.

Mietfelder als Zukunftsmodell?

Günstiger als zum Selbststech-Preis gibt es das weiße Gold nirgendwo. Aber rechnet sich das auch? "Ich verstehe das mehr als Lebensmittelrettungsaktion", sagt Simon Schumacher, der erklärt, dass solche Felder die Landwirte teuer zu stehen kommen können.

"Beim ungeübten Stechen kann die Pflanze so geschädigt werden, dass sie stirbt."  Sinn machen solche Aktionen seiner Meinung nach daher nur auf Feldern, die nach der Saison ohnehin umgepflügt werden. Das sieht auch Gabriele Held so, sie findet die Idee dennoch gut ­– allerdings hauptsächlich als Marketingmaßnahme.


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