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Trend israelische "Garagenweine": "Wir kopieren keinen Bordeaux"

Klasse statt Masse: In Jerusalem versuchen kleine Winzer, regionaltypische Weine zu produzieren, die mit internationalen Spitzentropfen mithalten können. Kenner schätzen diese "Garagenweine" sehr.

In Isreal wurde schon vor dreitausend Jahren Wein angebaut. Jetzt wollen Winzer an diese Tradition anknüpfen und eigene, international anerkannte Spitzenweine hervorbringen.

In Isreal wurde schon vor dreitausend Jahren Wein angebaut. Jetzt wollen Winzer an diese Tradition anknüpfen und eigene, international anerkannte Spitzenweine hervorbringen.

Kritisch inspiziert Eran Pick den Zustand seiner Weinstöcke auf den grünen Hügeln westlich von Jerusalem. Er gehört zur stark wachsenden Zahl kleiner Winzer, denen es gelingt, israelische Gourmet-Tropfen auf den besten Weinkarten der Welt zu platzieren. "Auf diesen Hängen wurde schon vor dreitausend Jahren Wein angebaut", sagt Pick. "Wir knüpfen an diese Tradition an und wollen regionaltypische Sorten erzeugen, die das Niveau internationaler Spitzenweine erreichen."

Der 40-Jährige hat sein Handwerk im südwestfranzösischen Bordelais und in Kalifornien gelernt. Er arbeitet für das Weingut Tzora, das 1993 gegründet wurde und 80.000 Flaschen pro Jahr abfüllt. 15.000 davon gehen ins Ausland.

Das ist nur ein Bruchteil der israelischen Gesamterzeugung von jährlich 40 Millionen Flaschen Wein, von denen etwa 15 Prozent exportiert werden, vor allem in die USA, nach Frankreich und Großbritannien. Auf große Weinkellereien wie Carmel oder Golan Heights entfällt der Löwenanteil des jährlichen Wein-Umsatzes in Israel von bis zu 300 Millionen Euro.

Garagen- und Boutiqueweine sehr gefragt

In den 90er Jahren traten am oberen Ende der Qualitätsskala in Israel die sogenannten Garagenweine oder Boutiqueweine auf den Plan. Von einem Garagenwein werden höchstens 100.000 Flaschen pro Saison erzeugt. Statt auf Masse wird auf Auslese gesetzt. Die ersten Pioniere waren reisefreudige Winzer, die sich an den Tafelkünsten Frankreichs und Italiens orientierten. In den vergangenen fünf Jahren stieg die Zahl der Garagenweine aus Israel rasant von einem Dutzend auf nun über dreihundert.

Für manche Liebhaber ist es nur ein Nebenerwerb. "Andere stützen sich auf ausländische Investoren, erfolgreiche jüdische Geschäftsleute, die es neuerdings schick finden, ein Weingut zu besitzen oder Miteigentümer zu sein", erklärt Gabriel Geller, ein bekannter Weinexperte aus Jerusalem.

Auch Obama trank schon israelischen Wein

In den Judäischen Hügeln zwischen Jerusalem und der Küstenebene produziert auch die Familie Flam seit 17 Jahren erfolgreiche Boutiqueweine. "Wir wollen auch den Israelis den Geschmack guten Weins nahebringen", erklärt Chefwinzer Gilad Flam. Auf einer Terrasse mit wunderschönem Fernblick werden in der Flam-Winzerei Weinproben mit Käseplatten kredenzt. "Wir kopieren keinen Bordeaux oder gute Italiener, sondern erzeugen typischen israelischen Wein höchster Qualität", nennt der Vater das Familiencredo.

"Das Terroir", also die von der Natur vorgegebenen Standortfaktoren des Anbaugebiets, "ist ausgezeichnet, und wir versuchen, in jeder Flasche den typischen Geschmack der Gegend zu erzeugen", sagt Gilad Flam, während er eine Flasche entkorkt. Stolz erzählt er, dass beim letzten Staatsbesuch von US-Präsident Barack Obama vor zwei Jahren ein Flam-Wein zum Bankett gereicht wurde.

Die Zahl der Weintrinker in Israel steigt

Obwohl Weingenuß seit jeher Teil der jüdischen Gebetsrituale ist, spielte die Qualität des Rebensafts dabei keine große Rolle und der Alltagskonsum blieb mit nicht mal sieben Litern jährlich pro Kopf bisher gering. In Frankreich sind es 45 Liter und selbst im Bierland Deutschland rund 22 Liter pro Jahr. Aber in den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl regelmäßiger Weintrinker in Israel um 50 Prozent gestiegen, sagt die Verbraucherstatistik.

Allerdings hemmen die relativ hohen Preise den Weinabsatz. "Bei koscheren Weinen lässt sich der Rabbiner gut bezahlen, der das Zertifikat erteilt", erläutert der französische Önologe Marc Dworkin. Das Koschersiegel gibt es nur, wenn keine Zusatzstoffe verwendet wurden und am direkten Produktionsprozess ausschließlich praktizierende Juden beteiligt waren.

Andererseits hat "die enge Dichte unterschiedlichster Anbaubedingungen viele interessante Spitzentropfen hervorgebracht", lobt Dworkin und verweist auf die Spannbreite von der südlichen Negevwüste bis zu den besetzten Golanhöhen im Norden. Dazu beigetragen hätten ausländische Experten, die von den millionenschweren Investoren angeheuert wurden. Und Geller bestätigt: "Die jüngsten Entwicklungen haben ermöglicht, dass israelischen Weinen bei Messen in der ganzen Welt inzwischen die höchsten Auszeichnungen verliehen werden."

Michael Blum/ DPA / DPA