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Vegan selbst versucht! 60 Tage "Vegan for Youth"


Niemand aus der Redaktion traute sich. Bis unser mutiger Kollege Derik sich ein Herz fasste. Der Teamleiter der stern-Titelredaktion wagt es: Tag 1 von 60 vegan leben. Auch in der Kantine!
Von Derik Meinköhn

Stunde null: Die nächsten zwei Monate werde ich mich ausschließlich vegan ernähren, nach dem Kochbuch "Vegan for Youth" von Attila Hildmann. Eigentlich ist das mehr als ein Kochbuch, eher ein Programm, sein Leben 60 Tage lang wesentlich bewusster zu leben: vegan essen, meditieren, Sport treiben.

Morgen soll es eigentlich losgehen, aber ich muss erst einmal einkaufen. Denn richtig vegan ist quasi nichts in unserer Küche. Das Buch hat mich aber so angesteckt, dass ich nicht anders konnte. Tata: Und hier ist mein erstes veganes Frühstück. Der Apfel-Hafer-Tower mit Kiwi-Sauce. Ich hatte nicht genug Kiwis, deshalb habe ich mit Ananas ergänzt und die Hafermilch durch Sojamilch ersetzt. Das Rezept ist sehr einfach: Man schichtet Nuss-Müsli mit Apfelscheiben und übergießt das Ganze mit pürierten Kiwis. Sieht super aus und ist mega lecker.

Der Einkauf

Heute war ich einkaufen. Gott sei Dank gibt es in Hamburg einen veganen Supermakt. Dort habe ich alles für die ersten Tage bekommen: Hafermilch, Dinkelmehl, Weizengraspulver, Acai, Acerolapulver, Matcha, Hirseflakes und lauter so Zeug, das ich noch nie in der Küche hatte - zumindest nicht bewusst.

Der Schock an der Kasse: Dieser kleine halbvolle Einkaufswagen ist 180 Euro schwer!

Warum mache ich das eigentlich? Ich bin kein Vegetarier. Ich kann einem Hasen das Fell abziehen, Fische fangen und ich denke, dass wir Menschen unsere Eckzähne nicht nur zur Show tragen. Der Mensch hat sich so gut entwickelt, weil er Fleisch hatte. Das sagen zumindest einige anthropologische Theorien. Denn: Fleisch ist unsere natürliche Nahrung. Nur: Damals waren wir nicht so viele und wir haben noch nicht so viel nachgedacht. Und wir hatten keine Ahnung von dem, was Tiere eventuell fühlen. Inzwischen sind wir schlauer, Tiere sind für uns keine Dinge mehr - und doch behandeln wir sie so.

"Wir haben den Respekt verloren"

Vor einigen Jahren habe ich eine Großschlachterei in Berlin besucht: Die Menge an toten Tieren fand ich schockierend. Die Rinder dort waren keine Lebewesen mehr, sie waren Dinge. Wir haben den Respekt vor ihnen verloren. Erst neulich sah ich ein Tiefkühlhuhn für 1,99 Euro im Angebot. Dafür wurde ein Huhn gezüchtet, gefüttert, geschlachtet, transportiert und gefroren - für knapp 2 Euro.

Und daran wollen Züchter und Supermarkt noch verdienen? Wie soll denn das gehen? Wie das funktioniert, zeigt die Food Sequence aus dem Film "Samsara": Massentierhaltung, bei der Hühner mit Maschinen eingesammelt werden wie Korn mit einem Mähdrescher. Dagegen ein Zeichen zu setzen und vegan ins andere Extrem zu gehen, könnte vielleicht ein paar andere Menschen dazu bewegen, weniger Fleisch zu essen. Den Tieren würde es gefallen.

Buletten vegan

Es gab Kidneybohnen-Buletten und dazu Cashew- und Tomaten-Dip. Die Zubereitung dauerte mir zu lange. Das liegt wohl daran, dass ich Rezepte immer mehr als Anregung begreife und nicht als Anleitung. Jetzt muss ich aber auf einmal jeden Punkt genau beachten, weil ich die Gerichte zum ersten Mal koche.

Das dauert halt. Aber wenn man das dreimal gemacht hat, geht's bestimmt ganz fix.

Attila Hildmann meint, dass vegane Ernährung gesünder ist und dass man sich nach den 60 Tagen so gut fühlt wie noch nie. Aber liegt das an dem veganen Essen? Oder daran, dass er gleichzeitig Meditation und Sport verordnet? Ist mir eigentlich egal, ich habe Lust es auszuprobieren.


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