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Zum Weihnachtsfest: Glühwein - Veredelter Genuss

Auf den zahlreichen Weihnachtsmärkten ist er nicht mehr wegzudenken. Heiß begehrt - der Glühwein gehört genauso zu Weihnachten wie Stollen und Christbaum.

Er ist sogar älter als das Weihnachtsfest - der heiße Wein, genannt Glühwein. "Die Geschichte des Glühweins liegt im Würzwein der alten Römer", sagt der Sprecher des Deutschen Weininstituts (DWI) in Mainz, Ernst Büscher. Sie versetzten den Wein zur besseren Haltbarkeit mit Gewürzen. Beleg dafür ist ein 2000 Jahre altes Rezeptbuch.

Ursprünglich für die gehobene Gesellschaft

Der römische Bürger Apicius beschrieb in seinem "conditum paradoxum" die Veredelung des Weins mit Zimt, Lorbeer, Nelken, Thymian und Koriander. Doch lange blieb der winterliche Genuss der gehobenen Gesellschaft vorbehalten. "Nur die hatten die Möglichkeit, sich die kostbaren Gewürze zu beschaffen", erklärt Büscher.

Etwa 40 Millionen Liter des "aromatisierten weinhaltigen Getränks" trinken die Deutschen nach Angaben des Bundesverbandes Wein und Spirituosen alljährlich im Advent. Der klassische Glühwein enthält meist eine Mischung verschiedener Rotweine und hat zwischen 7 und 14,5 Volumenprozent Alkohol. Dazu kommen Gewürze wie Anis, Kardamom, Muskat, Nelken, Orangen- und Zitronenschalen, Piment und Zimt.

Marktführer ist Gerstacker

Zu den Marktführern gehört die Gerstacker Weinkellerei in Nürnberg. Alleine vom "Original Nürnberger Christkindlesmarkt Glühwein" setzt Gerstacker rund 10 Millionen Liter pro Saison ab. Der Schwerpunkt liegt hier im Lebensmittelhandel. "Wir verwenden einen rebsortenreinen italienischen Sangiovese", sagt Inhaber Hans Gerstacker. Bei 70 Grad werde dieser 24 Stunden lang mit den Gewürzen erwärmt, um ihm das typische Aroma zu geben.

Die Gewürze bezieht Gerstacker von den Herstellern der Nürnberger Lebkuchen, bei denen sich die Kellerei vor einigen Jahren einkaufte. Schließlich seien die Zutaten zu einem großen Teil identisch, sagt Firmenchef Gerstacker. Neben dem typischen Glühwein seien aber auch immer mehr Nischenprodukte wie Eierpunsch, Kirsch- und Heidelbeerwein und weißer Glühwein gefragt.

Die Süße selber bestimmen

Am Fachhandel geht das Geschäft weitgehend vorbei. "So etwas gibt es eigentlich nicht hochwertig", sagt Reinhard Kroh, Inhaber von drei "Weinrebe"-Läden in Marburg und Gießen. Beliebt sei in Fachgeschäften aber Glühweingewürz für die Zubereitung zu Hause. "Dann kann man die Süße selber bestimmen", erklärt der Fachhändler den Trend.

Zur Zubereitung daheim rät auch DWI-Sprecher Büscher. "Liebliche Rotweine eignen sich sehr gut als Basis, dann braucht man nur noch wenig Zucker", sagt der Experte. Aber auch Winzer griffen das Thema immer öfter auf. Für sie sei der Glühwein ein interessantes Nischenprodukt, gerade für den Verkauf auf Weihnachtsmärkten.

Keine größere Suchtproblematik

Eine der wenigen Genossenschaften, die einen eigenen Glühwein herstellt, findet sich in Württemberg. Die Genossenschaftskellerei Heilbronn produziert seit drei Jahren einen "Württemberger Glühwein" aus ihren eigenen Rotweinen. "Die Zielgruppe für unser Produkt ist der Kunde, der sich sonst aus seinem eigenen Bestand einen Glühwein herstellt", sagt Geschäftsführer Karl Feiter.

Auch wenn immer mehr Jugendliche zum Glühwein greifen, sehen Verbraucherschützer keine größere Suchtproblematik. Die Zielgruppe seien nicht wie bei den Alcopops primär Jugendliche, sagt Waltraud Fesser von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz in Mainz.

Bedenklich sei aber der viele Zucker. "Je schlechter der Wein, desto mehr Zucker brauchen sie. Durch den vielen Zucker wird der Alkohol schneller aufgenommen und steigt zu Kopf." Die Ernährungsexpertin rät deshalb zu einer guten Grundlage und einem Glas Wasser zwischendurch.

Christoph Scheld/DPA / DPA
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