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Eröffnung der Synagoge in Mainz Bundespräsident Wulff warnt vor Rassismus

Im Beisein von Bundespräsident Christian Wulff ist am Freitag in Mainz eine neue Synagoge feierlich eingeweiht worden. Sie wurde an der Stelle errichtet, an die frühere Hauptsynagoge stand, die in der Reichspogromnacht im November 1938 niedergebrannt worden war.

Bundespräsident Christian Wulff hat zu Toleranz und einem gesellschaftliche Dialog der Religionen in Deutschland aufgerufen. Bei Eröffnung der wiederaufgebauten jüdischen Synagoge in Mainz wandte sich das Staatsoberhaupt am Freitag zugleich entschieden gegen Antisemitismus, Rassismus und Fremdenhass. Ohne auf die vom Bundesbank-Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin ausgelöste Debatte Bezug zu nehmen, sagte Wulff in seiner Rede, Synagogen, Kirchen und Moscheen seien als Orte friedlich gelebten Glaubens auch ein Sinnbild dafür, "dass wir alle die Vielfalt Deutschlands annehmen".

Juden, Christen, Muslime, Anders- und Nichtgläubige seien gleichermaßen nachhaltig aufgefordert, "als Partner unser modernes Gemeinwesen mit und so zu gestalten, dass wir eine gute friedliche, gemeinsame Zukunft haben". Zugleich forderte der Bundespräsident den Einsatz aller Bürger für zwischenmenschlichen Respekt, Zivilcourage und richtig verstandene Toleranz ein.

Die Mainzer Synagoge wurde als moderner Bau genau an der Stelle wiedererrichtet, wo die alte in der Reichspogromacht 1938 von den Nazis niedergebrannt worden war. Das rund zehn Millionen Euro teure Bauwerk des Kölner Architekten Manuel Herz wurde in nur zwei Jahren errichtet. Der moderne Bau bildet mit seiner Silhouette die fünf Buchstaben des hebräischen Wortes "Qadushah" ("Segnen" oder "Erhöhen") nach. "Das ist ein kühner Bau, eine Synagoge die auffällt, vor allem aber ein selbstbewusstes Signal für die Heimkehr des Judentums nach Deutschland", sagte die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, bei der Einweihungsfeier.

Auch sie mahnte zu Wachsamkeit und Zivilcourage und dazu, Missstände offen anzusprechen. Angesichts eines "wiedererstarkendem Antisemitismus" seien jüdische Gemeinden oft nicht sehr im Stadtbild präsent. "Heimat bedeutet, dass ich mich nicht verstecken muss, dass ich nicht nur gebilligt, toleriert werde, sondern selbstverständlich als Mensch anerkannt werde", sagte Knobloch und fügte hinzu: "Diese Bundesrepublik ist für uns Juden wieder eine Heimat geworden, wir sind fester Bestandteil der deutschen Gesellschaft.

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) sprach von einem "Zeichen der Versöhnung". Das neue Haus Gottes sei ein Hoffnungszeichen und ermutige dazu, Intoleranz und Hass noch entschlossener entgegenzutreten.

Wulff hob hervor, mit der Einweihung der Synagoge setze sich das Wiederaufblühen des jüdischen Lebens in Deutschland fort und würden seine Wurzeln stärker. "Jede neue Synagoge, jedes erweiterte Gemeindezentrum, aber auch angegliederte Schulen und Kindergärten, zeigen diese neue Kraft. Sie ist ein Glück für unser Land", sagte das Staatsoberhaupt. Die heutige Dynamik verdankten die jüdischen Gemeinden auch ihrer Offenheit gegenüber Zuwanderern. In den vergangenen Jahrzehnten seien Zehntausende von Menschen jüdischen Glaubens aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland gekommen. "Die neu angekommenen Mitbürger sind eine Bereicherung für ihre Gemeinden und für die deutsche Gesellschaft. Sie verdienen unsere Offenheit", fuhr Wulff fort.

Wo unterschiedliche Sprachen und Kulturen aufeinanderträfen, seien Konflikte nicht immer zu vermeiden, räumte der Bundespräsident ein. Damit Vertrauen wachse und ein Fundament für gemeinsames Gestalten entstehen könne, "müssen wir uns füreinander interessieren, miteinander sprechen und lernen, auch Kontroversen auszutragen", fuhr Wulff fort. Das gelte für die Gemeindearbeit genauso wie für den partnerschaftlichen Dialog zwischen Juden, Christen, Muslimen, Anders- und Nichtgläubigen.

APN/AFP

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