Frauen-Falle "Mir wird's zu bunt!"


Egal, was eine Frau macht, sie macht es falsch. Hausfrauen sind "Muttchen", Karrierefrauen "Rabenmütter", und Kinderlose können nur Landesverräterinnen sein. Im neuen stern erzählen Frauen, wie sie in dieser Gesellschaft ihr Leben leben - und was sich ändern muss.

Hat es die Frauenbewegung nie gegeben? Weilt Alice Schwarzer noch unter uns? Was ist mit den schönen Sätzen über die Gleichberechtigung, die wir in tausend Sonntagsreden gehört haben?

Klar ist, dass Deutschland ein massives demographisches Problem hat: Der Nachwuchs bleibt aus, die Bevölkerung vergreist, die Sozialsysteme sind kaum noch zu finanzieren, weil auf immer weniger Einzahler immer mehr Empfänger kommen.

In dieser Situation üben konservative Publizisten die Rolle rückwärts. Frank Schirrmacher, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, schreibt in seinem neuen Bestseller "Minimum": "Der Grad der Ausbildung einer Frau ist mittlerweile eine feste Größe für Kinderlosigkeit und die Verschiebung stabiler Partnerschaften."

Etwas volkstümlicher hat es "Tagesschau"-Sprecherin Eva Herman formuliert. Ihrer Meinung nach sollte sich die Frau um Heim, Herd und Kinder kümmern - und dem lieben Gatten bitteschön den Rücken stärken. Das 19. Jahrundert lässt grüßen.

An der gesellschaftlichen Realität gehen Hermans Visionen ohnehin vorbei. Immer mehr Kinder leben in Patchwork-Familien oder werden von Alleinerziehenden aufgezogen. Es gibt nicht genügend Kita-Plätze, einen Betreuungsplatz für Kinder unter drei Jahre zu finden, ist noch viel schwieriger. Frauen, die Kinder haben oder noch bekommen wollen, begeben sich in schwieriges gesellschaftliches Fahrwasser.

Gleichwohl sind die Ansprüche an Frauen - auch dank Schirrmacher, Herman und Co. - deutlich gestiegen. Frauen sollen perfekte Mütter sein, tolle Liebhaberinnen, zum Haushaltseinkommen beitragen, besser aber auch Karriere machen, also mindestens drei Leben gleichzeitig leben.

Im aktuellen stern sagen Frauen "Uns reicht's" - und berichten über ihr Leben, ihre Schwierigkeiten mit den gesellschaftlichen Ansprüchen - und sagen, was sich ändern müsste. Außerdem äußert sich Marietta Slomka, Moderatorin des "Heute-Journals", in einem Essay mit dem Titel "Mann jagt, Frau fegt" über "glückliche Höhlenbewohner, einsame Karrierefrauen - und lebenskluge Väter".

stern.de zeigt vorab weitere Beispiele von Frauen, die sagen: "Wir können es keinem recht machen."


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