Der Bayerische Fußball-Verband lehnt in der kontroversen Debatte um eine Regionalliga-Reform eine überstürzte Kompromisslösung ab. Das bekräftigte Präsident Christoph Kern auf dem Verbandstag des BFV in Bad Gögging. "Es geht uns um die bestmögliche Lösung - und nicht um eine Schnell-schnell-Lösung", sagte der 43 Jahre alte Kern.
Bislang gibt es fünf Regionalligen in Deutschland, aber nur vier Aufsteiger in die 3. Liga. In der Zukunft sollen aber alle Meister aufsteigen. "Jeder Einzelne sieht den Reformbedarf bei der Regionalliga. Ja, Meister müssen aufsteigen", sagte DFB-Präsident Bernd Neuendorf in seiner Gastrede.
Neuendorf: Keine Denksport-Aufgabe
Der 64-Jährige rief in Bad Gögging alle Beteiligten dazu auf, "lösungsorientiert" zusammenzuarbeiten. "Die Regionalliga-Debatte ist keine reine Denksport-Aufgabe", sagte der Chef des Fußball-Dachverbandes.
Kern zollte Neuendorf "Respekt", dass er sich als DFB-Chef aktiv einbringe und "dieses verminte Gebiet" betreten habe. Der BFV-Präsident betonte, dass sich Bayern "nicht schnell, schnell von außen zu einer Entscheidung drängen" lassen werde, "die wir später bereuen werden". Der BFV ist mit 1,8 Millionen Mitgliedern und 4.500 Vereinen der größte Landesverband im DFB. Auch unter den BFV-Clubs gebe es "unterschiedliche Perspektiven", sagte Kern.
Kompass- oder Regionen-Modell?
Eine Arbeitsgruppe Regionalliga-Reform hatte sich Ende März einstimmig für eine viergleisige vierte Liga ausgesprochen. Es gibt ein Kompass- und ein Regionen-Modell. Bei der Kompass-Lösung würden die vier Staffeln in jeder Saison aus allen Regionalligisten anhand der Entfernungen gebildet.
Beim Regionen-Modell würden aus den Regionalligen Nord, Nordost und Bayern zwei Staffeln gebildet. Die Regionalligen West und Südwest würden dagegen wie bisher fortbestehen.
Die bayerischen Vertreter hatten jüngst ein weiteres Modell in die Diskussion eingebracht. In weiterhin fünf Ligen würde nach einer Vorrunde eine Teilung erfolgen. Die oberen Clubs spielen in vier Ligen je einen Meister/Aufsteiger aus. Die Teams aus der unteren Tabellenhälfte verbleiben in ihren regionalen Strukturen und bestreiten in ihren fünf Ligen jeweilige Abstiegsrunden.