Fußball-Nationalmannschaft Vor Neuer-Duell mit Baumann: Neue Debatte um DFB-Tor

Manuel Neuer (m) verabschiedete sich schon aus dem DFB-Team. Gibt es eine überraschende Rückkehr? (Archivbild) Foto: Sven Hoppe/
Manuel Neuer (m) verabschiedete sich schon aus dem DFB-Team. Gibt es eine überraschende Rückkehr? (Archivbild) Foto
© Sven Hoppe/dpa
Die erneute Verletzung von Marc-André ter Stegen befeuert die Debatte um das deutsche WM-Tor. Ausgerechnet jetzt treffen Manuel Neuer und Oliver Baumann aufeinander - in einem Rekordspiel.

Jetzt werden die Rufe nach einer Rückkehr von Manuel Neuer ins Tor der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bestimmt wieder lauter. Nach dem Rückschlag für Marc-André ter Stegen muss Bundestrainer Julian Nagelsmann seine WM-Überlegungen anpassen. Zwar ist die gesundheitliche Situation von ter Stegen weiterhin unklar, aber an seiner Nummer-1-Zusage kann Nagelsmann nicht mehr wie ursprünglich geplant festhalten. 

Direktes Duell mit viel Brisanz

Dass das direkte Duell von Neuer mit dem in ter Stegens Abwesenheit ins Nationalmannschaftstor beförderten Oliver Baumann in der Fußball-Bundesliga ausgerechnet jetzt ansteht, dürfte die Torhüter-Debatte weiter in den Fokus rücken. Am Sonntag (17.30 Uhr/DAZN) erwarten Neuers Bayern die TSG 1899 Hoffenheim, die ihre beachtliche Saison und den dritten Tabellenrang auch zu großen Teilen dem sicheren Baumann zu verdanken hat. 

Neuer vs. Baumann - beide treffen zum 27. Mal in der Bundesliga aufeinander. Das ist eingestellter Rekord im Torhüterduell, nur BVB-Größe Eike Immel und HSV-Legende Uli Stein trafen sich ebenso oft als Gegner.

Doch will Neuer überhaupt zurück? Der bald 40-Jährige hatte das bislang immer wieder ausgeschlossen. Für ein Comeback im DFB-Trikot müsste der Bundestrainer ihn erstmal anrufen. Aber eine fünfte Weltmeisterschaft dürfte den deutschen WM-Rekordtorhüter - trotz der bisherigen Zurückhaltung - zumindest reizen.

Appell von Ex-Nationaltorhüter Adler

"Manuel Neuer ist von sich aus zurückgetreten, das ist de facto eine Diskussion, die es nicht zu führen gilt", sagte der frühere Nationaltorhüter René Adler im ZDF. "Man sollte Oliver Baumann den Respekt entgegenbringen, das hat er sich aufgrund seiner Leistung verdient." Man sollte sich nun damit "anfreunden", dass der Hoffenheimer beim Turnier in den USA, Kanada und Mexiko im Tor stehen wird.

In anderthalb Monaten nominiert Nagelsmann den Kader für die letzten Länderspiele vor der Benennung des vorläufigen WM-Aufgebots im Mai. Am 27. März tritt die Nationalmannschaft in der Schweiz an, drei Tage später empfängt man in Stuttgart Ghana. Bis zuletzt war Nagelsmann davon ausgegangen, ter Stegen nach fast zwei Jahren Abstinenz wieder im DFB-Kreis begrüßen zu können. Nach einer Knieverletzung im September 2024 stand ter Stegen nur beim Final Four im Juni 2025 zweimal im DFB-Tor.

Nagelsmann drückt Bedauern aus

"Jetzt müssen wir weiter auf ihn verzichten - aber für Marc persönlich ist dieser Rückschlag natürlich noch viel härter", sagte Nagelsmann nun. Wie lange ter Stegen mit der nun erlittenen Oberschenkelverletzung pausieren muss, darüber kann weiterhin nur spekuliert werden. Doch die Nagelsmann-Sätze lassen vermuten, dass der vom FC Barcelona an den FC Girona ausgeliehene ter Stegen länger zuschauen wird.

"Es ist brutal bitter", sagte Adler. "Ich glaube, dass es nichts werden wird mit der Weltmeisterschaft." Zumal dem 33-jährigen ter Stegen selbst bei einer rechtzeitigen Genesung die Wettkampfhärte im kräftezehrenden Turnier-Rhythmus fehlen dürfte. "Er hätte es total verdient nach dieser Leidenszeit", sagte Adler mit Blick auf die Zwangspausen von ter Stegen wegen Knie- und Rückenverletzung. "Aber man muss auch die Fakten betrachten, wie lange er ausgefallen ist."

Geringe Erfahrung im DFB-Aufgebot

Adler kann das drohende WM-Aus für ter Stegen nur zu gut nachempfinden. Er selbst war einst als Stammtorhüter für die WM 2010 in Südafrika auserkoren, musste aber verletzt absagen. Stammtorhüter während der WM wurde Neuer - und blieb es auch bis zu seinem Rücktritt nach 124 Länderspielen im Anschluss an die Heim-EM vor zwei Jahren.

Die große Erfahrung Neuers ist ein Argument für eine spektakuläre Rückholaktion. Baumann (10 Länderspiele), der Stuttgarter Alexander Nübel (2 Länderspiele), der Augsburger Finn Dahmen (0) und Freiburgs Noah Atubolu (0) weisen zusammen nur ein Dutzend Einsätze in der DFB-Auswahl auf. Auch der beim FC Bayern in der Champions League zuletzt starke Neuer-Vertreter Jonas Urbig wies seine DFB-Tauglichkeit bislang nur in Nachwuchsteams nach.

Wer kommt mit den Turnierbelastungen zurecht?

Kein Argument, das für Neuer spricht, ist dagegen die hohe Turnierbelastung. In der Spätphase seiner Karriere häuften sich die Blessuren beim Bayern-Schlussmann, auch deshalb wurde er wiederholt von Urbig vertreten. Bei Baumann hatten längere Ausfallzeiten in den vergangenen Jahren Seltenheitswert. Viel jünger als Neuer ist er mit 35 Jahren aber auch nicht.

Nach den Länderspielen im März stehen nur noch die Partien am 31. Mai gegen Finnland und am 6. Juni bei WM-Mitgastgeber USA an. Bis dahin wird sich Nagelsmann festgelegt haben, wer sein Turnier-Torwart ist.

dpa