Agrarmesse Tulpen-Taufe und Elchfleisch-Brot: Der Grüne-Woche-Rundgang

Pause muss sein: Minister Rainer und Berlins Regierender Bürgermeister am Stand von Lettland. Foto: Sebastian Christoph Gollnow/
Pause muss sein: Minister Rainer und Berlins Regierender Bürgermeister am Stand von Lettland. Foto
© Sebastian Christoph Gollnow/dpa
Der Eröffnungsrundgang auf der Grünen Woche erfordert sportliche Ausdauer bei unklarer Verpflegungslage. Was gab es diesmal und wie schlug sich Rundgangs-Neuling Alois Rainer?

Der Eröffnungsrundgang auf der Grünen Woche in Berlin ist Marathon und Sprint zugleich. Dreieinhalb Stunden soll er zum Start der diesjährigen Agrarmesse dauern. Doch pro Station haben die Teilnehmer nur wenige Minuten Zeit. Hände schütteln, Schlückchen trinken, Häppchen essen, weiter laufen. 

Los ging es um 8.00 Uhr in der Halle Mecklenburg-Vorpommerns, dem diesjährigen Partnerland der Messe. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) stellt das Starterfeld vor. Da wäre der Neuling, Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU), für den es die erste Grüne Woche in diesem Amt ist. 

Noch ein Fischhappen, dann geht es los

Er tritt an mit zwei gestandenen Rundgangs-Veteranen: Bauernpräsident Joachim Rukwied und dem Vorsitzenden der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), Christian von Boetticher. Außerdem dabei sind Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU), EU-Agrarkommissar Christophe Hansen und Messechef Mario Tobias.

Zum Start noch schnell einen Fischhappen von der Seeperle aus Wismar, dann geht es los. Erste Station: Der Stand von Rainers eigenem Ministerium. Häppchen? Fehlanzeige! Während der Minister und der Regierende Bürgermeister ein Statement für die Presse abgeben, genehmigen sich der EU-Kommissar und der Bauernpräsident einen Kaffee. Profis eben. Es ist früh, und der Weg noch lang.

Beim Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft gibt es dann Bio-Wurst, aber nur drapiert zum Angucken. Auch in der Bayernhalle bekommen die Rundgangs-Athleten keine Verpflegung. Dafür lauschen sie vier Alphornbläsern. Berlins Verbraucherschutzsenatorin Felor Badenberg wiederum überreicht statt einer Stärkung ein Kochbuch. Auch das noch!

Tulpen-Taufe am Stand der Niederlande

Inzwischen sind die Teilnehmer schon fast eine Stunde unterwegs. Auf einmal riecht es nach Tulpen, eine Windmühle ist zu sehen, alles leuchtet orange. Na klar, Holland. Freudig begrüßt Minister Rainer seine niederländische Amtskollegin. Stehen da etwa zwei Gläser Schaumwein? Tatsache. Aber nicht zum Trinken. Stattdessen soll Rainer damit eine neue Tulpensorte taufen: die "Berlin Jubilee", die die Nachbarn extra für die Grüne Woche gezüchtet haben.

Der Minister, der offenbar noch nicht bei vielen Tulpen-Taufen zugegen war, riecht zunächst mit Kennermiene am Glas. Fast sieht es so aus, als würde er gleich selbst... Doch da zeigt ihm die Ministerin, wie es geht: Bitte alles auf die Blumen gießen. Beim Verlassen des Standes gibt es immerhin wieder Häppchen für alle. Käse natürlich.

Bauernpräsident mit Rundgangs-Performance zufrieden

Die Rundgangs-Läufer und der Tross ziehen weiter von Stand zu Stand, und die Verpflegungssituation bessert sich erheblich. Die Ukraine serviert Sekt, der vor allem dem BVE-Vorsitzenden von Boetticher mundet. "Wir sind angehalten, alles zu probieren", erklärt er etwas später am Rande. Bei den Bulgaren gibt es Tanz und eine Art Börek, bei den Tschechen Bier und bei den Polen Wurst, die aber aus Rainers Sicht nicht ganz heranreicht an die heimische Weißwurst. Estland präsentiert Schnittchen mit Elchfleisch und Brot. 

Bauernpräsident Rukwied - in der Rundgangs-Disziplin so erfahren wie kaum ein anderer - ist zufrieden mit der Performance des Neulings Rainer: "Er kommuniziert sehr offen und hat wichtige politische Botschaften dabei." Auch die dürfen zwischen Schlückchen und Häppchen schließlich nicht zu kurz kommen. Möglicherweise kann Rainer Kanzler Friedrich Merz (CDU) Tipps geben. Der wird für nächste Woche zum Messe-Rundgang erwartet.

dpa

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