Olympische Spiele
Grünen-Spitze wirbt vor Parteitag für Olympia in Hamburg

Mit einem Leitantrag für die Landesmitgliederversammlung wirbt Hamburgs Grünen-Spitze bei der Parteibasis um ein Ja zu einer Oly
Mit einem Leitantrag für die Landesmitgliederversammlung wirbt Hamburgs Grünen-Spitze bei der Parteibasis um ein Ja zu einer Olympia-Bewerbung der Hansestadt. (Symbolbild) Foto
© Michael Kappeler/dpa
Vor dem Parteitag werben Hamburgs Grünen-Chefs für eine Olympia-Bewerbung – doch nicht alle in der Partei sind überzeugt. Was die Befürworter und Gegner anführen.

Hamburgs Grünen-Spitze will die Parteibasis noch einmal auf ein Ja zu einer Olympia-Bewerbung der Stadt einschwören. Für die Landesmitgliederversammlung am kommenden Samstag hat der Parteivorstand einen entsprechenden Leitantrag mit dem Titel "Für grüne und nachhaltige Olympische und Paralympische Spiele in Hamburg" vorgelegt. Die Grünen hatten sich bereits in ihrem Wahlprogramm für die Bürgerschaftswahl im vergangenen Jahr für das Sportgroßereignis 2036, 2040 oder 2044 starkgemacht.

Gegenantrag "Wir sagen Nein zu Olympia!"

Es gibt aber auch mindestens einen Gegenantrag - etwa jenen der Grünen Jugend unter dem Titel "Wir sagen Nein zu Olympia!". Parteichefin Selina Storm geht dennoch davon aus, dass sich eine klare Mehrheit der Position des Vorstands anschließen wird: "In der Vergangenheit haben wir das Thema Olympia durchaus auch kontrovers diskutiert in der Partei, aber letztlich haben wir uns immer pro Olympia entschieden." Und sie sei zuversichtlich, "dass das diesmal wieder so sein wird".Olympia bringe große Vorteile etwa beim öffentlichen Nahverkehr, bei der Barrierefreiheit oder bei der Sanierung der Sportstätten. Das IOC könne mit seinen ambitionierten Klimavorgaben Hamburg dabei helfen, selbst bis 2040 klimaneutral zu werden, sagte Storm. Sie betonte, die Grünen nähmen Befürchtungen von Mietsteigerungen im Zuge der Olympischen Spiele sehr ernst. Es gebe Überlegungen zu temporären Mietpreisschutzregelungen oder zu strengeren Regeln bei Airbnb-Kurzzeitvermietungen.

Nach wie vor Kritikpunkte am IOC

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) habe sich im Gegensatz zu vielen anderen internationalen Sportverbänden wirklich auf den Weg gemacht und sei von Plänen abgerückt, "dass man immer alles Mögliche neu bauen muss", sagte Storm. Da sei sicherlich noch nicht alles perfekt, "aber die Richtung stimmt". Co-Parteichef Leon Alam nannte mögliche Verhandlungen mit dem IOC gleichwohl "keinen Selbstläufer und wir würden jetzt das IOC auch nicht heiligsprechen". Entsprechend gebe es im Leitantrag auch Kritikpunkte am IOC.

Wie Bürgermeister Peter Tschentscher und der für den Sport zuständige Innensenator Andy Grote (beide SPD) äußerte sich auch Storm nicht zu den anfallenden Sicherheitskosten. Bei den jüngsten Spielen in Paris beliefen diese sich nach Angaben des Rechnungshofs auf rund 1,44 Milliarden Euro. Storm geht aber davon aus, dass Künstliche Intelligenz und Digitalisierung die Kosten drücken können. Sie glaube, "dass es da große Effekte geben wird".

Alam: Das Positive soll nach Hamburg, nicht nach München kommen

Dass der prognostizierte Gewinn in Höhe von rund 100 Millionen Euro für die Stadt nur dadurch zustande kommt, dass der Bund Steuergelder in Höhe von 200 Millionen Euro bereitstellen will, ist für Alam kein Problem. Er verbucht das unter Standortpolitik. Denn Deutschland wolle sich ja in jedem Fall um Olympische Spiele bewerben. "Und wir wollen, dass all das Positive, was aus unserer Sicht mit Olympia drin ist, dann eben nach Hamburg kommt und nicht zum Beispiel nach München."

Hamburgs Bürgerinnen und Bürger können am 31. Mai bei einem Referendum darüber entscheiden, ob sich die Hansestadt um Olympische Spiele bewerben soll oder nicht. Anders als in den Mitbewerberstädten und -regionen zeigte sich zuletzt eine Mehrheit laut einer repräsentativen Umfrage skeptisch. Bereits 2015 hatte eine Mehrheit Olympischen Spielen in Hamburg eine Absage erteilt.

dpa