Wölfe in Schleswig-Holstein
So viele Schafe wurden 2026 bisher von Wölfen gerissen

Im vergangenen Jahr wurden in Schleswig-Holstein Dutzende Schafe von Wölfen gerissen (Archivbild). Foto: Christian Charisius/dpa
Im vergangenen Jahr wurden in Schleswig-Holstein Dutzende Schafe von Wölfen gerissen (Archivbild). Foto
© Christian Charisius/dpa
Der Bundestag diskutiert heute über die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht. Auch in Schleswig-Holstein werden immer wieder Schafe gerissen.

Im laufenden Jahr sind in Schleswig-Holstein bisher sieben Schafe von Wölfen getötet und mehrere verletzt worden. In allen Fällen hat es nach Angaben des Landesamts für Umwelt (LfU) entweder defekte oder gar keine wolfsabweisenden Zäune gegeben. Seit Oktober 2020 habe es keine Weidetierrisse hinter wolfabweisenden Zäunen in Schleswig-Holstein gegeben, sagte eine LfU-Sprecherin.

In der Nacht auf Samstag wurden zudem auf einer Koppel zwischen Brügge und Bissee (Kreis Rendsburg-Eckernförde) 21 tote Schafe gefunden wurden. Ob tatsächlich ein Wolf für die Risse verantwortlich ist, kann erst nach Abschluss der Untersuchungen gesagt werden. Das dauert in der Regel drei bis vier Wochen. Ein residenter Wolf ist in der Region bisher nicht nachgewiesen. 

Die Tiere waren nach Angaben des LfU nicht hinter einem wolfssicheren Zaun untergebracht, sondern durch eine Litze in etwa 30 bis 40 Zentimeter Höhe eingezäunt. Der Fall sei dem Schleswig-Holsteinischen Wolfsmanagement gemeldet worden und zwei Rissgutachter des Landes waren vor Ort, um den Vorfall zu dokumentieren, sagte die LfU-Sprecherin. Zuvor hatten Medien berichtet. 

Mehrere Dutzend Risse im vergangenen Jahr

In Schleswig-Holstein gibt es den LfU-Angaben zufolge zurzeit zwei Wolfsterritorien. Das im Segeberg Forst mit einem Wolfsrudel und das Territorium Langenlehstener Heide mit einem Wolfspaar.

Im vergangenen Jahr wurden 64 Schafe von Wölfen getötet, wie aus einer Landesstatistik hervorgeht. Hinzu kamen diverse verletzte Tiere. Zum Vergleich: In Niedersachsen wurden im vergangenen Jahr bei bestätigten Wolfsangriffen gut 600 Schafe getötet.

Zudem sorgte im vergangenen Jahr ein Goldschakal auf Sylt für Aufregung, der laut Landesinformationen nachweisbar im Mai zwölf Schafe getötet und mehrere verletzt hat. Drei davon waren so schwer verletzt, dass sie eingeschläfert werden mussten.

Wolf ins Jagdrecht? - Bundestag entscheidet heute

Der Wolf ist heute auch Thema im Bundestag. Er soll als jagdbare Tierart in das Bundesjagdgesetz aufgenommen werden. Über den Gesetzentwurf entscheidet der Bundestag am Mittag in zweiter und dritter Lesung. Angesetzt ist eine halbe Stunde für die Debatte. 

Dem Gesetzentwurf nach sei die Rückkehr des Wolfs in Deutschland und Europa ein Erfolg der Artenschutzpolitik. Mit zunehmender Ausbreitung des Wolfs steige allerdings auch das Konfliktpotenzial etwa mit der Weidetierhaltung. Die Wolfsübergriffe führten "zu erheblichen und potenziell existenzbedrohenden Belastungen für die Weidetierhalter". 

Unter anderem der Nabu macht gegen die geplante Aufnahme mobil - eine von der Organisation initiierte Online-Petition unterschrieben knapp 89.000 Bürgerinnen und Bürger aus ganz Deutschland. Statt einer Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht fordern sie, wirksamen Herdenschutz konsequent auszubauen und vollständig zu finanzieren. Zudem seien gezielte Entnahmen einzelner auffälliger Tiere bereits nach bestehendem Naturschutzrecht möglich.

Nach früheren Angaben des Verbands der Schaf- und Ziegenzüchter in Schleswig-Holstein gibt es Grenzen für den Einsatz von Herdenschutzzäunen. Viele Betriebe können diese demnach aus arbeitswirtschaftlichen oder aufgrund örtlicher Landschaftsstrukturen nicht wie gefordert einsetzen.

dpa