Fahrradwege
Rekordmittel für Radwege – doch der Ausbau bleibt zäh in NRW

Der Anteil des Radverkehrs in NRW soll steigen. Foto: Oliver Berg/dpa
Der Anteil des Radverkehrs in NRW soll steigen. Foto
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CDU und Grüne planen 1.000 Kilometer neue Radwege in NRW, doch da fehlt noch ein ganzes Stück. Dabei wird der Radwege-Ausbau mit Rekordinvestitionen unterstützt.

Ein Jahr vor der Landtagswahl ist die schwarz-grüne Landesregierung noch ein gutes Stück von ihrem Ziel entfernt, 1.000 Kilometer neue Radwege in Nordrhein-Westfalen zu bauen. Bis Ende Dezember 2025 seien 661 Kilometer fertiggestellt worden, teilte das NRW-Verkehrsministerium mit. Damit fehlt noch ein Drittel der bis 2027 angepeilten Zielmarke. 

Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) zeigte sich trotzdem optimistisch, dass das Ziel noch zu schaffen ist. "Wir bauen im Moment gut 200 Kilometer pro Jahr und wir sind jetzt bei 661", sagte Krischer in Düsseldorf. Bis zum Ende der Wahlperiode 2027 gehe er davon aus, "dass wir die Zahl auf jeden Fall erreichen, vielleicht sogar überschreiten." 

CDU und Grüne hatten sich bei Regierungsantritt 2022 in ihrem Koalitionsvertrag als Ziel gesetzt, 1.000 Kilometer neue Radwege bis 2027 zu bauen und so ein möglichst flächendeckendes Netz in NRW herzustellen. 

Viele Radwege befinden sich laut Verkehrsministerium noch in Planung und Bau. Zudem unterstütze das Land den Ausbau landwirtschaftlicher Wege, die damit für den Radverkehr im ländlichen Raum attraktiv würden. Seit 2022 konnten dadurch 180 Kilometer für das landesweite Radverkehrsnetz zusätzlich aktiviert werden.

Rekordinvestitionen in Radwege

Land und Bund stellen nach Angaben Krischers dieses Jahr gemeinsam eine Rekordsumme von mehr als 172 Millionen Euro für den Ausbau moderner und sicherer Radinfrastruktur bereit. Das sei das bislang größte Finanzierungspaket zur Förderung des Radverkehrs in NRW.

Den größten Anteil mit gut 98 Millionen Euro hat daran die Förderung der Nahmobilität in den Kommunen. Mit dem Geld werden vor allem der Neu- und Ausbau von Radwegen, neue Fahrradabstellanlagen und eine bessere Verkehrssicherheit an Knotenpunkten unterstützt. 

Fahrrad ist unabhängig von Krisen

Krischer verwies angesichts der Konflikte im Nahen Osten und der steigenden Spritpreise auf die Krisenfestigkeit des Fahrrads. Zwar könnten Menschen mit sehr langen Pendelstrecken kein Fahrrad nutzen. "Aber wo die Strecken kürzer sind, da ist man von Krisen und Benzinpreisen unabhängig. Das Rad kann man nutzen - auch bei dem wüstesten Gepoltere und kriegerischen Auseinandersetzungen von Herrn Trump und den Mullahs."

Das Haupthindernis für die Nutzung des Rads sei heute aber immer noch eine fehlende Infrastruktur. Menschen fühlten sich oft auf dem Fahrrad auf Straßen unsicher. Deshalb müsse die Infrastruktur geschaffen, die Radfahren sicher, schnell und komfortabel mache.

Kein Tempo bei Radschnellwegen

Nur schleppend geht der Ausbau der sechs seit Jahren geplanten Radschnellwege (RS) in NRW voran. So sind beim RS1, der über 100 Kilometer durch das Ruhrgebiet führen soll, nach Angaben des Ministeriums erst zehn Kilometer in Teilstücken in Mülheim an der Ruhr, Gelsenkirchen, Bochum und Dortmund befahrbar. Hinzu kommt die rund 10 Kilometer lange Modellstrecke zwischen dem Hauptbahnhof in Mülheim und der Universität Duisburg-Essen in Essen. 

Beim RS2 im westlichen Münsterland sind nach Angaben des Ministeriums aktuell in der Bocholter Innenstadt nur Teilabschnitte von wenigen hundert Metern freigegeben. Beim RS3, der sich über rund 50 Kilometer von der Bielefelder Stadtgrenze bis nach Minden erstrecken soll, sind fast alle Teilstücke noch in der Vorplanung. Beim RS5 in Neuss sollen in Kürze rund 1,1 Kilometer für den Verkehr freigegeben werden. 

Krischer erklärte den schleppenden Bau mit den sehr komplexen Genehmigungsverfahren. "Wir haben teilweise große Schwierigkeiten, an die Grundstücke ranzukommen." Der Neubau eines Radschnellweges sei heute durchaus vergleichbar mit dem einer Bundes- oder Landesstraße. "Die Vorstellung, die es vor zehn Jahren gegeben hat, dass man quer durchs Land Hunderte Kilometer Radschnellwege in wenigen Jahren baut, hat sich meines Erachtens als Illusion erwiesen", sagte Krischer. Es werde noch eine Zeit dauern, bis das Netz Gestalt annehme. "Ich werbe da einfach für eine realistische Erwartung."

Anteil des Radverkehrs soll mit Hilfe von E-Bikes weiter steigen

Ende 2021 hatte noch die damalige CDU-FDP-Landesregierung ein Fahrradgesetz beschlossen. Der Anteil des Radverkehrs am Verkehrsaufkommen in NRW sollte von damals 9 auf künftig 25 Prozent gesteigert werden. Dieses Ziel übernahmen 2022 auch CDU und Grüne in ihrem Koalitionsvertrag. 

Im Moment sei knapp die Hälfte der 25 Prozent erreicht, sagte Krischer. Er schließe aber angesichts der dynamischen Entwicklung des Radverkehrs in NRW nicht aus, "dass wir das irgendwann hinbekommen". Dabei spiele auch die Elektromobilität eine wichtige Rolle. Mit Pedelecs werde eine neue Nutzergruppe erschlossen, und ganz andere Entfernungen würden mit dem Rad möglich. Matthias Pesch vom allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) sagte: "Gerade beim Pedelec bin ich auf Entfernungen bis 7 Kilometer im Durchschnitt genauso schnell wie mit dem Auto."

Immer mehr Radverkehr in Düsseldorf

Am Beispiel der Landeshauptstadt Düsseldorf zeigt sich der wachsende Anteil des Radverkehrs - auch durch den Ausbau von Radleitrouten quer durch die Stadt. An den Dauerzählstellen in Düsseldorf wurden 2025 rund 6,6 Millionen Radfahrerinnen und -fahrer erfasst - ein Plus von sechs Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. 

Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) wies aber auch auf einen jahrelangen "ideologiebesetzten Kampf" um den Ausbau des Radwegs etwa an der Oberkasseler Luegallee hin. "Seit 1999 war das ein ständiger Zankapfel in der Verkehrspolitik der Landeshauptstadt", so Keller. "Wir haben dann auch mit der schwarz-grünen Mehrheit im Rat in der letzten Wahlperiode den Knoten einfach mal durchgeschlagen und gesagt: Wir machen das jetzt."

dpa