Landgericht Bielefeld
Messerangriff in Minden – Angeklagte schweigen vor Gericht

Vor dem Landgericht Bielefeld hat ein Prozess um einen geplanten Totschlag begonnen. Foto: Friso Gentsch/dpa
Vor dem Landgericht Bielefeld hat ein Prozess um einen geplanten Totschlag begonnen. Foto
© Friso Gentsch/dpa
Drei Männer schweigen zum Vorwurf eines geplanten Totschlags in Minden. Die Staatsanwaltschaft geht von Rache aus, die Prozessbesucher sehen ein langes Vernehmungsvideo zum Tathergang.

Im Prozess um den Vorwurf eines geplanten gemeinschaftlichen Totschlags in Minden haben sich die drei Angeklagten am ersten Prozesstag nicht zur Sache geäußert. Der Anwalt des Mannes, der mit einem Messer zugestochen haben soll, kündigte für den zweiten Prozesstag eine schriftliche Erklärung an. 

Bei dem Prozess am Landgericht Bielefeld geht es um einen Messerangriff im Oktober 2025 in Minden. Laut Anklage sollen die Männer nach einem verabredeten Tatplan einen damals 23-Jährigen angegriffen und seinen Tod in Kauf genommen haben. Dabei wurde das Opfer lebensgefährlich verletzt und nur durch eine Notoperation gerettet. Beim Motiv geht die Anklage von Rache aus. In den Stunden zuvor soll der Bruder einer der Angeklagten schwer durch den 23-Jährigen verletzt worden sein. 

Hintergründe offen

Die Hintergründe sind bislang noch offen. Während die Ermittler davon überzeugt sind, dass einer der Angeklagten wie abgesprochen zugestochen hat, soll einer als Fahrer geholfen und der Dritte mit auf das Opfer zugelaufen sein. 

Die Angeklagten sind zwischen 29 und 34 Jahren alt. Zwei haben die deutsche Staatsbürgerschaft, einer ist Syrer. Alle drei haben sich am ersten Prozesstag bei den Angaben zur Person als Kurden jesidischen Glaubens bezeichnet. Ob die Flüchtlingsgeschichten der Familien bei der Tat eine Rolle gespielt haben, blieb offen. Die Familien leben schon seit Jahrzehnten in Deutschland. 

Einer der Angeklagten hatte sich in einer Vernehmung bei der Polizei ausführlich zum Tatvorwurf geäußert. Das über 90 Minuten lange Video wurde im Saal gezeigt. Darin bestreitet der Deutsche, dass die Tat geplant gewesen sei. Er schilderte die Zeit vor dem ersten Angriff, die Fahrt ins Krankenhaus und das nach seiner Ansicht eher zufällige Aufeinandertreffen am zweiten Tatort. Von dem Angriff mit dem Messer sei er überrascht worden. Das Opfer habe er zuvor nicht gekannt. Es sei nur bekannt gewesen, dass der 23-Jährige ein Mitarbeiter eines in Minden bekannten Friseurs gewesen sei. 

Auch auf mehrmaliges Nachfragen der Ermittlerin gab der zum Zeitpunkt der Befragung Beschuldigte an, dass die Tat nicht geplant gewesen und er von dem Geschehen überrascht worden sei. Der Prozess wird am 14. April fortgesetzt.

dpa