Ob mit Sauce hollandaise, Schinken oder im Spargel-Risotto: Pünktlich zu Ostern nimmt in weiten Teilen Nordrhein-Westfalens die Spargelernte Fahrt auf. Der vergleichsweise sonnige und warme Frühling hat dafür gesorgt, dass die langen Stangen auf den Feldern gut gewachsen sind.
Wo kann man regionalen Spargel am besten kaufen?
Beim Spargel gibt es noch vergleichsweise viele kleine Höfe, die ihre Ernte selbst vermarkten - etwa im Hofladen oder auf dem Wochenmarkt. Doch die Zahl der kleinen Betriebe geht seit Jahren zurück. Im vergangenen Jahr wurde in Nordrhein-Westfalen noch auf rund 3.460 Hektar Anbaufläche Spargel geerntet. Das sind laut Statistischem Landesamt 7 Prozent weniger als im Jahr zuvor und fast 13 Prozent weniger als noch 2021.
Das führt dazu, dass bundesweit inzwischen rund 20 Prozent des verkauften Spargels importiert werden - vor allem aus Spanien, Mexiko und Griechenland.
Weshalb ist Spargel so viel teurer als anderes Gemüse?
Der Preis für Spargel ist etwa auf Wochenmärkten ein beliebtes Gesprächsthema. Dabei variiert er im Laufe der Saison sehr stark. Große Preissprünge im Vergleich zum Vorjahr erwartet Ralf Große Dankbar, Spargelberater der nordrhein-westfälischen Landwirtschaftskammer, nicht.
Aber vor allem der steigende Mindestlohn macht sich seit Jahren beim Preis für den Spargel bemerkbar. Denn die Ernte ist anstrengend und personalintensiv. Spargel muss Stange für Stange mit der Hand geerntet werden. Um genügend für die Mahlzeit einer vierköpfigen Familie zu ernten, brauche ein geübter Erntehelfer etwa 15 Minuten, rechnet die Branche vor.
Um die Preise trotzdem moderat zu halten, versuchen Spargelbauern an vielen Stellschrauben zu drehen. "Viele statten ihre Erntehelfer mit modernen Maschinen aus, damit man effizient unterwegs ist", sagt der Spargelberater.
Woran erkennt man guten Spargel?
Beim Spargel gibt es drei Qualitätsklassen: Klasse Extra, Klasse I und Klasse II. Häufig kommt Spargel der Klasse I auf den Tisch. Aber wer preisbewusst einkaufen will, könne auch gut zur Klasse II greifen, betont die Vereinigung der Spargelanbauer Westfalen-Lippe. Dann ist der Spargel zwar vielleicht etwas krumm, aber nicht weniger lecker.
Besonders wichtig sei bei Spargel, dass er frisch zubereitet wird. Das sehe man beim Einkauf vor allem an den Schnittstellen. "Diese sollten glatt sein, hell und möglichst saftig aussehen, nicht eingetrocknet oder verschrumpelt", betont der Verband.
So wird der Spargel zum Ausflugsziel:
Viele Spargelbauern versuchen längst, den Kult um das Stangengemüse auch touristisch zu nutzen. Rund 150 Höfe haben sich zur Spargelstraße NRW zusammengeschlossen. Viele veranstalten Spargelfeste und laden die Kunden auf ihre Höfe ein. Teilweise gibt es auch Restaurants oder Gastro-Zelte auf den Höfen. Es gibt auch extra ausgearbeitete Radtouren, auf denen man die verschiedenen Spargel-Regionen im Land entdecken kann.
Wo kann man Spargel auch selbst stechen?
Eigentlich kennt man das nur vom Erdbeerfeld, aber auch Spargel kann man selbst stechen: Das Angebot auf dem Hof Schulze Blasum im Kreis Unna ist allerdings eher eine Seltenheit. "Die Sorge des Spargelbauern ist, dass die Pflanze dabei verletzt wird", sagt Hofeigentümer Johannes Laurenz. Mit guter Schulung und gutem Zureden sei der Umgang mit dem Spargelmesser aber auch für Laien zu lernen. In diesem Jahr gibt es einen Termin, an dem man selbst Spargel stechen kann: am 17. Mai ab 10.30 Uhr. Eigenes Werkzeug braucht man dafür nicht.
Kann man Spargel auch im eigenen Garten anbauen?
Spargel aus dem eigenen Garten ist eher unüblich, aber nicht unmöglich. Dafür braucht es vor allem Sonne und Platz: Denn damit ein Vier-Personen-Haushalt einmal pro Woche Spargel servieren kann, wird laut Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen eine Anbaufläche von etwa 30 Quadratmetern benötigt.
Für ideales Wachstum braucht der Spargel einen lockeren und etwas sandigen Boden. Allgemein gilt der Anbau von grünem Spargel als weniger aufwendig, allerdings bringt weißer Spargel mehr Ertrag. Wer unter die Spargelgärtner gehen will, braucht am Anfang auch Geduld. Denn erst ab dem dritten Jahr kann auf einem Feld auch wirklich Spargel geerntet werden.
Wie lange dauert die Spargelsaison?
Der Beginn der Saison ist stark abhängig vom Frühlingswetter und deshalb von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Offiziell feiert die Branche in NRW ihren Saisonstart in diesem Jahr am 9. April - aber das ist nur ein symbolischer Termin. Jeder Landwirt entscheidet selbst, wann er mit der Ernte beginnt.
Rund um einige Kraftwerke im Rheinischen Revier werden Spargelfelder mit Kühlwasser geheizt - entsprechend früh ist der Spargel dort bereit für die Ernte. Etwa im Münsterland beginnt die Spargelsaison immer etwas später als im Rheinland, weil das Klima dort nicht so mild ist.
Ohnehin ist Spargel hierzulande fast immer Folienspargel: Kunststoffbahnen auf den Erdwällen verwandeln die Felder monatelang in gigantische Plastik-Ebenen. Ohne dieses Hilfsmittel wäre die Saison viel kürzer und der Ertrag geringer.
Das Ende der Saison ist dafür fest vorgegeben: Am 24. Juni, dem Johannistag, wird traditionell der letzte Spargel gestochen.