Arbeitsmarkt
Linke: Frauen auf Sachsens Arbeitsmarkt stark benachteiligt

Frauen sind nach einer Analyse der Linken auf dem sächsischen Arbeitsmarkt noch immer stark benachteiligt (Symbolbild). Foto: Se
Frauen sind nach einer Analyse der Linken auf dem sächsischen Arbeitsmarkt noch immer stark benachteiligt (Symbolbild). Foto
© Sebastian Kahnert/dpa

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Die Partei Die Linke kritisiert, dass Frauen viel zu oft in unsicheren Jobs arbeiten. Das habe Folgen für Einkommen und Rente.

Die Linken mahnen angesichts eines klaren Lohngefälles auf dem sächsischen Arbeitsmarkt bessere Bedingungen für Frauen an. "Von Gleichstellung am Arbeitsmarkt kann in Sachsen keine Rede sein. Frauen arbeiten überdurchschnittlich oft in schlecht bezahlten Berufen, im Einzelhandel, in der Pflege oder in der Floristik", sagte die sächsische Bundestagsabgeordnete Zada Salihović der Deutschen Presse-Agentur. Zugleich seien sie in den gut bezahlten Positionen massiv unterrepräsentiert.

Schlecht bezahlte Jobs plus Teilzeit führen zu Altersarmut 

"Dass sich daran 2026 noch immer kaum etwas geändert hat, ist schlicht peinlich", sagte die Abgeordnete, die bei der Bundesregierung zu diesem Thema eine Anfrage gestellt hatte. 

Das Problem gehe zudem tiefer. "In vielen dieser Berufe ist Teilzeit die Regel. Das drückt Einkommen und führt direkt in Altersarmut. Während in männerdominierten Branchen Vollzeit und gute Löhne Standard sind, landen Frauen viel zu oft in unsicheren Jobs."

Salihović hält das nicht für einen Zufall, sondern eine politische Entscheidung. "Wer Gleichstellung ernst meint, muss soziale Berufe endlich aufwerten, Tarifbindung stärken und Arbeitszeiten schaffen, die zum Leben passen. Alles andere ist leeres Gerede."

Geringe Einkommen 

Die Antworten der Bundesregierung hätten unter anderem ergeben, dass in den fünf am schlechtesten bezahlten Berufen in Sachsen mit großem Abstand mehr Frauen als Männer arbeiten. Im Lebensmitteleinzelhandel, in der Floristik und in der Körperpflege sind demnach jeweils mehr als 85 Prozent aller Beschäftigten Frauen. Der Durchschnittsverdienst liegt hier bei etwas über 2000 Euro brutto im Monat.In den am höchsten entlohnten Berufen seien Frauen dagegen deutlich unterrepräsentiert - mit Ausnahme von Ärztinnen und Lehrerinnen, hieß es. Nur 6,3 Prozent der Flugzeugpiloten sind den Angaben zufolge weiblich, bei Abgeordneten 34,1 Prozent und in Geschäftsführungen und Vorständen 25,1 Prozent. In diesen Berufsgruppen werden teils Bruttolöhne von mehr als 7000 Euro im Monat gezahlt.Laut Statistik sind Frauen außerdem häufig in Berufen mit hoher Teilzeitquote tätig - so 97,4 Prozent in der Floristik, wo nur 38,3 Prozent der Beschäftigten Vollzeit arbeiten. Auch bei Arzt- und Praxishilfen, im Drogerieeinzelhandel, in der Hauswirtschaft und im Bereich Körperpflege mit einem Frauenanteil von jeweils über 90 Prozent werde weitgehend in Teilzeit gearbeitet - mit Auswirkungen für die spätere Rente.

Linke-Chefin: Bundesregierung bei Gleichstellung Totalausfall 

"Die aktuelle Bundesregierung ist beim Thema Gleichstellung ein absoluter Totalausfall", sagte die sächsische Linke-Chefin Anja Eichhorn. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) habe offenbar keine Ahnung von der Realität. Während unzählige Frauen in Teilzeit arbeiten müssen, weil die Vereinbarkeit von Familie und Beruf grottig sei, fasele Merz von "Lifestyle-Teilzeit". "Wer mehr Menschen in Vollzeitbeschäftigung bringen möchte, schafft das nicht durch Drohungen, sondern mit guten Rahmenbedingungen, sicheren Arbeitsplätzen und guten Löhnen mit Tarifbindung."

Nach den Worten von Eichhorn "bekleckert sich auch die sächsische Regierung nicht mit Ruhm". "Sie verpasst es regelmäßig, die Stellschrauben, die sie hat, auch anzuziehen. Gleichzeitig droht sie Gleichstellungsprojekten mit der Kürzungs-Axt. Wenn wir das Grundgesetz und damit die Gleichstellung von Mann und Frau ernst nehmen, braucht es mehr und nicht weniger."

dpa