Bahnverkehr
Strom statt Diesel: Akkuzüge auf weiteren Bahnlinien geplant

Auf der Bahnlinie Leipzig-Chemnitz sind seit Monatsbeginn neue Akkuzüge im Einsatz. Bis Juni sollen damit die bisherigen Dieselz
Auf der Bahnlinie Leipzig-Chemnitz sind seit Monatsbeginn neue Akkuzüge im Einsatz. Bis Juni sollen damit die bisherigen Dieselzüge auf der Strecke komplett abgelöst werden (Archivbild) Foto
© Hendrik Schmidt/dpa
Seit gut einer Woche rollen in Sachsen die ersten Akkuzüge zwischen Chemnitz und Leipzig. Doch dabei soll es nicht bleiben. Wie sind die Erfahrungen und wo wird noch auf diese Technik gesetzt?

Nach der Premiere erster Akkuzüge zwischen Chemnitz und Leipzig wird der Einsatz auch in anderen Regionen Sachsens forciert. Zum Jahresende sollen im S-Bahn-Netz Mitteldeutschland auch Triebwagen mit Stromspeicher fahren und dabei den Leipziger City-Tunnel passieren. Der Einsatz dieser Fahrzeuge sei auf der Strecke Leipzig-Grimma-Döbeln als Linie S1 vorgesehen, teilt der Zweckverband ZVNL auf dpa-Anfrage mit. Auch in Ostsachsen wird der Umstieg von Diesel- zu Akkuzügen auf Strecken ohne Oberleitung angestrebt - aber erst ab Anfang der 2030er Jahre.

In Leipzig wird auf Batteriezüge von Siemens gesetzt. 16 zweiteilige Fahrzeuge vom Typ Mireo Plus B mit 100 Sitzplätzen sollen ab dem Fahrplanwechsel im Dezember Bahnfahrer der Linie S1 chauffieren. Sie sind Teil eines Auftrags über insgesamt 75 Mireo-Züge für das S-Bahn-Netz mit einem Volumen von rund 500 Millionen Euro. 

Akku- statt Dieselzüge: Ostsachsen bereitet Umstieg vor 

Auch in Ostsachsen wird der Ausstieg vom Diesel auf Bahnstrecken ohne Oberleitung vorbereitet. Das betrifft das ganze Gebiet des Verkehrsverbundes, der sich von Dresden bis nach Görlitz erstreckt. Allerdings laufen die aktuellen Verträge noch bis Ende 2030 und 2031. "Die Fahrzeuge sind noch nicht bestellt, es sind circa 50 Stück für das ganze Netz geplant", erklärt eine Sprecherin des ZVVO. 

Für die Umstellung sind auch erhebliche Investitionen in die Ladeinfrastruktur für die Züge geplant. Die Rede ist von mehr als 100 Millionen Euro. Dennoch sei der Betrieb der Strecken mit Akkuzügen gemessen am gesamten Lebenszyklus etwa so wirtschaftlich wie bei heutigen Dieselzügen, heißt es mit Verweis auf eine Untersuchung von Experten der Technischen Universitäten Dresden und Berlin. 

Die Vogtländer sind dagegen noch zurückhaltend, was die neue Technik betrifft. Entwicklungen zu alternativen Antriebstechnologien würden aufmerksam beobachtet - etwa der Einsatz der Akkuzüge zwischen Chemnitz und Leipzig, aber auch in verschiedenen Netzen in Norddeutschland, erläutert eine Sprecherin. Ob und in welcher Form alternative Antriebstechnologien aber künftig im Vogtland zum Einsatz kommen, werde auf Basis dieser Erkenntnisse sowie der jeweiligen Rahmenbedingungen entschieden. "Eine Festlegung auf eine bestimmte Technologie besteht derzeit nicht." 

Sind Wasserstoffzüge eine Alternative?

Da, wo keine Oberleitung vorhanden ist, kommen bisher vorrangig Züge mit Dieselmotor zum Einsatz. Wegen ihrer schlechten Klimabilanz wird jedoch nach Alternativen gesucht. Neben Triebwagen, die vergleichbar mit einem E-Auto ihren Strom aus einem Akku beziehen, der immer wieder aufgeladen werden muss, kommen dafür auch Wasserstoffzüge infrage. Sie sind Experten zufolge aber teurer unter anderem wegen höherer Betriebskosten und einer schlechteren Energieeffizienz. 

Laut dem Elektrotechnik-Verband VDE verbraucht ein Wasserstoffzug dreimal mehr Strom als ein Akkuzug. Denn Wasserstoff wird zunächst aus Strom gewonnen und dann in der Brennstoffzelle wieder in Strom umgewandelt. Das schmälert die Effizienz. Umweltschonend sei das Ganze zudem nur, wenn die Züge mit grünem Wasserstoff betrieben werden - der Treibstoff also mit Hilfe erneuerbarer Energien hergestellt wird. Das gilt auch für den Strom, mit dem die Batterien der Akkuzüge gespeist werden. Doch grüner Wasserstoff wird auch gebraucht, um energieintensive Industriezweige wie die chemische Industrie und die Stahlproduktion klimafreundlich umzubauen. Und bisher ist er rar. 

Erste Akkuzüge fahren zwischen Chemnitz und Leipzig

Seit Monatsbeginn sind in Sachsen die ersten Akkuzüge regulär im Einsatz: auf der Linie RE 6 zwischen Chemnitz und Leipzig. Sie ersetzen dieselbetriebene Züge und sollen den Schienenpersonennahverkehr klimafreundlicher machen. Im Vergleich zur Fahrt mit den bisherigen Doppelstockzügen mit Diesellok werde der CO2-Ausstoß um zwei Drittel reduziert, so die Mitteldeutsche Regiobahn (MRB) als Betreiber. 

Die rund 80 Kilometer lange Strecke zwischen den beiden Großstädten ist nicht elektrifiziert. Die Akkus auf dem Dach der neuen Fahrzeuge werden während des Halts am Bahnhof geladen. Insgesamt hat der Verkehrsverbund Mittelsachsen elf solcher Züge vom Typ Coradia Continental des Herstellers Alstom für rund 70 Millionen Euro geordert. Die Auslieferung hat sich aber um rund zwei Jahre verzögert. 

Nach Sachsen-Premiere: Wie läuft der RE 6-Betrieb?

Täglich fahren den Angaben zufolge aktuell zwei Akkuzüge in Doppeltraktion - das sind zwei aneinander gekoppelte Triebwagen - und bieten damit jeweils 300 Sitzplätze. Damit werde bereits ein Viertel des Gesamtverkehrs auf der Strecke mit den neuen elektrischen Zügen bestritten, heißt es vom Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) und der MRB. Bis Mitte Juni soll die bisherige Flotte nun komplett durch Akkuzüge ersetzt werden. 

Der Start der neuen Züge sei "sehr positiv gelaufen", resümiert die MRB auf dpa-Anfrage. "In der ersten Betriebswoche konnten wir eine sehr hohe Pünktlichkeit verzeichnen, und auch die Rückmeldungen unserer Fahrgäste fallen durchweg sehr erfreulich aus." Es gebe noch einige kleinere Punkte im Betriebsablauf, die optimiert würden. Und Bahnreisende und Pendler waren zu Beginn dieser Woche nun mit Störungen auf der Strecke konfrontiert. Ursache dafür ist, dass Unbekannte in Leipzig einen Kabelkanal an einer Bahnbrücke beschädigt haben. 

Künftig, so der Plan, könnten RE 6-Züge über Chemnitz hinaus weiter ins Erzgebirge bis nach Annaberg-Buchholz fahren - zumindest morgens und abends, heißt es beim VMS. Wann es so weit sein wird, steht aber nicht fest.

MRB zum Einsatz der neuen Akkuzüge

dpa

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