Auf Sachsens Bühnen wird weiter gespielt, doch hinter den Kulissen wächst der Druck. Steigende Kosten und knappe öffentliche Kassen bringen viele Theater zunehmend an ihre Grenzen. "Ihnen geht es mitunter sehr schlecht", sagt Lutz Hillmann, Geschäftsführer beim Deutschen Bühnenverein, Landesverband Sachsen. Viele Häuser hätten mit "größten finanziellen Schwierigkeiten" zu kämpfen. Tarifsteigerungen würden die Budgets der Theater zunehmend belasten. "Das kann für einige Häuser der Todesstoß sein."
Laut Hillmann, der Intendant des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters in Bautzen ist, geht die Schere zwischen wachsenden Kosten und begrenzten finanziellen Möglichkeiten immer weiter auseinander. Besonders angespannt sei die Lage unter anderem am Theater Plauen-Zwickau. Dort stünden Einsparungen in Millionenhöhe im Raum. Gleichzeitig hätten auch die Trägerkommunen mit eigenen finanziellen Problemen zu kämpfen. Wie die Situation gelöst werden soll, sei derzeit offen. Perspektivisch könnte die Talfahrt auch krisensichere Häuser erreichen. Das große Opernhaus in Leipzig etwa stehe vor finanziellen Schwierigkeiten und einer drohenden Insolvenz in zwei bis drei Jahren. "Daran ist zu sehen, wie eklatant die Lage ist."
Gestiegene Energie- und Materialkosten
Die Oper Leipzig bestätigt die wirtschaftlich angespannte Lage. Bereits 2025 habe das Haus mit einem deutlichen Minus abgeschlossen, sagt Verwaltungsdirektorin Lydia Schubert. Für die kommenden Jahre werde derzeit mit einem jährlichen Fehlbetrag von rund 2,5 Millionen Euro gerechnet. Rücklagen zur Deckung der Verluste seien inzwischen aufgebraucht.
Als Ursachen nennt Schubert vor allem gestiegene Energie- und Materialkosten sowie Tarifsteigerungen. Gleichzeitig belaste die angespannte Haushaltslage der Stadt Leipzig den Kulturbetrieb zusätzlich. "Selbst bei einer angenommenen Vollauslastung würden wir perspektivisch defizitär bleiben", sagt sie. Um gegenzusteuern, habe das Haus unter anderem interne Sparmaßnahmen eingeleitet. Dazu zählen eine Haushaltssperre für größere Ausgaben, zurückhaltende Nachbesetzungen von Stellen sowie Anpassungen im Spielplan. Zudem seien für die kommende Spielzeit höhere Ticketpreise geplant. Allein durch Einsparungen lasse sich das strukturelle Defizit jedoch nicht ausgleichen, betont Schubert.
Streichungen bei Personal
"Die finanzielle Situation ist äußerst unsicher und der Druck enorm", sagt auch der Intendant der Erzgebirgischen Theater- und Orchester GmbH in Annaberg-Buchholz, Moritz Gogg. Sollten Tarifsteigerungen nicht künftig berücksichtigt werden, drohten Einschnitte. "Dann werden wir Personal oder eine Sparte abbauen müssen." Bereits jetzt werde versucht, vakante Stellen vorübergehend nicht nachzubesetzen. Der Betrieb komme mit einem personellen Minimum aus, bei dem derzeit 15 Stellen fehlten.
Die bisherigen Einsparungen gingen "auf dem Rücken der Belegschaft, was unverantwortlich und kein haltbarer Zustand ist", so Gogg. "Wir fordern nicht mehr Geld, um den Betrieb aufzustocken, sondern den Ist-Zustand zu retten. Und der wurde bereits seit Jahren brutal kaputtgespart." Eine verlässliche und auskömmliche Finanzierung sei daher entscheidend. Das Haus beschäftigt rund 150 Mitarbeiter und verzeichnet jährlich etwa 70.000 Besucher.
"Wir schieben derzeit ein Defizit von rund 1,7 Millionen Euro vor uns her", sagt der Intendant des Gerhart-Hauptmann-Theaters Görlitz-Zittau, Daniel Morgenroth. Gespart werde, wo es irgendwie geht, etwa indem frei werdende Stellen nicht sofort nachbesetzt werden. "Raubbau am Personal" sei jedoch absolut keine Lösung. Angesichts der finanziellen Sorgen vieler Einrichtungen sei der Austausch untereinander wichtig und hilfreich, sagt Morgenroth. Vom 21. bis 26. April richtet sein Haus in Görlitz und Zittau das 13. Sächsische Theatertreffen aus. Das Festival verstehe sich nicht nur als Leistungsschau, sondern auch als Ort der Begegnung, um Debatten anzustoßen und zu führen.
Forderung nach weiteren Einsparungen "dreist"
Morgenroth bezeichnete es als "dreist", weitere Einsparungen von Theatern zu fordern. Viele Häuser, vor allem im ländlichen Raum, hätten in den zurückliegenden Jahren nichts anderes gemacht als gespart. In Görlitz und Zittau etwa sei das Personal seit 2010, als beide Standorte fusionierten, um insgesamt 15 Prozent reduziert worden.
Nach Angaben des Intendanten hängt das ostsächsische Theater an den beiden Städten und dem Landkreis Görlitz als größtem Gesellschafter. Der Haushalt des finanzschwächsten Landkreises in Sachsen weise allerdings ein zweistelliges Millionendefizit auf, weshalb Tariferhöhungen nur schlecht aufgefangen werden könnten.
Die Unterstützung für Kommunen über das sächsische Kulturraumgesetz sei zwar seit 2000 um 35 Prozent auf inzwischen rund 105 Millionen Euro pro Jahr erhöht worden. Allerdings stünden dem Tarifsteigerungen von 83 Prozent im gleichen Zeitraum gegenüber. "Die Last ist zu den Kommunen gewandert", verdeutlichte Morgenroth, der zugleich Landesvorsitzender des Bühnenvereins in Sachsen ist.
Kulturhauptstadt vorsichtig optimistisch
Am Theater Chemnitz ist die Lage derzeit noch stabil, allerdings mit unsicherem Ausblick. Für das laufende Jahr sei der Haushalt ausgeglichen, heißt es aus dem Haus. "Unsicherheit und Sorge gibt es jedoch für die Folgejahre ab 2027", sagt Generalintendant Christoph Dittrich. Hintergrund seien noch ausstehende Haushaltsentscheidungen auf Landes- und kommunaler Ebene.
Ein Defizit gebe es aktuell zwar nicht, die finanziellen Spielräume seien jedoch "extrem knapp". Große Herausforderungen blieben vor allem steigende Personalkosten durch Tarifsteigerungen, die sich im Kulturbereich kaum durch Mehreinnahmen kompensieren ließen. Perspektivisch könne auch die Zahl der Stellen zum Diskussionsthema werden.
Für zusätzliche Dynamik sorgt derzeit das Kulturhauptstadtjahr 2025: Besucherzahlen und Einnahmen hätten sich positiv entwickelt, der Trend halte an. Auch mit Blick auf das internationale Festival "Theater der Welt" im Sommer 2026 setzt das Haus auf weitere Impulse.