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"schwerste Straftaten begangen" Bundesweite Razzien gegen United Tribuns – Nancy Faeser verbietet Rockergruppe

Mitglieder der United Tribuns
Mitglieder der nun verbotenen Rockergruppe United Tribuns 
© Sdmg/ / Picture Alliance
Bundesinnenministerin Nancy Faeser hat die Rockergruppe United Tribuns wegen krimineller Machenschaften verboten. Am Mittwochmorgen fanden in diesem Zusammenhang Razzien in neun Bundesländern statt. Der Rockergruppe werden schwerste Straftaten vorgeworfen.

"Mitglieder der Gruppierung United Tribuns haben schwerste Straftaten begangen: Sexualstraftaten, Menschenhandelsdelikte und versuchte Tötungsdelikte", erklärte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) am Mittwoch in Berlin. Am Mittwochmorgen fanden nach Angaben ihrer Behörde im Zusammenhang mit dem Verbot Durchsuchungen in neun Bundesländern statt. 

In Nordrhein-Westfalen wurden nach Düsseldorfer Polizeiangaben 40 Objekte durchsucht. Darunter seien Vereinsheime und Privatwohnungen in Wuppertal, Köln, Remscheid und Mettmann sowie in mehreren anderen Städten. Bei einem Objekt in Köln seien Spezialeinheiten im Einsatz gewesen. Insgesamt seien mehrere Hundert Beamte an den Durchsuchungen in NRW beteiligt.

Der Gesamtverein sowie seine 13 sogenannten Chapter werden nach Ministeriumsangaben aufgelöst und das Vereinsvermögen beschlagnahmt. Von dem Verbot sind nach Angaben des Bundeskriminalamts knapp hundert Mitglieder in Deutschland betroffen. Kennzeichen des Vereins dürften "weder verbreitet noch öffentlich oder in einer Versammlung verwendet werden", erklärte das Ministerium weiter. Es untersagte zudem, Ersatzorganisationen zu bilden.

Das Vereinsverbot erfolgt nach Angaben des Bundesministeriums in Abstimmung mit den Innenministerien von Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Thüringen.

Nancy Faeser: Müssen zeigen, dass wir solche Gruppierungen "nicht dulden"

Mitglieder des Vereins hätten teilweise schwerste Straftaten begangen. Dazu zählten verschiedene Körperverletzungs- und versuchte Tötungsdelikte im Zusammenhang mit gewalttätigen Auseinandersetzungen etwa mit konkurrierenden Rockergruppierungen wie den Hells Angels. Die Mitglieder hätten sich aber auch durch Sexual- und Menschenhandelsdelikte, Betrugsdelikte oder Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz strafbar gemacht. Dass Straftaten durch die United Tribuns nicht nur geduldet, sondern auch "gefördert und belohnt" würden, zeige sich auch daran, dass es verschiedene Aufnäher ("Patches") des Vereins gebe, die an Mitglieder verliehen würden, die Straftaten im Sinne des Vereins verübten.

"Wir müssen als Rechtsstaat sehr deutlich zeigen, dass wir Gruppierungen, von denen so schwere Straftaten ausgehen, nicht dulden", teilte Faeser mit. Vereinsverbote seien "ein scharfes Schwert", von dem in genau diesen Fällen Gebrauch gemacht werde.

Rockerkriminalität sei von großer Brutalität geprägt. Auseinandersetzungen im Rockermilieu gefährdeten immer wieder völlig unbeteiligte Menschen. Faeser dankte allen beteiligten Einsatzkräften für die "gut vorbereiteten und konsequenten Maßnahmen".

United Tribuns: Eine der mächtigsten und mitgliederstärksten Gruppierungen in Deutschland

Die United Tribuns wurden nach Ministeriumsangaben 2004 von einem ehemaligen bosnischen Boxer in Villingen-Schwenningen gegründet und stiegen neben der rockerähnlichen Gruppierung Black Jackets zu einer der mächtigsten und mitgliederstärksten Gruppierungen in Deutschland auf. Ihr gehören Deutsche und Ausländer an, die überwiegend aus den Staaten des ehemaligen Jugoslawien stammen. Nach außen stellt sich der Verein demnach als eine "Bruderschaft" mit Affinität zum Kampfsport und Fitnessmilieu dar.

Der Gründer soll sich nicht mehr in Deutschland aufhalten. Der Mann, der während des Krieges in Bosnien als Flüchtling nach Deutschland gekommen war, arbeitete den Angaben zufolge zunächst als Türsteher und gründete später mit anderen zwei Bordelle.

nk DPA AFP

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