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Kampf gegen die Kilos: Teilnehmer von "The Biggest Loser" nehmen wieder kräftig zu

Dauerhaft schlank mithilfe einer TV-Show? Für 14 ehemalige Teilnehmer von "The Biggest Loser" blieb das Wunschdenken. Sie nahmen nach dem Ende der Show wieder zu. Wissenschaftler glauben den Grund zu kennen.

"The Biggest Loser" Teilnehmer nehmen nach der Sendung wieder an Gewicht zu

Ehemalige Teilnehmer von "The Biggest Loser" nehmen nach Ende der Show wieder an Gewicht zu – zu diesem Ergebnis kommt eine US-Studie

Die Fernsehshow "The Biggest Loser" ist eine Erfolgsgeschichte – in doppelter Hinsicht. Da wären zum einen die beachtlichen Einschaltquoten für den US-amerikanischen TV-Sender NBC, die er Jahr für Jahr mit der Abnehmshow einfährt. Die Erfolgssendung läuft dort bereits seit dem Jahr 2004 – und hat es auch ins Fernsehen hierzulande geschafft: Auf Sat.1 ist derzeit die aktuelle deutsche Staffel zu sehen.

Beeindruckend sind die Abnehmerfolge der übergewichtigen Teilnehmer: Vor der Fernsehkamera hungern und sporteln sie sich in Richtung Idealgewicht. Dank des straffen Sport- und Diätprogramms verlieren die Teilnehmer Dutzende Kilo – und sind nach Ende der Show meist kaum wiederzuerkennen. Die Botschaft dahinter: Mit Sport, bewusster Ernährung und Durchhaltevermögen verwandeln sich Übergewichtige in gesündere, schlankere Menschen. Gewichtsverlust, so scheint es, ist lediglich eine Frage der Willensstärke.

"The Biggest Loser": 58 Kilo abgenommen, davon 41 Kilo wieder drauf

Eine kleine Studie der US-amerikanischen National Institutes of Health legt nun allerdings nahe: Ganz so einfach ist es mit dem Abnehmen nicht. Die Forscher gingen der Frage nach, was von den Abnehmerfolgen bleibt, wenn die Fersehkameras weg sind – und stellten fest: erstaunlich wenig. Litten die Teilnehmer nach Ende der Show nur noch an einer milden Form der Adipositas, so waren sie nach Jahren mit einem durchschnittlichen BMI von rund 44 wieder deutlich fettleibig.

Die Wissenschaftler untersuchten das Gewicht der 14 ehemaligen "The Biggest Loser" Kandidaten. Während der TV-Show hatten alle Teilnehmer ordentlich abgespeckt, durchschnittlich gut 58 Kilogramm. Nach sechs Jahren war jedoch ein Großteil der Kilo zurück. Im Schnitt hatten die ehemaligen Kandidaten wieder 41 Kilogramm zugelegt.

Den Grund für die erneute Gewichtszunahme vermuten die Wissenschaftler im Grundumsatz: Dabei handelt es sich um die Energiemenge, die ein Mensch täglich benötigt, um die Grundfunktionen des Körpers am Laufen zu halten. So verbrauchen Organe wie Darm und Herz Energie, damit sie ihren Aufgaben nachgehen können. Wie hoch der Grundumsatz eines Menschen ausfällt, ist von verschiedenen Faktoren abhängig: Große oder übergewichtige Menschen haben per se einen höheren Bedarf – ihre Organe müssen schlicht mehr Arbeit leisten.

Die Krux mit dem Grundumsatz

Nimmt ein Mensch ab, sinkt sein Kalorienbedarf. Wissenschaftler sprechen dann von einer Anpassung des Stoffwechsels. Dieser war auch bei den "The Biggest Loser"-Kandidaten zu beobachten, berichtet das Team um Wissenschaftlerin Erin Fothergill im Fachblatt Obesity. Da der Gewichtsverlust teilweise sehr extrem war, verbrannten die Körper der Kandidaten täglich durchschnittlich 600 Kilokalorien weniger als zuvor. Dieser Effekt war sowohl unmittelbar nach der TV-Sendung, als auch sechs Jahre danach noch zu beobachten.

Das Besondere: Die Forscher vermuten, dass der extreme Gewichtsverlust den Stoffwechsel der Teilnehmer verlangsamt hat. Ihr Grundumsatz lag durchschnittlich 500 Kilokalorien unter dem Wert, der für ihr Gewicht üblich wäre. Dadurch entsteht für die ehemaligen Kandidaten ein entscheidender Nachteil: Im Vergleich zu Menschen mit demselben Gewicht, die keine Diät gemacht haben, müssten sie sich beim Essen noch mehr zügeln, um nicht wieder zuzunehmen.

Übertragbar sind diese Ergebnisse allerdings nur bedingt: Zum einen war die Studie sehr klein, die Wissenschaftler haben lediglich die Daten von 14 Menschen ausgewertet. Zum anderen haben diese in sehr kurzer Zeit viel Gewicht verloren – und das unter den Augen der Öffentlichkeit. Dieser Erfolgsdruck könnte die Teilnehmer dazu veranlasst haben, sich zu ehrgeizige Ziele zu setzen, was wiederum den Jo-Jo-Effekt verstärkt haben könnte.

Klar ist: In zu kurzer Zeit zu viel Gewicht zu verlieren, ist nicht empfehlenswert, um dauerhaft schlank zu bleiben. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt stattdessen ein langfristiges Konzept. Dieses sieht sowohl eine Ernährungsumstellung, als auch Sport vor – als ideal gelten 30 bis 60 Minuten Bewegung pro Tag. Dabei gilt es, realistisch zu planen: Mehr als ein bis zwei Kilo pro Monat sollten nicht abgenommen werden.

ikr
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