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Pandemie "Wir müssen mit dem Virus leben": Italien prüft Ausstieg aus dem Corona-Lockdown

Ein Paar schützt sich mit einem Regenschirmen vor dem Regen, während sie über den Markusplatz spazieren
Ein Paar schützt sich mit einem Regenschirmen vor dem Regen, während sie über den Markusplatz in Venedig spazieren. Auch die Touristen-Metropole in Norditalien ist wegen des Corona-Lockdowns fast gänzlich verwaist.
© Francisco Seco / AP / DPA
Seit Wochen ist das Land heruntergefahren: Wegen des grassierenden Coronavirus gelten in Italien strenge Regeln und Ausgangsbeschränkungen. Jetzt, da die Zahlen langsam Hoffnung machen, überlegt die Regierung, wie sie aus dem Lockdown wieder aussteigen könnte.

Die Zahlen machen langsam Hoffnung, da gibt es in Italien erste Überlegungen, wie der Exit aus dem Corona-bedingten Lockdown aussehen könnte.

Gesundheitsminister Roberto Speranza hat einen Fünf-Punkte-Plan zum kontrollierten Abbau der Beschränkungen ausgearbeitet. Es sei aber unverantwortlich, ein Datum für die Rückkehr zur Normalität zu versprechen, sagte er der Zeitung "La Repubblica". 

Italien hat den Corona-Höhepunkt womöglich schon erreicht

Noch immer ist Italien mit knapp 15.400 Toten und rund 125.000 Infizierten eines der am schlimmsten von der Corona-Krise getroffene Land in Europa. Doch die Ausbreitung scheint sich zu verlangsamen. Am Samstag blieb die tägliche Zahl der Covid-19-Toten erstmals binnen neun Tagen unter 700. Auch die Zahl der Neuinfektionen liegt seit vier Tagen relativ konstant bei 4000 bis 4800. Wissenschaftler sprachen deshalb bereits vor dem Wochenende davon, dass das Land den Höhepunkt der Epidemie erreicht haben könnte. Dieser sei aber kein Gipfel, sondern ein Plateau.

Dennoch warnte Speranza: "Wir müssen die Wahrheit sagen. Die Situation bleibt dramatisch. Der Notfall ist noch nicht vorbei. Die Gefahr ist noch nicht gebannt. Wir haben noch einige schwierige Monate vor uns."

Speranza: "Wir müssen mit dem Virus zusammenleben"

Um für alle Fälle vorbereitet zu sein, sitzt die Regierung bereits an einem Masterplan, wie ein kontrollierter Ausstieg aus dem Ausnahmezustand aussehen könnte. Nach den Worten Speranzas sollen dafür unter anderem die Regeln für soziale Kontakte aber aufrechterhalten werden. Das bedeutet: Weiterhin soll "social distancing" das wichtigste Gebot bleiben.

Zudem werde geprüft, die Zahl der Tests massiv zu erhöhen und mehr Möglichkeiten zu schaffen, Kranke zu Hause und nicht in Krankenhäusern zu behandeln. Ferner sollen mehr Krankenhäuser bereitgestellt werden, die spezialisiert sind auf die vom Virus ausgelöste Lungenkrankheit Covid-19. Und es soll eine App entwickelt werden, mit der Infizierte aus der Ferne medizinisch betreut werden können.

"Unsere Aufgabe ist es, die Bedingungen zu schaffen, um mit diesem Virus zu leben – oder vielmehr: zusammen zu leben. Zumindest bis wir den Impfstoff oder ein Heilmittel haben", erklärte Speranza. Dabei sei er sich sicher, so der Gesundheitsminister weiter, dass "wir es schaffen werden. Wir sind ein großes Volk."

Bevölkerung kämpft mit Ausnahmezustand

In der Wirtschaft und der Bevölkerung gibt es Anzeichen von Ungeduld und Verdruss wegen der seit dem 10. März geltenden Beschränkungen. Diese laufen am 13. April aus. Medienberichten zufolge könnte danach eine begrenzte Zahl von Industriezweigen möglicherweise wieder die Arbeit aufnehmen.

Ein Paar schützt sich mit einem Regenschirmen vor dem Regen, während sie über den Markusplatz spazieren
Ein Paar schützt sich mit einem Regenschirmen vor dem Regen, während sie über den Markusplatz in Venedig spazieren. Auch die Touristen-Metropole in Norditalien ist wegen des Corona-Lockdowns fast gänzlich verwaist.
© Francisco Seco / AP / DPA

Szenarien zum Ausstieg aus dem Ausnahmezustand werden auch in Deutschland bereits diskutiert – führende Wissenschaftler warnen jedoch davor, dies verfrüht einzuleiten. Zu groß sei die Gefahr einer zweiten großen Infektionswelle.

Quellen: "La Repubblica", Italienisches Datencenter, Nachrichtenagenturen DPA, ANSA


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