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US-Drogenprobleme: 20 Millionen Pillen für 2900 Einwohner: Die irre Opiat-Krise der USA

In den USA gibt es eine ernsthafte Heroin-Krise, auch Donald Trump ist das schon aufgefallen. Eine neue Studie zeigt nun, mit welch wahnsinniger Selbstverständlichkeit die Amerikaner Opiate einnehmen - und damit ganze Städte in die Sucht treiben.

Oxycodon Heroin Opiat Krise

Das Opiat Oxycodon verbreitet sich in den USA immer weiter

Getty Images

"Hillbilly Heroine" - Hinterwälder-Heroin. So wird das in den USA extrem beliebte Schmerzmittel Oxycodon auch genannt. Es ist das Symbol für die landesweite Opiat-Epidemie, die Präsident Donald Trump schon den "Gesundheits-Notstand" ausriefen ließ. Wie viele andere Probleme soll sie sein Schwiegersohn Jared Kushner lösen. Und eine Lösung ist so dringend nötig wie nie, das zeigt eine aktuelle Studie.

Die wurde vom Energie- und Handels-Komitee des US-Repräsentantenhauses in Auftrag gegeben und soll den Zusammenhang zwischen Opiat-Sucht und verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln untersuchen. Der Verdacht: Viele Heroin-Süchtige kamen nur auf die Droge, weil sie eigentlich süchtig nach Schmerzmitteln auf Opiat-Basis waren - und die irgendwann zu teuer wurden.

Massendroge Oxycodon

Ein Extremfall in Williamson im Bundesstaat West Virginia zeigt das erschreckende Ausmaß des Medikamenten-Missbrauchs. Mehr als 20 Millionen Tabletten hatten Pharmakonzerne zwischen 2006 und 2016 in die zwei Apotheken der Kleinstadt geliefert - obwohl sie nur 2900 Einwohner hat. Das entspricht knapp 700 Tabletten pro Jahr auf jeden einzelnen Einwohner, vom Säugling bis zum Rentner.

Bei den 20 Millionen Pillen handelte es sich nur um die beiden Schmerzmittel Hydrocodon und Oxycodon. Letzteres wurde von Merck erfunden und in Deutschland unter dem Namen Eukodal vertrieben - bis es 1990 vom Markt genommen wurde. Wegen der hohen Sucht- und Missbrauchsgefahr. Erst 2003 kam es als Kombinationspräparat wieder auf den Markt. 

In den USA entwickelte es sich derweil zum Kassenschlager. Obwohl es für den Einsatz bei starken und sehr starken Schmerzen gedacht ist, verschreiben es die dortigen Ärzte auch gerne bei moderaten Problemen. In einem Bericht des "Guardian" erzählen Süchtige, wie sie einfach zu spezialisierten "Schmerz-Beratern" gingen, um neue Rezepte zu bekommen. "Da gab es nie Versuche, die Dosierung zu senken. Man ging rein und er verschreib so viel es ging." Bezahlt wird der Arzt in  Cash.

Tödliches Geschäft

Auch in den Apotheken in der Umgebung von Wlliamson scheint nicht alles mit rechten Dingen zugegangen zu sein, berichtet die Lokalzeitung"WVGazette". Ein Dorf mit 400 Einwohnern sei ebenfalls regelrecht geflutet worden. 2008 haben die Pharma-Konzerne demnach auf jeden Einwohner 5624 Pillen geliefert. Auch eine Schmerzklinik habe ihre Finger im Spiel gehabt. 2015 seien alleine 40 Prozent der Rezepte für Oxycodon in der Gegend von einem einzigen Doktor ausgeschrieben worden. Die örtliche Ärztekammer hat ihm mittlerweile wegen "Gefährdung der öffentlichen Gesundheit und Sicherheit" die Lizenz entzogen.

Die Folgen der Überfrachtung mit Pillen merkt man im ganzen Bundesstaat. Laut des Repräsentantenhaus-Berichtes hatte West Virgina mit 880 Todesopfern die höchste Zahl an tödlichen Überdosen in den ganzen USA. Die Tendenz: deutlich steigend.

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