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Lebensmittelallergie Forscher tricksen Immunsystem aus


Wer Erdnüsse nicht verträgt, lebt gefährlich. Denn kleinste Spuren können gefährliche Reaktionen auslösen. Bisher gab es kaum wirksame Therapien. US-Forschern gelang es, das Immunsystem auszutricksen.

Bei einer Nahrungsmittelallergie lösen auch kleinste Bestandteile bestimmter Lebensmitteln heftige, auch lebensgefährliche Immunreaktionen aus. Jetzt konnten amerikanische Mediziner in Versuchen mit Mäusen mithilfe eines neuartigen Verfahrens solche allergischen Reaktionen auf Erdnüsse abschalten. Sie koppelten Erdnussproteine an weiße Blutkörperchen, die den Tieren anschließend injiziert wurden. Nach nur zweimaliger Behandlung hatte das Immunsystem der Mäuse gelernt, mit der Nahrung aufgenommene Erdnüsse zu tolerieren. Wie die Forscher an einem anderen Beispiel zeigen konnten, eignet sich die Technik auch zur Therapie anderer Allergieformen, schreiben sie im Fachblatt "Journal of Immunology".

"Wir glauben, dass wir einen Weg gefunden haben, um die allergischen Reaktionen bei Nahrungsmittelallergien sicher und schnell abzuschalten", sagt Paul Bryce von der Northwestern University Feinberg School of Medicine in Chicago, der zusammen mit Stephen Miller das Forscherteam leitete. Für ihre Experimente hatten die Wissenschaftler Mäuse mit einer starken Erdnussallergie erzeugt. Der Verzehr der Nüsse löste überschießende Immunreaktionen aus, die einen oft tödlich verlaufenden anaphylaktischen Schock zur Folge hatten.

Veränderte weiße Blutkörperchen

Die Forscher entnahmen dem Blut der Mäuse weiße Blutkörperchen, sogenannte Leukozyten, und hefteten daran Erdnussproteine, die für die allergische Reaktion verantwortlich sind. Die so veränderten Leukozyten wurden den Mäusen dann wieder injiziert. Nach einer erneuten Behandlung auf dieselbe Weise erhielten die Tiere Erdnussextrakt mit der Nahrung. Der anaphylaktische Schock blieb nun aus.

"Das Immunsystem tolerierte das Erdnussprotein, weil das Protein zuvor bereits von den weißen Blutkörperchen präsentiert wurde", sagt Bryce. Er hält es für möglich, mehr als nur eine Art von Proteinen an die Leukozyten zu koppeln, so dass auch Therapien gegen mehrfache Nahrungsmittelallergien denkbar wären. Durch die Behandlung, so Bryce, würde das gestörte Gleichgewicht zwischen zwei Typen von Immunzellen - den aggressiven Th2-T-Zellen und den dämpfenden regulatorischen T-Zellen - wiederhergestellt. Das Verfahren erwies sich auch bei einer anderen Form der Allergie als wirksam, bei der ein Protein aus Eiern asthmaartige Anfälle auslöst.

In weiteren Experimenten prüfen die Forscher nun, ob sich die Leukozyten durch künstliche Mikropartikel ersetzen lassen. Solche Partikel als Träger von Allergie auslösenden Proteinen ließen sich leichter auf standardisierte Weise herstellen.

Joachim Czichos, Wissenschaft aktuell

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