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Arthrose-Therapie: Spritzen gegen Knieleiden oft wirkungslos

Schmerzt das Knie, verspricht eine Spritze Linderung. Eine Studie zeigt jedoch, dass Injektionen und Spiegelungen bei Arthrose-Patienten kaum Wirkung zeigen. Zudem werden Nebenwirkungen unterschätzt.

Arthrose ist unheilbar - und mitunter ziemlich schmerzhaft. Verschleißt das Kniegelenk, sollen Spritzen und Spiegelungen die Symptome lindern, Schwellungen abbauen, die weitere Beweglichkeit fördern oder das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen. Doch die bislang gängigen Maßnahmen sind einer Studie zufolge häufig wirkungslos. Für den "Faktencheck Gesundheit" der Bertelsmann-Stiftung hat das Harding-Zentrum für Risikokompetenz am Max-Planck-Institut in Berlin aktuelle Untersuchungsergebnisse analysiert. Gelenkspiegelungen, Hyaluron- und Kortikoid-Injektionen zeigten demnach bei Arthrose nur einen sehr begrenzten Nutzen, hieß es in der Analyse. Risiken, die mit den Eingriffen verbunden sind, seien zudem oft unzureichend erforscht.

Dem Robert-Koch-Institut zufolge ist Arthrose die weltweit am meisten verbreitete Gelenkerkrankung. In Deutschland sind demnach etwa jeder dritte Mann und jede zweite Frau über 60 Jahre von Knieschmerzen betroffen, häufig leiden sie an Arthrose. Bei einer Arthrose kommt es zu einem fortschreitenden Abbau des Gelenkknorpels, was die Beweglichkeit zunehemend einschränkt. Zu den Faktoren, die Kniearthrose begünstigen und beschleunigen, zählt auch Übergewicht.

Wirkung schon nach vier Wochen verpufft

Besonders die Injektion von Hyaluron sei kritisch zu bewerten, heißt es in dem "Faktencheck". Die "Gelenkschmiere" hilft gegen Schmerz und hält das Knie beweglich. Der Erfolg sei jedoch schon nach vier Wochen nicht mehr nachweisbar. "Spritzen und Spiegelungen sind auf längere Sicht häufig wirkungslos", erklärt Gerd Gigerenzer, Direktor des Harding-Zentrums. "Ihr Nutzen wird allzu oft überschätzt und die verbundenen Risiken, wie etwa Entzündungen, Schwellungen oder die Verletzung von Gefäßen ausgeblendet." Die Gabe von Kortikoid, ein entzündungshemmendes Stereoid, sei keine nennenswerte Alternative. Beide Methoden müssen von den Patienten außerdem selbst bezahlt werden. Viele Knie-Patienten setzen auch auf eine Gelenkspiegelung, bei der lose Knorpel- und Gewebepartikel aus dem Knie gespült werden. Der "Faktencheck" untersuchte auch die Wirksamkeit einer solchen sogenannten Arthroskopie. In vielen Fällen könnten die Patienten nach einer Operation weder besser laufen, noch hätten sie weniger Schmerzen als Nichtoperierte, so das Fazit.

Konservative Maßnahmen am nachhaltigsten

Die Autoren der Studie empfehlen zunächst konservative Maßnahmen wie Abnehmen, gelenkschonende Aktivitäten, Physio-, Ergo- und physikalische Therapie. Solche Maßnahmen erforderten zwar mehr Eigenverantwortung, seien oft aber nachhaltiger, sagt Eckhard Volbracht, Projekt Manager beim "Faktencheck Knieoperation" .

mh/DPA / DPA

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