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Bilanz von Stiftung Warentest: Bio ist nicht immer besser

Sind Biolebensmittel besser als herkömmliche? Stiftung Warentest hat Bilanz gezogen und kommt zu dem ernüchternden Ergebnis: Generell gesünder und schmackhafter sind die Ökoprodukte nicht. Dennoch bieten sie Vorteile.

Von Lea Wolz

Wer Biolebensmittel kauft, will sich in der Regel gesünder und bewusster ernähren. Doch übertrumpfen Bioprodukte tatsächlich herkömmliche? Stiftung Warentest hat sich 85 Lebensmitteltests der vergangenen acht Jahre noch einmal angeschaut. Das Ergebnis: Grundsätzlich gesünder oder schmackhafter als konventionelle Lebensmittel sind Bioprodukte nicht. "Sehr gute" und "mangelhafte" Produkte kommen bei beiden Gruppen vor. Dennoch hat Ökokost laut Warentest zwei entscheidende Vorteile: Pestizide sind - selbst in geringen Mengen - nur selten vorhanden. Zudem engagieren sich die Hersteller deutlich mehr für die Umwelt und nehmen ihre soziale Verantwortung wahr.

Was ist also gut bei Bio und was nicht? Vor allem bei frischer Vollmilch und Würzölen waren die Ökoprodukte stärker. Weniger gut schnitten sie dagegen bei Babymenüs ab. Die waren zwar nicht mit Schadstoffen oder Keimen belastet, enthielten aber zu wenig Vitamin C und Fett. Auch beim nativen Rapsöl konnte Bio nicht punkten: Sieben von neun Bioprodukten rochen und schmeckten holzig, modrig oder ranzig. Viele konventionelle Rapsöle waren hier besser.

Weniger Keime, verbesserter Geschmack

Nach wie vor sind die meisten Ökolebensmittel teurer, im Mittel 30 bis 50 Prozent. Wer bereit ist, mehr Geld auszugeben, stellt sich daher berechtigt die Frage: Ist Bio auch wirklich Bio? Zumeist ja, sagt Stiftung Warentest, zumindest was die getesteten Lebensmittel betrifft. In so gut wie keinem Bioprodukt aus pflanzlichen Zutaten wiesen die Tester Rückstände von chemischen Pflanzenschutzmitteln nach. Auch Bio-Kühe wurden tatsächlich nach Ökovorschriften mit viel Gras gefüttert und Biolachse, die aus ökologischen Aquakulturen stammen, kommen ohne zugesetzte Farbstoffe aus. Lediglich zwei Bio-Sojadrinks waren zu Unrecht als solche ausgezeichnet.

Auch die Qualität begutachteten die Tester. Probleme bei Keimen und der Sensorik, also Geschmack und Geruch, haben Biohersteller im Lauf der Zeit größtenteils gemeistert. Demnach waren beim Räucherlachs in einem aktuellen Test weniger Keime zu finden als vor acht Jahren. Biomargarine schmecke deutlich besser, schreibt Stiftung Warentest in der Juni-Ausgabe ihrer Zeitschrift "test". Verbessert hat sich auch Bio-Honig: Ein "mangelhaft" wegen Rückständen oder untypischer Deklaration gab es in einem Test 2009 nicht mehr. Bei den extra nativen Bio-Olivenölen schwankte die Qualität allerdings immer noch - von "gut" bis "mangelhaft" war in aktuellen Tests alles dabei. Biobutter, Biorapsöl und Bioapfelsaft rutschten in den neuen Tests sogar ab, wobei Stiftung Warentest anmerkt, dass sich die Analytik in dieser Zeit verbessert habe und somit mehr nachgewiesen werden kann. Ein direkter Vergleich ist daher kaum möglich.

Weniger Pestizide als in herkömmlichen Produkten

Frischem Bioobst, Biogemüse und Biotee können Verbraucher laut Stiftung Warentest vertrauen: In 75 Prozent dieser Produkte waren seit 2002 gar keine Pestizide mehr nachweisbar. Bei den konventionellen Lebensmitteln waren es nur 16 Prozent, hier ist Bio klar im Vorteil. Dennoch lagen auch herkömmliche Lebensmittel in 91 Prozent der Fälle unter den gesetzlichen Höchstwerten für Pestizide. Erfreulich auch: Allgemein sinkt die Pestizidbelastung in den vergangenen Jahren.

Ein Versprechen erfüllen Biolebensmittel allerdings nicht: Sie sollen mehr bioaktive Stoffe enthalten als konventionell hergestellte. Diese Substanzen, mit denen sich Pflanzen vor schädlichen Umwelteinflüssen wie der UV-Strahlung schützen, sollen auch beim Menschen gesundheitsfördernd wirken. Allerdings kommen sie in allen naturnah hergestellten Produkten wie zum Beispiel trübem Apfelsaft vor, merkt Stiftung Warentest an - egal, ob diese ökologischer oder konventioneller Herkunft sind. Da sekundäre Pflanzenstoffe in den getesteten Lebensmitteln nicht in gesundheitsfördernden Mengen vorhanden waren, floss dieser Punkt allerdings nicht in die Bewertung mit ein.

Wer in einen Bioapfel beisst oder Biowurst kauft, beruhigt somit vor allem sein ökologisches und soziales Gewissen. Denn die Hersteller produzieren laut Stiftung Warentest zumeist umweltschonend, verzichten auf Massentierhaltung und handeln fair. Bei sechs der sieben Biokaffees wurde demnach das mehr gezahlte Geld auch tatsächlich an die Bauern und Kaffeepflücker weitergegeben.

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